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Geschichte

Erfolgsbuch: Denny Hafemann taucht tief in Zeesens Industriegeschichte ein

Cover des Buches „Hergestellt im Verborgenen – der Ort Zeesen und seine besondere Industrie- und Militärgeschichte" von Denny Hafemann.

Cover des Buches „Hergestellt im Verborgenen – der Ort Zeesen und seine besondere Industrie- und Militärgeschichte" von Denny Hafemann.

Zeesen. Quasi ausverkauft: Denny Hafemann ist selbst verblüfft, wie gut sein Buch über die Industrie- und Militärgeschichte Zeesens angekommen ist. Nur noch wenige Exemplare sind erhältlich, die Nachfrage ist weiterhin da. Auch deshalb arbeitet er mittlerweile an einer zweiten Auflage. „Grundsätzlich kann ich sagen, dass dieses Projekt wahrscheinlich nie wirklich enden wird. In meinem Kopf geht es immer weiter“, sagt er aber auch. Er ist neugierig, ob sich noch jemand findet, der vielleicht selbst noch Material für eine neue, erweiterte Auflage beisteuern kann.

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Strukturiert und akribisch hat Denny Hafemann die Geschichte von Schütte-Lanz aufbereitet

Erst zum Stadtfest von Königs Wusterhausen Ende Juni hatte Denny Hafemann "Hergestellt im Verborgenen – der Ort Zeesen und seine besondere Industrie- und Militärgeschichte" öffentlich präsentiert. Über die sozialen Medien hatte er in den vergangenen Monaten immer wieder dazu aufgerufen, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Er konnte mit Zeitzeugen sprechen und zig Tausende Fotos und Dokumente sichten. Akribisch wie ein Historiker ist er da vorgegangen, und das ist beim Lesen des Buches sehr positiv zu spüren: Detailliert und strukturiert bringt er die geschichtlichen Fakten zusammen.

Denny Hafemann aus Königs Wusterhausen mit seinem Erstlingswerk „Hergestellt im Verborgenen“.

Denny Hafemann aus Königs Wusterhausen mit seinem Erstlingswerk „Hergestellt im Verborgenen“.

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Der Titel – „Hergestellt im Verborgenen“ – verweist dabei auf zweierlei: Einerseits produzierte hier einst Schütte-Lanz abgeschottet kriegswichtiges Gerät, andererseits sind heute kaum noch Spuren jener Geschichte, die den kleinen Ort jahrzehntelang prägte, sichtbar. Denny Hafemann hat das Verborgene nun geborgen, äußerst informativ und bildreich aufgearbeitet.

Ab 1916 wurden in Zeesen Luftschiffe produziert – für das Militär

Für das 1909 von Johann Schütte und Karl Lanz gegründete Unternehmen Luftschiffbau Schütte-Lanz, eigentlich in Brühl angesiedelt, wurde ab 1915 eine neue Produktionsstätte in Zeesen errichtet. Bereits seit 1913 war Schütte-Lanz offiziell vertraglich zugesichert worden, dass über das Kriegsministerium fortlaufend Aufträge reinkommen würden.

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Die mehr als 10.000 Quadratmeter große Luftschiffhalle des Zeesener Areals war noch nicht ganz fertiggestellt, als der Standort am 1. April 1916 offiziell eröffnet wurde. Fertigungshallen, Verwaltungsgebäude, Kantine und ein Bahngleis entstanden. Die Halle für die Luftschiffe wurde letztlich 252 Meter lang und 35 Meter hoch. Mit 180 Arbeitern und 45 Beamten in der Verwaltung begann der Betrieb in Zeesen. Für Johann Schütte wurde noch bis 1918 eine reich ausgestattete Direktorenvilla gebaut. Das Werk in Zeesen war bald der zweitgrößte Arbeitgeber der Region – nach der Lokomotiven produzierenden Berliner Maschinenbau-AG, vormals L. Schwartzkopff, in Wildau.

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Um 1920 entstand diese Aufnahme des Schütte-Lanz-Werks in Zeesen, auf Luftschiff- und Flugzeughalle prangt Protest gegen den Versailler Vertrag.  

Um 1920 entstand diese Aufnahme des Schütte-Lanz-Werks in Zeesen, auf Luftschiff- und Flugzeughalle prangt Protest gegen den Versailler Vertrag.

Denny Hafemann zitiert aus einem 1916 veröffentlichten Zeitungsartikel einen pathetischen Eindruck zur riesigen Halle: „Und wenn ihr Riesenmaul sich öffnet, steigt unter dem Donner rhythmisch hämmernder Motoren das Luftschiff ,Schütte-Lanz’ zum Morgenhimmel empor, der schlanke Riesenleib, ein Wunder an Formschönheit, trotz der ungeheuren Größe von fabelhafter Eleganz.“ Schon im November 1916 wurde das erste in Zeesen gebaute Luftschiff fertig, 174 Meter lang war es, und es wurde dann bei der Marine eingesetzt. Ab 1917 werden überdies Flugzeuge in Zeesen produziert.

Blick in die Führergondel eines Schütte-Lanz-Luftschiffes.  

Blick in die Führergondel eines Schütte-Lanz-Luftschiffes.

Von 1945 bis 1994 nutzte die Rote Armee das Areal als Progress-Werk

Die wechselvolle und bereits 1925 in Zeesen endende Geschichte des auf Militärluftfahrt setzenden Unternehmens, das sich im Zuge des Versailler Vertrags quasi neu erfinden musste und Luftschiffe für die zivile Luftfahrt und sogar Kleinwagen entwickelte, hat Denny Hafemann genau aufgeschrieben. Nach Schütte-Lanz kam die Deutsche Reichspost, Johann Schüttes privates Anwesen wurde ein Erholungsheim für Postangestellte. Neben dem früheren Fabrikgelände entstand die Rundfunkstelle Zeesen, aus der kleineren Flugzeughalle wurde die „Deutsche Landkraftführerschule“.

Von 1936 bis 1945 war die frühere Luftschifffabrik die „Postschutzschule Zeesen“. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Zwangsarbeiter für die Errichtung weiterer Gebäude eingesetzt. Ab 1945 wurde das Gelände zum Progress-Werk, eine riesige Reparaturwerkstatt der Roten Armee. Nach Abzug der Truppen 1994 verfiel das Areals zusehends, nur wenige Gebäude blieben erhalten, großflächig wurde abgerissen.

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Schon als Teenager erkundete Denny Hafemann das Gelände

Denny Hafemann war ein Jugendlicher, als das Gelände bereits einen besonderen Reiz auf ihn ausübte. Einige der von ihm selbst gemachten Fotos, die Gebäude zeigen, die seit bald zehn Jahren nicht mehr existieren, entstanden damals.

Foto aus dem Buch „Hergestellt im Verborgenen – der Ort Zeesen und seine besondere Industrie- und Militärgeschichte" von Denny Hafemann:   

Foto aus dem Buch „Hergestellt im Verborgenen – der Ort Zeesen und seine besondere Industrie- und Militärgeschichte" von Denny Hafemann:

Im Vorwort seines Bands schreibt er einen bemerkenswerten Satz: „Dieses Buch ist ein Beitrag, die Geschichte lebendig zu halten und Menschen zur Erforschung der lokalen Historie zu inspirieren.“ Der Autor jedenfalls würde sich sehr freuen, wenn Interessierte und Kenner der Materie sich bei ihm melden, und zwar am besten per E-Mail via zeesenbuch@gmail.com.

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