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Königs Wusterhausen/Lübben

Lebensgefahr für Patienten? Leiter des Klinikums LDS weisen Vorwürfe zurück

Das Achenbach-Klinikum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen.

Das Achenbach-Klinikum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen.

Königs Wusterhausen/Lübben.Missmanagement, Personalmangel, Patienten in Lebensgefahr? Eine Pressemitteilung der UBL im Kreistag hat die Geschäftsführung im Klinikum Dahme-Spreewald in Aufruhr versetzt. Ausgangspunkt war ein Bericht von Ronny Brösemann, Praxisanleiter für Notfallsanitäter und Lokalpolitiker in Königs Wusterhausen, der zahlreiche Vorwürfe und angebliche Missstände zusammengetragen und veröffentlicht hatte.

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Laut Brösemann führe akuter Personalmangel am Achenbach-Krankenhaus derzeit dazu, dass die Notaufnahme nachts nur noch mit zwei Fachkräften besetzt sei. Eine Station für innere Medizin sei wegen Personalmangels bis mindestens September geschlossen. Dieser Mangel an freien Kapazitäten sei an anderer Stelle spürbar. „Hilfesuchende liegen bis zu 19 Stunden in der Notaufnahme, werden dort behandelt, obwohl dies nicht das primäre Ziel einer Notaufnahme ist“, heißt es wörtlich. Patienten müssten nach ihrer Stabilisierung oft in andere Krankenhäuser verlegt werden, weil das Klinikum LDS keinen Platz mehr habe.

Vorwurf der Gewinnmaximierung

Dem Haus fehle überdies Fachpersonal für notwendige Operationen. Weiter erhob Brösemann Vorwürfe der Gewinnmaximierung. Auch herrsche ein hoher Krankenstand. Kritische Mitarbeiter würden abgebügelt.

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UBL-Chef Frank Selbitz formulierte daraus eine Anfrage an Landrat Stephan Loge (SPD), wie sich dieser Entwicklung entgegenwirken lasse. Immerhin ist der Landkreis Mehrheitsgesellschafter, er hält 51 Prozent der Anteile am Klinikum mit seinen beiden Häusern in Lübben und Königs Wusterhausen. Betrieben wird das Haus von der Sana GmbH, die 49 Prozent hält.

Klinik-Chef Kabiersch: Schließung von wenig ausgelasteten Stationen „normal“

Die Antwort des Landrates steht noch aus. Fachlichen Hintergrund gaben aber der scheidende Klinik-Geschäftsführer Michael Kabiersch und der ärztliche Direktor des Klinikums, Benno Bretag, im Sozialausschuss. Dafür stellten sie eine 43-seitige Präsentation vor, in der die meisten Vorwürfe zurückgewiesen werden. Die Besetzung der Notaufnahme KW im Nachtdienst mit nur zwei Mitarbeitern sei nur bis September 2020 erfolgt, so Benno Bretag, danach sei auf drei umgestellt worden. Zu keiner Zeit habe Lebensgefahr für Patienten aufgrund einer nicht auskömmlichen Personalplanung bestanden.

Dass eine Station bei geringer Auslastung zeitweise geschlossen werde sei „in allen Krankenhäusern normal“, so Michael Kabiersch. Und, dass ein einziger Patient 19 Stunden in der Notaufnahme lag, habe einen besonderen Hintergrund, erklärte Bretag: Der Patient sei bei seiner Einlieferung nicht klar bei Bewusstsein gewesen. Vieles habe darauf hingedeutet, dass er einen Krampfanfall hatte. Er musste zum Neurologen nach Teupitz, wo aber erst am nächsten Tag ein Bett frei geworden sei. Im Schnitt verweilen Patienten laut Klinikum etwa zwei Stunden in der Notaufnahme.

In zehn Jahren 36 Millionen Euro in Häuser investiert

Auch den Vorwurf der Gewinnmaximierung wies Kabiersch zurück. Tatsächlich würden jährlich 600 000 Euro an die Sana abgeführt. Im vorigen Jahr habe das Ergebnis aber 3,8 Millionen Euro betragen. Der Rest verbleibe in der Gesellschaft, der Großteil werde reinvestiert. In den vergangenen zehn Jahren seien so 36 Millionen Euro in die Häuser geflossen.

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Klinikum-Geschäftsführer Michael Kabiersch.

Klinikum-Geschäftsführer Michael Kabiersch.

Der Krankenstand in der Pflege sei, von Ausreißern in einzelnen Stationen und Monaten abgesehen, wie geplant. Krankheitsbedingte Ausfälle würden, sofern möglich, mit Leasing-Kräften aufgefangen. Kündigungen von Teamleitern habe es zwar gegeben, Grund sei aber in keinem Fall der Arbeitgeber gewesen. Das Personal werde besser bezahlt als in Vergleichskrankenhäusern der Region und werde zudem „bewusst drucklos“ geführt, so Kabiersch. „Wenn man zu hohen Druck aufbaut, sind die Leute weg oder werden krank.“

Krankenhaus für Wachstumsregion zu klein

Auch dass notwendige Operationen nicht durchgeführt werden konnten, wiesen Kabiersch und Bretag zurück. Sie räumten aber auch ein, dass an einigen Punkten „ein paar Fetzen Wahrheit dran sind“, wenngleich sie in falsche Zusammenhänge gestellt wurden. Insgesamt sei das Krankenhaus inzwischen tatsächlich etwas zu klein für die Region. Während die Einwohnerzahlen im Norden des Landkreises wachsen, wächst die Notaufnahme nicht mit. Die schwindende Versorgung mit Hausärzten trage ebenfalls dazu bei, dass mehr Menschen als früher das Krankenhaus frequentieren und es deshalb zu längeren Wartezeiten oder Engpässen kommen kann. Kabiersch kündigte deshalb an, dass sich das Klinikum bei den Medizinischen Versorgungszentren stärker engagieren wird.

Von Oliver Fischer und Ingvil Schirling

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