Flughafen BER

Vogelsterben an den BER-Glasfronten: Das ist der aktuelle Stand

Verunglückter Vogel am Flughafen BER. Die Tiere prallen an die riesigen Glasscheiben am Hauptstadtflughafen.

Verunglückter Vogel am Flughafen BER. Die Tiere prallen an die riesigen Glasscheiben am Hauptstadtflughafen.

Schönefeld. Scheibe reiht sich an Scheibe an den zahlreichen Glasfronten des BER. Wenn bei Nacht dann die Lichter angehen, erstrahlt das Gebäude regelrecht und den Gästen zeigt sich ein imposantes Bild – für Vögel ist es eine potenzielle Todesfalle. Angelockt durch die Lichtquellen im Inneren kollidieren die Tiere mit den Scheiben und finden ihren Tod, weil sie das Gals nicht wahrnehmen.

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Dem Flughafen ist das Problem, dass die Tiere mit den von Menschen gebauten Objekten kollidieren und teilweise sterben, seit Beginn der Bauphase 2012 bekannt. Mit einem Bericht der Flughafengesellschaft (FBB) im vergangenen Jahr, der die getöteten Vögel dokumentiert, sollte ein erster Schritt in Richtung Tierschutz gemacht werden. Doch wie ist die Lage jetzt? Wurden mittlerweile Vorkehrungen für den Schutz der Tiere getroffen, wie etwa die von der FBB angekündigte Anbringung von Folien an den Kolonnaden?

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„Es ist ein Anfang gemacht. Der BER hat den Ernst der Lage erkannt“, sagt Thomas Röver, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde Dahme-Spreewald. Damit bezieht sich der Experte, in dessen Fachbereich der Artenschutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz liegt, auf die aktuell noch andauernde Abstimmungsphase für das Anbringen von Folien an den Glasflächen der Kolonnaden auf der nördlich und südlichen Seite des Terminals.

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Folien an der BER-Fassade können Leben retten

Durch das Aufkleben verschiedener Folienmuster, etwa Streifen, Punkte oder Schrift, erkennt der Vogel, dass er ein Hindernis vor sich hat und kann ausweichen. Diese optische Absetzung ist wichtig, da sich die Augen der meisten Vögel seitlich am Kopf befinden, wodurch das räumliche Sehen nur eingeschränkt funktioniert.

Tote Vögel am BER: Der Nabu Brandenburg dokumentiert die Fälle.

Tote Vögel am BER: Der Nabu Brandenburg dokumentiert die Fälle.

Für die Entscheidung, welche Folie der BER am Ende nutzen wolle, biete die Naturschutzbehörde Dahme-Spreewald fachliche Unterstützung an, so Röver. Seit Anfang des Jahres 2021 sei die Behörde gemeinsam mit der Unterstützung von Nabu und BUND mit dem BER im Gespräch und auch auf Ortsterminen.

Perspektivisch werde sich dann auch mit dem Terminal 1, insbesondere der großen Glasfassade und den seitlichen Gebäudeteilen auseinander gesetzt. Röver betont aber: „Das ist ein Prozess, das wird man nicht innerhalb eines Jahres klären können. Das geht aber nicht von heute auf Morgen, auch wenn ich weiß, dass die Erwartungshaltung groß ist.“

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BUND: Je länger der BER das hinauszögert, desto mehr Vögel kommen ums Leben

Anders sieht das Claudia Wegworth, die Expertin für Vogelschlag beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND): „Je länger man das hinausgezögert, je mehr nimmt man wissentlich in Kauf, dass mehr Vögel umkommen.“ Seit mehreren Jahren weist der BUND gemeinsam mit dem Naturschutzbund (Nabu) auf die Gefahren von ungesicherten Glaswänden am BER hin und appelliert an die Verantwortlichen: „Ich rate dringend dazu, das nicht noch weiter zu verschleppen, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Problem schon seit 2012 besteht. Die aktuelle Situation fordert Saison für Saison hunderte von Todesopfer.“

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Das als nächstes die Kolonnaden vogelschutzfreundlich gestaltet werden, ist für die Expertin ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung: „Das ist ein Anfang den wir natürlich begrüßen, aber dabei darf es nicht bleiben. Ich will über das eigentliche Gebäude sprechen, das flächenmäßig viel größere Terminal 1. Das ist das Problem, was wir haben.“

BUND-Vogelschutz-Expertin: Lichtschächte am BER-Terminal 1 sind das Problem

Besonders kritisch: Die Lichtschächte am Terminal 1. Das sind Höfe die mit Glasgängen umsäumt sind. „Wenn ein Vogel da reinfällt, kommt er nicht raus, solange ihm niemand hilft. Er weiß nicht, wo oben und unten ist und fliegt dann immer wieder gegen die Glasscheibe, bis er irgendwann stirbt. Das ist besonders grausam“, sagt Wegworth.

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Die Vögel geraten in die gläsernen Lichtschächte und schaffen es nicht wieder hinaus.

Die Vögel geraten in die gläsernen Lichtschächte und schaffen es nicht wieder hinaus.

Vor allem Fluggästen, die durch die Glasgänge gehen und somit einen Blick auf die Lichthöfe haben, empfiehlt sie aufmerksam zu sein. Entdecken Reisende einen eingesperrten Vogel, kann man sich an vogelschlag@nabu-bb.de und vogelschlag@bund-berlin.de wenden, und den Fall möglichst per Foto melden. So würden auch diese Vogel-Todesfälle in dokumentiert werden und an die Öffentlichkeit getragen. Falls der Vogel noch lebt, könne man sich auch direkt an das Flughafenpersonal wenden.

Von Larissa Kahr

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