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Bürgermeisterwahl

Wildau: Kandidaten zur Bürgermeisterwahl – MAZ stellt Einzelbewerber László Ungvári vor

László Ungvári an seinem Lieblingsplatz an der Dahme.

László Ungvári an seinem Lieblingsplatz an der Dahme.

Wildau. In Wildau wird am 28. August ein neuer Bürgermeister gewählt, fünf Männer treten zur Wahl an. Die MAZ stellt die Kandidaten vor. Sie trafen den Reporter an ihrem Lieblingsort in Wildau. Heute: László Ungvári (Einzelbewerber).

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Verabredung am Stichkanal

Ich komme etwas zu spät zur Verabredung mit László Ungvári. Er sitzt auf einer Bank und liest. Ich kann ihn aus der Ferne sehen, denn ich stehe auf der anderen Seite des Stichkanals. Aber das ist nicht die richtige gewesen, ich muss erst noch hinüber zu meinem Gesprächspartner. Der Stichkanal verbindet das frühere Fabrikgelände mit der Dahme. Beim Aldi-Markt in der Friedrich-Engels-Straße überquert ihn eine Brücke.

Im Sommer kann es schon mal übel riechen, der Schlamm ist mit Schadtsoffen durchsetzt. Aber es ist auch wunderschön hier. An der Einmüdnung zur Dahme erstrecken sich Wiesen beidseits des Kanals, es gibt einige Sitzgelegenheiten. Auf dem Wasser schaukeln Boote, es ist ruhig, die Sonne scheint.

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Aufbruch nach dem MAZ-Gesprüch. László Ungvári hat gleich den nächsten Termin.

Aufbruch nach dem MAZ-Gesprüch. László Ungvári hat gleich den nächsten Termin.

„Hier waren wir früher oft zum Grillen“, sagt László Ungvári und blickt sich um. Er geht ein paar Schritte zum Wasser und zeigt auf einen Trampelpfad. Der führt zum benachbarten Vereinshaus der Angler, das eine öffentliche Gaststätte hat. Der 67-Jährige kehrt zurück zur Bank, auf die wir uns gemeinsam setzen. Er fühlt sich sichtlich wohl an seinem Lieblingsort, wirkt entspannt.

Von Cegléd über Ostberlin nach Wildau

László Ungvári wurde 1955 in Cegléd in Ungarn geboren, einer Kleinstadt südlich von Budapest. Der Diplom-Informatiker heiratete eine Deutsche, kam 1980 nach Ostberlin, seit 1993 lebt er in Wildau. Er lehrte an der heutigen Technischen Hochschule, wurde 1999 deren Präsident. Das Amt hatte er bis 2018 inne. Anschließend war er Präsident einer deutsch-kasachischen Universität. Heute arbeitet er als Unternehmensberater. Er ist seit 2015 Ehrenbürger von Wildau.

Unterwegs mit Merkel, per Du mit Platzeck

Ungvári bewegte sich gerne auf nationalem und internationalem Parkett. Er reiste mit Kanzlerin Angela Merkel in die Vereinigten Arabischen Emirate, diskutierte mit Bundespräsident Horst Köhler in Wildau, mit Brandenburgs Ex-Regierungschef Matthias Platzeck ist er per Du. Zu den Wildauer Bürgermeistern und zu den Landräten in Dahme-Spreewald pflegte er stets gute Kontakte.

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Wahlplakat in der Karl-Marx-Straße. Auf große Aufsteller hat Ungvári verzichtet.

Wahlplakat in der Karl-Marx-Straße. Auf große Aufsteller hat Ungvári verzichtet.

Als er 2020 nach einem längeren Auslandsaufenthalt nach Hause kam, herrschten in Wildau politisch unruhige Zeiten. „Ich verstand erst gar nicht, was los war. So ging es vielen Wildauern“, erzählt er. Ungvári wurde Mitgbegründer einer Bürgerinitiative, die später die erfolgreiche Abwahl der damaligen Bürgermeisterin anstieß.

Ungvári verkündete als Erster in Wildau seine Kandidatur

Er war der Erste, der gleich nach der Abwahl der Amtsinhaberin im Frühjahr 2022 seine Kandidatur verkündete. Er tritt als Einzelbewerber an, nicht als Kandidat der BI. Seine Kritiker finden das unredlich. Doch das ficht Ungvari nicht an. Er denkt nicht in diesen Kategorien. "Wir müssen miteinander und füreinander arbeiten. Wenn wir gemeinsam etwas erreichen, erfüllt das die Menschen wieder mit Zuversicht", sagt er. Davon gebe es in Wildau derzeit zu wenig.

Wie er sich das vorstellt, erklärt er beim Thema Wohnen. Junge Wildauer, Studenten odder Mitarbeiter von Firmen müssten in Wildau Wohnungen finden „Das bedeutet Bauen, aber nicht übertrieben. Dass wir nicht bauen, kann auch nicht gehen.“ So diplomatisch klingt vieles, was Ungvári sagt. Er spricht einfach und präszise, sein ungarischer Akzent klingt eher wie ein Dialekt.

Die Enkelinnen kommen oft zu Besuch nach Wildau

László Ungvári hat zwei erwachsene Kinder, seine Tochter, 35, und und sein Sohn, 42, leben in Nachbarorten. Seine drei Enkelinnen, anderthalb bis sechs Jahre alt, sind oft zu Besuch. Seine erste Frau Iris ist vor zwölf Jahren verstorben. Zum Todestag trifft er sich mit den Kindern in einem Zeuthener Lokal, in dem die Ungváris oft einkehrten. „An der Stelle, wo sie saß, steht eine Kerze“, erzählt er. Die Familie wohnte in einem Reihenhaus zur Miete.

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Ukraine-Krieg belastet die Ungváris Ehefrau

László Ungvári heiratete ein zweites Mal, seine Frau Aleksandra ist Russin, 54 Jahre alt und Literaturprofessorin. Der Ukraine-Krieg belastet sie sehr. Familienangehörige von ihr lebten in Mariupol und Charkiv, sie konnten rechtzeitig fliehen. „Als der Krieg ausbrach, hat sie eine Woche nur geweint“, sagt er. Ungvari trägt etwas aus einem Gedicht seiner Frau mit dem Titel „Man darf keine Menschen töten“ vor, dann schweigt er einen langen Moment. Das Paar lebt in einer 3-Raum-Mietwohnung in der Schwartzkopff-Siedlung.

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Als Bürgermeister wolle er Wildau wieder zu einem Ort machen, auf den man stolz sein kann. „Ich war immer gerne unter den Ersten, das will ich auch mit der Stadt Wildau sein“, sagt er zum Ende des Gesprächs am Wasser. Wir laufen langsam hinauf zur nahegelegenen Friedrich-Engels-Straße. László Ungvári hat gleich den nächsten Termin, doch er wirkt nicht gehetzt.

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