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Havelland

Havelländer wollen helfen: Erste Spenden für Ukrainer trudeln ein

Die Falkenseerin Katja Ganszczyk gehört zum Organisationsteam von „Ukraine Hilfe Havelland“. Sie hat einen Container als Sammelpunkt auf dem DHL Freight-Gelände in Wustermark organisiert.

Die Falkenseerin Katja Ganszczyk gehört zum Organisationsteam von „Ukraine Hilfe Havelland“. Sie hat einen Container als Sammelpunkt auf dem DHL Freight-Gelände in Wustermark organisiert.

Falkensee. Der Wunsch, zu helfen ist bei vielen Havelländern enorm, angesichts der aktuellen Bilder, die aus der Ukraine und Polen über alle Kanäle fluten. „Die Nachfrage ist enorm“, bestätigt Katja Ganszczyk. Sie gehört zum Netzwerk „Hilfe Ukraine Havelland“, welches sich direkt nach dem Ausbruch von Putins Krieg gegen die Ukraine gründete.

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Binnen weniger Tage hunderte Havelländer in der Facebook-Gruppe „Hilfe Ukraine Havelland“

Über das soziale Netzwerk Facebook vernetzten sich verschiedene Akteure aus dem Havelland auf Initiative der Brieselangerin Anke Dubert, die sich seit langem bereits vielfältig für die Obdachlosenhilfe engagiert, in den vergangenen Tagen bereits. Zentrale Anlaufstelle dabei: die von ihr gegründete Gruppe "Hilfe Ukraine Havelland". Sie habe schon am Donnerstag und Freitag zahlreiche Anfragen von Menschen quer aus dem Havelland gelesen, blickt sie zurück auf die vergangenen Tage. "So viele Menschen wollen helfen und spenden. Doch keiner wusste so recht, wo und wie", sagt sie. Eine kommunale Initiative gebe es ihres Wissens nach bislang nicht. Also nahm sie die Sache selbst in die Hand.

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In der Nacht zu Sonnabend rief sie die Facebook-Gruppe ins Leben, schon am nächsten Morgen hatten sich die ersten Havelländer eingeklinkt, "ohne dass das auch nur irgendwo geteilt worden war", so Dubert. Vier Tage später zählt die Gruppe bereits fast 550 Mitglieder. Acht Administratoren koordinieren die Anfragen, rödeln im Hintergrund. "Aktuell sind wir dabei, Sammelstellen einzurichten, an denen Sachspenden abgegeben werden können", berichtet Katja Ganszczyk. Die 43-Jährige,die sich seit einigen Jahren schon im Netzwerk "Falkensee hilft" vielfältig engagiert und die als stellvertretende Schichtleitung in Wustermark bei DHL Freight tätig ist, konnte mit Unterstützung ihres Arbeitgebers bereits einen Container im Gewerbegebiet Wustermark (Bremer Ring 13) organisieren. "Ich bin sehr sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber und vor allem mein Chef mich da so unterstützt", sagt sie. Montag bis Freitag von 9 bis 10.30 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr können Havelländer hier Sachspenden abgeben. Im Nauener Ortsteil Markee hat zudem eine Privatperson eine Garage zur Verfügung gestellt.

„Wir sammeln im Grunde alles, was die Menschen jetzt brauchen: gut erhaltene, warme Kleidung, vor allem für Frauen und Kinder, Decken, Schlafsäcke, Hygieneartikel, Windeln, Babynahrung, Zahnpasta, Zahnbürsten“, zählt Ganszczyk auf. Die Spenden werden anschließend nach Polen und Richtung Grenze zur Ukraine transportiert. „Es gibt bereits etliche Privatpersonen, die angeboten haben, diese Fahrten durchzuführen. Ehrenamtlich und auf eigene Kosten“, berichtet Ganszczyk, die auch sagt: „Wir freuen uns über weitere Hilfe, auch gern von Unternehmen, die uns bei diesen Transporten unterstützen wollen“.

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Aktuell ist die Falkenseerin zudem auf der Suche nach Räumlichkeiten direkt in der Gartenstadt, wo eine weitere Sammelstelle eingerichtet werden soll. Eine Antwort auf ihre Anfrage an die Stadt mit Bitte um Unterstützung stehe noch aus, berichtet sie.

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Das Telefon der Falkenseerin Katja Ganszczyk steht seit einigen Tagen nicht mehr still.

Das Telefon der Falkenseerin Katja Ganszczyk steht seit einigen Tagen nicht mehr still.

Stadt Falkensee prüft Möglichkeit der Unterstützung, hält Privataktionen jedoch für unkomplizierter

Eine MAZ-Nachfrage bei der Verwaltung ergibt indes folgende Antwort von Stadtsprecherin Yvonne Zychla: „Die Sammelaktionen im Zusammenhang mit der Lieferung von Hilfsgütern in die Ukraine sind privat organisiert und unterliegen nicht den Regelungen, die für die Verwaltung gelten würden.“ Da in den Liegenschaften der Stadt, insbesondere in den Gebäuden, auch städtische Ausrüstungsgegenstände wie Möbel und ähnliches eingelagert seien, „ist hier ein öffentlicher Zugang in Verbindung mit notwendigen Kontrollen gerade auch am Wochenende derzeit eher nicht darstellbar“. Zychla fügt an, dass Erfahrungen aus Aktionen in den Vorjahren gezeigt hätten, dass solche Aktionen im privaten Bereich oder Unternehmensbereich unkomplizierter seien. „Unabhängig davon werden wir prüfen, ob und wie wir Unterstützung geben können“, stellt sie abschließend in Aussicht.

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Grundsätzlich jedoch freue man sich „über die große Hilfsbereitschaft in der Einwohnerschaft. Die schockierenden Bilder aus der Ukraine und die damit verbundene Bedrohung aller Völker in Europa führen zu einer Solidarisierung, die die Stärke der Demokratien deutlich macht“, erklärt sie. Noch ist der Stand von Informationen mit Blick auf konkrete Auswirkungen auf die Gartenstadt tatsächlich unübersichtlich. „Wenn notwendig, wird der Bürgermeister den 2015 gebildeten ,Runden Tisch’ zu Flüchtlingsangelegenheiten wieder einberufen“, kündigt Zychla an.

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Anke Dubbert aus Brieselang froh über das große, positive Feedback

„Wir sind aktuell noch dabei, uns zu strukturieren“, berichtet unterdessen Anke Dubert. Dass so viele Menschen mit anpacken und helfen wollen, bewegt sie sehr. „Es ist in dieser schwierigen Situation ein schönes Gefühl. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, Menschen in Not zu helfen. Es tut gut zu sehen, dass sich Leute finden und vernetzen können und wir alle gemeinsam etwas bewegen können“.

Neben Sachspenden für die Ukraine werden auch Geldspenden gesammelt

Neben Sachspenden sammelt das Netzwerk auch Spenden, die an Institutionen in der Ukraine weitergeleitet werden sollen. „Dafür haben wir über Paypal einen Spendenpool bis 29. März eingerichtet“, berichtet Ganszczyk. An wen das Geld gehen wird, „beraten wir aktuell intern noch. Wir wollen es direkt insbesondere Kinderheimen und karikativen Einrichtungen vor Ort zur Verfügung stellen. Jeder einzelne Cent kommt dort eins zu eins an“, sagt die Falkenseerin.

Falkenseerin Katja Ganszczyk hofft wie so viele auf schnelles Kriegsende

Sie selbst findet für die Situation in der Ukraine indes kaum Worte. „Ich hoffe inständig, dass das alles ganz, ganz schnell ein gutes Ende nimmt, dass die sich dort einig werden und bei den Menschen die Angst weg ist. Ich wünsche mir, dass endlich auf dieser Welt Frieden herrscht“, sagt sie sichtlich betroffen. Für die Sammelaktion wünscht sie sich, „dass wir so vielen Menschen helfen können, wie möglich. In der Ukraine aber auch den Menschen, die flüchten mussten und hier in unsere Heimat kommen. Wir versuchen zusammenzutragen, was immer möglich ist und was die Menschen, die alles zurücklassen mussten, jetzt am dringendsten benötigen. Wir freuen uns über jeden, der uns dabei unterstützt“, sagt sie. Der Auftakt der Aktion jedoch mache Mut, denn „man sieht, dass die Menschen zusammenhalten, wenn es drauf ankommt“.

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Weitere Informationen zu „Hilfe Ukraine Havelland“

Mehr Infos in der Facebook-Gruppe "Hilfe Ukraine Havelland" und per E-Mail unter engagieren@t-online.de (Anke Dubbert). Der Direktlink zur Paypal-Spendenaktion lautet: www.paypal.com/pools/c/8HEsBDPzUO

Von Nadine Bieneck

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