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Markee

Vom schweren Kampf zurück ins Leben

Torsten Brylak (links) hilft auf der Fazenda da Esperanca in Markee. Franz Schulte freut sich über den engagierten Unterstützer.

Torsten Brylak (links) hilft auf der Fazenda da Esperanca in Markee. Franz Schulte freut sich über den engagierten Unterstützer.

Markee.Da, wo heute die Fazenda da Esperança steht, war vor etwas mehr als 20 Jahren nur Schafsmist und heruntergekommene Gebäude. Durch viel Einsatz wurde daraus ein Hof, auf dem Suchtbetroffene Unterstützung finden. Und so, wie der Hof instand gesetzt wurde, versuchen dort die Suchterkrankten ihr Leben wieder zu ordnen.

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Zurück in die Gesellschaft

Einer, der auf einer Fazenda wieder in die Gesellschaft zurückgefunden hat, ist Torsten Brylak. Beim öffentlichen Bruch auf dem Hof in Markee am Sonntag erzählte er seine Geschichte. Jetzt ist Brylak ehrenamtlich dort tätig und klärt über die Gefahren von Drogen und Alkohol auf. Doch bis Januar diesen Jahres hatte er selber die Hilfe einer Fazenda in Xanten in Anspruch genommen. „Vor ungefähr zehn Jahren fing alles an“, sagte Brylak.

Er fühlte sich starkem Leistungsdruck ausgesetzt. Der Sozialpädagoge war in der Leitungsebene eines Kinderheims eingesetzt. Zusätzlich machte er Musik und organisierte Zirkusprojekte. „Ich konnte nie ,nein’ sagen, wenn jemand etwas wollte.“

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Der Griff zur Flasche sollte Entspannung bringen

Zeit für Entspannung habe gefehlt und so griff Brylak zum Alkohol. „Ich habe getrunken, um mit meinen Ängsten und der Depression fertig zu werden“, sagt der heute 50-Jährige. Der Prozess sei dann schleichend gewesen und immer habe Brylak gedacht, er hätte sein Trinkverhalten im Griff. Seine Frau habe dann eines Tages den Alkoholkonsum thematisiert: „Sie sagte, ich trinke zu viel und hat mich dann sehr unterstützt, das zu ändern“, sagte Brylak.

Seine Ehefrau brachte ihn regelmäßig zu Selbsthilfegruppen. Leider half es nicht. Brylak verlor seinen Arbeitsplatz und trank weiter. Auch tagsüber und bis zu zwei Flaschen Wodka. „Meine Frau hat dann das einzig Richtige für sich und unsere zwei Kinder getan: Sie hat sich von mir getrennt.“

12 Entzüge ohne Erfolg

In den vergangenen zehn Jahren hat Brylak mehr als 12 Entzüge durchgemacht, doch schaffte er es nie länger als vier Wochen trocken zu bleiben. Er lebte isoliert. „Mir war alles egal damals. Auch wenn ich nie Selbstmord begehen wollte, wäre es mir gleich gewesen, ob ich am nächsten Tag noch aufwache.“

Als Brylak in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, war es ein Freund, der ihn mit der Aussage „entweder du säufst dich jetzt zu Tode, oder du fängst an zu leben“ wieder auf die richtige Spur brachte.

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Auf der Fazenda in Xanten schaffte er es, das einjährige Programm gegen seine Sucht durchzuziehen. Zu seinen Kinder und seiner Ex-Frau hat er wieder Kontakt und er macht wieder Musik.

Gemeinschaft, sinnvolle Arbeit auf dem Hof und Spiritualität

Dass es auf der Fazenda geklappt hat, liegt seiner Meinung nach an der Kombination von Gemeinschaft, der sinnvollen Arbeit auf dem Hof und der Spiritualität dort. „Ich habe so viel von den Menschen bekommen, jetzt bin ich in der Lage etwas zurückzugeben“, sagte Brylak.

„Jetzt bin ich noch bis Mitte Dezember hier in Markee und spreche mit Erwachsenen oder Schülern über Suchtgefahren“. Und eines weiß Brylak dabei ganz genau: „Nie mehr würde ich mein jetziges Leben gegen ein heimliches Bier hinterm Busch eintauschen.“

Von Vivien Tharun

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