Premnitz

Bürgerinitiative nimmt Müllverbrennung aufs Korn

Das Müll.Kraftwerk in Premnitz.

Das Müll.Kraftwerk in Premnitz.

Premnitz. Mit einer Bürgerinitiative soll der Protest gegen die Bauvorhaben an der Müllverbrennungsanlage in Premnitz nun in offizielle Bahnen gelenkt werden. Stefan Behrens, der bisher als Sprecher einer Gruppe von Personen aufgetreten ist, die sich mit dem Bauvorhaben nicht wohl fühlen, kündigte jetzt die Gründung der Bürgerinitiative „Premnitz – Leben und Arbeiten im Naturpark“ an.

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Risiken eindämmen

Stefan Behrens, der die Villa am See betreibt, beschreibt die Ziele der Bürgerinitiative recht weit: „Ziel ist, die positive Entwicklung der Stadt und Region Premnitz voranzutreiben und Risiken für Mensch und Natur weitestgehend einzudämmen.“

Bisher stand Premnitz als Industriestandort im Land Brandenburg insbesondere für ein weitläufiges Gelände, auf dem gute Voraussetzungen zur Ansiedlung von Industrie – auch und gerade chemische Industrie – gegeben sind. Damit wurde und wird stets geworben - im Industriepark Premnitz gibt es sogar ein Standortmanagement dafür. Roy Wallenta, ehemaliger Bürgermeister der Stadt, der sich immer für Industrieansiedlungen eingesetzt hat, ist Standortmanager.

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Wohnen und arbeiten

Für Stefan Behrens steht Premnitz als Industriestandort im Naturpark Westhavelland vor einschneidenden Entwicklungen. „Ja, wir brauchen industrielle und gewerbliche Ansiedlungen und eine intakte Natur. Die naturnahe Lage und Qualität des kleinen städtischen Umfeldes muss erhalten bleiben. Ziel der Bürgerinitiative ist ein gesundes und zufriedenes Leben, arbeiten und wohnen in unserer Stadt und der Region.“

EEW Energy Waste

EEW Energy Waste : Die Müllverbrennung in Premnitz.

Darum seien Belastungen durch Lärm, Geruch, Staub, Gase und negative Auswirkungen auf Wasser und Boden zu reduzieren. „Industrieansiedlungen müssen mit den Interessen und Belangen der Einwohner in Übereinstimmung gebracht werden. Der Schutz der Gesundheit und des Lebens ist ein hohes Gut, das nicht vernachlässigt werden darf“, so Behrens weiter.

Tebling widerspricht

Das erste konkrete Projekt sei die Reduzierung der Belastungen der Anwohner durch die Abfallverbrennungsanlage der EEW. Behrens: „Eine Erweiterung der Kapazitäten bedeutet nur weitere Belastungen für Mensch und Umwelt, ohne eindeutige Verbesserung der Situation der Anwohner. Ohne Verbesserungen für Mensch und Umwelt ist einer Erweiterung nicht zuzustimmen.“

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Dem widerspricht Ralf Tebling, Bürgermeister der Stadt Premnitz: „Auch Herr Behrens kennt die Unterlagen und auch Herr Behrens weiß, dass es sich nicht um eine Erweiterung im eigentlichen Sinne handelt. Für die neue Abfallverbrennungslinie wird die alte Linie vom Netz genommen. Es ist ein Ersatzbau.“

Bisher acht Einwendungen

Ralf Tebling hatte die öffentlichen Äußerungen von Stefan Behrens in einem Leserbrief in dieser Zeitung bereits am vergangenen Wochenende. Behrens wählte einen durchaus scharfen Ton. Darum mahnt der Bürgermeister: „Es kann nur in unser aller Interesse sein, wenn die Argumente sachlich vorgetragen werden und wenn man sich dabei nicht mit Vorwürfen und Unterstellungen überzieht.“

Stefan Behrens (3vli) leitet die Villa am See

Stefan Behrens (3.v.li.) leitet die Villa am See.

Ob die EEW-Investitionen tatsächlich so viele Bürger bewegen, da wartet Ralf Tebling erst einmal ab. „Bei der Stadtverwaltung sind gerade mal acht Einwendungen gegen die Müllverbrennungspläne eingereicht worden.“ Das sei der aktuelle Stand. Zudem hätten sechs Personen die Pläne sehen wollen. Am 27. August werde es mit EEW eine Informationsveranstaltung geben. „Da kann jeder seine Fragen stellen“, sagt Tebling.

Noch mehr Ziele

Stefan Behrens, der selber viele Jahre in der Industrie gearbeitet hat, räumt ein: „Mit einer prosperierenden wirtschaftlichen Entwicklung lebt eine Stadt.“ Die Region benötige Unternehmen – aber mit Verortung und sozialer Verantwortung für die Region. „Das voranzutreiben ist ein weiteres wichtiges Ziel der Bürgerinitiative.“

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Abgesehen von dem Thema Müllverbrennung will sich die Bürgerinitiative aber um weitere Themen kümmern. „Kommunale Aufgaben sollten in kommunaler Hand bleiben“, sagt Behrens und meint Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Müllentsorgung, Krankenversorgung, Schulen und Nahverkehr. Hier wäre die Stadt Premnitz nicht immer der richtige Ansprechpartner.

Der Premnitzer Bürgermeister Ralf Tebling

Der Premnitzer Bürgermeister Ralf Tebling.

Die Müllentsorgung und der Öffentliche Personennahverkehr sind gerade in den vergangenen Monaten intensiv im Kreistag beraten worden. Die Havelland Kliniken mit Krankenhäusern, Altenpflegeheimen und weiteren Angeboten sind ein Unternehmen in den Händen des Landkreises Havelland.

Termin am Samstag

In der Villa am See wird am Samstag, 11. August, ab 10 Uhr zunächst die BI gegründet, dann steht die Wahl der Sprecher an. Stefan Behrens wirbt: „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied in der Bürgerinitiative und wir brauchen das Know How der Bürger dieser Stadt. Eine Mitgliedschaft sorgt dafür, dass man über alle Schritte informiert und zu allen Treffen, Gesprächen, Themen in die Villa am See eingeladen wird.“

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Ralf Tebling freut sich grundsätzlich über das Bürgerengagement: „So etwas ist zunächst einmal immer zu begrüßen und es ist ja auch legitim.“ Er werde zunächst abwarten, wie sich die Initiative, wenn sie dann gegründet ist, in der Öffetnlichkeit bewegt und welche Themen die BI anstößt.

Von Joachim Wilisch

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