Mögelin

Mögeliner Ukraine-Hilfe: Rund 120 Kriegsflüchtlinge im Havelland angekommen

Fabian Müller (Mitte) und tüchtige Helfer aus Mögelin. Sie alle und weitere engagierte Menschen haben die Ukraine-Hilfe organisiert.

Fabian Müller (Mitte) und tüchtige Helfer aus Mögelin. Sie alle und weitere engagierte Menschen haben die Ukraine-Hilfe organisiert.

Mögelin. Es sind erschütternde Worte, mit denen der Mögeliner Feuerwehrmann und Unternehmer Fabian Müller von seinen Erlebnissen bei der Ankunft ukrainischer Flüchtlinge im Havelland berichtet. Er und drei weitere Firmenchefs und zusätzliche ehrenamtliche Helfer hatten einen Bus organisiert, der mittlerweile bei drei Touren an die polnisch-ukrainische Grenze etwa 120 Flüchtlingen die Fahrt in Sicherheit ermöglicht hat.

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„Ich möchte appellieren an alle“, sagte Fabian Müller am Montag: „Wir nehmen hier alte Menschen, kranke Menschen auf, Mütter mit Kindern. Wer der Meinung ist, dass das nicht Aufgabe von uns allen sei, kann sich gerne einmal an einen Bus hinstellen und die ängstlichen Gesichter sehen.“ Eine junge Frau, die von ihrer Mutter getrennt worden sei, sei panisch um den Bus herumgelaufen, der in völliger Dunkelheit im Havelland ankam. „Die wissen gar nicht, was passiert. Die Dolmetscher können nicht überall bei jedem einzelnen gleichzeitig sein. Wir haben ihr in ihrer Landessprache beigebracht, dass ihr nichts passiert.“ Dass sie in Sicherheit ist.

So war es an der polnisch-ukrainischen Grenze

„Die Eindrücke vergisst man sein Lebtag nicht. Mir fehlen dafür eigentlich die Worte“, sagte Fabian Müller.

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Es falle den Flüchtlingen schwer, so weit weg von der Ukraine zu sein, so Fabian Müller: „Die möchten alle wieder nach Hause, die möchten ihre Heimat wieder aufbauen, die möchten zurück zu ihren Männern.“

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Durch Spenden seien die Fahrten ermöglicht worden. Der Kontaktmann vor Ort versuche an der polnisch-ukrainischen Grenze, die Flüchtlinge davon zu überzeugen, in den Bus einzusteigen, dass dort keine Gefahr drohe. „Die Schwierigkeit ist, dass junge Frauen, Frauen mit Kindern immer noch die Einstellung haben, dass morgen der Krieg vorbei sei und man ganz normal wieder nach Hause kann.“ Die Betroffenen möchten heimatnah bleiben.

Vier Unternehmer aus Mögelin haben sich zusammengetan, um Menschen aus der Ukraine zu helfen. Unter anderem haben sie Hilfsgüter vom Optikpark an die Grenze gebracht.

Vier Unternehmer aus Mögelin haben sich zusammengetan, um Menschen aus der Ukraine zu helfen. Unter anderem haben sie Hilfsgüter vom Optikpark an die Grenze gebracht.

Die Ankunft im Havelland

Bei Ankunft in Mögelin„versorgen wir die Flüchtlinge zunächst mit warmen Getränken und Essen“, so Fabian Müller, der mehrfach von der „selbstlosen Hilfe“ vieler Menschen spricht, was ihn immer wieder überwältige. Dazu zähle etwa eine Bäckerei, die belegte Brötchen gespendet habe. Der Pool an Helfern habe sich vergrößert. „Viele Bürger machen mit, bieten uns Möbel, Unterbringung, Decken und Kissen an, alles was gebraucht wird.“ Westhavelländer mit guten Russischkenntnissen sprangen als Übersetzer den Helfern zur Seite.

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„Schwierig war es, einen Busfahrer zu finden.“ Nach sechs Absagen erklärte sich ein Busfahrer „selbstlos bereit“. Er habe Urlaub, er könne fahren. „Das Problem ist, dass die noch aktiven Busfahrer ihre Wochenenden als Ruhezeiten haben. Wenn sie fahren würden, würde das den ganzen Schichtplan des Busunternehmens durcheinander bringen.“

Kriegsflüchtlinge sind traumatisiert

Elf Personen wurden in Nauen untergebracht. Die übrigen kamen teils in der Region Mögelin unter. Die Frauen und Kinder seien völlig traumatisiert hier angekommen, berichtete Fabian Müller. „Es kamen sehr viele verängstigte Kinder an, Mütter, die immer wieder anfangen zu weinen. Auch die Kinder. Hört ein Kind auf zu weinen, fängt das nächste an. Sie sind einfach auch nur dankbar, wenn sie ein warmes Getränk bekommen oder eine Decke.“ Eine junge Frau sei in Sportanzug und Hausschuhen auf die Flucht gegangen aus der vom Krieg heimgesuchten Ukraine. „Da kann man daraus schließen, dass sie sehr schnell wegmusste von ihrer Heimat.“

Von Mögelin brachten Helfer einige Flüchtlinge zum Hauptbahnhof nach Brandenburg, wo diese ihre Weiterfahrt zu Verwandten oder Bekannten etwa in Bremen oder Hamburg antraten. Unkompliziert und unbürokratisch hätten die Mitarbeiter an den Bahnschaltern Tickets ausgegeben an die Flüchtlinge.

Mögelin: Der Balance zwischen Hilfe und Alltag

Offen spricht Fabian Müller auch die Probleme an. „Für uns als Unternehmer ist es schwierig“, der Spagat zwischen Firma, Familie und Hilfe. Erschwerend sei das Rathenower Großfeuer hinzugekommen, sodass Mitarbeiter, die bei der Feuerwehr sind, dort halfen und ebenfalls für den Betrieb fehlten. „Die Firma hat mehrere Tage still gestanden.“ Aber im Moment müsse die Hilfe für ein paar Tage heruntergeschraubt werden, „um unsere Nebenkosten, die automatisch entstehen, auch tragen zu können“. So sei nun geplant, ein Spendenkonto einzurichten. „Aber das kriegen wir alles gestemmt, das geht alles. Wir organisieren das jetzt.“ Danken möchten die Unternehmer den Spendern. „Die sind alle toll, so hilfsbereit“, so Müller.

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Aufgrund der MAZ-Berichterstattung vor wenigen Tagen sprang den Mögelinern auch ein Unternehmen aus Werder helfend an die Seite, ein Berliner, der ein Hotel für Flüchtlinge angemietet hatte, bot ebenfalls Hilfe an. Die Mögeliner hoffen weiter auf eine große Spendenbereitschaft, denn es werde weiter Unterstützung für die mittlerweile angekommenen Flüchtlinge gebraucht.

Es werden weiterhin dringend Spenden benötigt. Wer helfen möchte, kann sich bei Fabian Müller melden: 0173/6 02 60 72.

Von Marion von Imhoff

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