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Rathenow

Hier werden süchtige Jugendliche beraten

Katrin Sagrauske-Kaiser, Cornelia Pietsch und Heike Langerwisch (v.l.) arbeiten in der Suchtberatungsstelle in Rathenow.

Katrin Sagrauske-Kaiser, Cornelia Pietsch und Heike Langerwisch (v.l.) arbeiten in der Suchtberatungsstelle in Rathenow.

Rathenow. Jede Sucht gleicht einem Teufelskreis. Egal, ob es sich um Drogen-, Spiel,- oder Esssucht handelt, die Betroffenen leiden und finden nur selten allein einen Ausweg. Hilfe bietet seit vielen Jahren das Contakt Café der Caritas.

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In der Einrichtung in der Großen Milower Straße 17 kümmern sich die Suchtberaterinnen Katrin Sagrauske-Kaiser, Heike Langerwisch und Cornelia Pietsch um Betroffene.

„Wir helfen den Menschen, zu einer Tagesstruktur zurückzufinden. Man kann in der Woche jeden Tag zu uns kommen und zum Beispiel um 8.30 Uhr am gemeinsamen Frühstück teilnehmen. Außerdem kochen und backen wir zusammen, im Hof gibt es eine Werkstatt, die jeder nutzen kann und dazu weitere verschiedene Angebote“, erklärt Katrin Sagrauske-Kaiser.

Besorgte Eltern bringen ihre Kinder zur Beratung

Seit 20 Jahren ist die Rathenowerin in der Sozialen Arbeit tätig. Von 2002 bis 2016 arbeitete sie in Brandenburg/Havel im Bereich der offenen Jugend- und Schulsozialarbeit. Vor drei Jahren wechselte sie nach Nauen, um sich dort gemeinsam mit einer Kollegin gezielt der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Sucht zu widmen.

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Denn nicht nur Erwachsene leiden unter verschiedensten Abhängigkeiten. Auch viele Jugendliche und selbst Kinder stecken in diesem Teufelskreis. Mit Schulsozialarbeit und Jugendsuchtberatung begann Katrin Sagrauske-Kaiser 2016 in Nauen, seit einem Jahr berät sie nun auch in Rathenow Betroffene.

In neun von zehn Fällen ist es besorgten Eltern, Lehrern oder einem Richter zu verdanken, dass ein Jugendlicher sich beraten lässt. Die Klienten kommen freiwillig, es sei denn die Beratung ist Teil einer Auflage des Gerichts.

Nicht mit erhobenem Zeigefinger

Beim ersten Gespräch sind häufig die Eltern oder ein Betreuer dabei, danach ist die Sozialarbeiterin mit den Betroffenen allein. Ihre Aufgabe ist es, Vertrauen aufzubauen und Halt zu geben.

„Für mich steht an oberster Stelle Ehrlichkeit. Wenn meine Klienten nicht ehrlich sind, kann ich ihnen nicht helfen. Allerdings sitze ich auch nicht mit erhobenem Zeigefinger da“, macht die Sozialarbeiterin deutlich. Vielmehr fragt sie nach dem Warum, erkundigt sich nach dem Umfeld und sucht gemeinsam mit ihren Klienten nach möglichen Alternativen.

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„Ich versuche herauszufinden, was ihnen Spaß macht, wo ihre Interessen liegen. Wichtig ist natürlich, dass sie es auch selbst wollen“, betont Katrin Sagrauske-Kaiser.

Die meisten würden die Konsequenzen abwiegen – kein Schulabschluss, keine Aussicht auf Selbstständigkeit, das schreckt ab und hilft zugleich, einen Weg aus der Abhängigkeitsspirale zu finden.

Kiffen ist Sucht Nummer Eins bei Jugendlichen

Der Weg in eine Sucht fängt oft mit dem Probieren an. „Je früher sie einsteigen desto höher das Risiko süchtig zu werden“, so Katrin Sagrauske-Kaiser. Sie kümmert sich zum Teil um 17- und 18-Jährige, die gerade aus der Klinik entlassen wurden und nun Halt und Unterstützung brauchen.

Aber auch Zehn- und Elfjährige die eine Medienabhängigkeit entwickelt haben, sitzen bei ihr auf dem Sofa, ebenso wie Kinder von süchtigen Eltern.

Ganz oben in Sachen Sucht bei Jugendlichen steht das Kiffen. Und nicht selten entwickeln Jugendliche, die den Absprung vom Joint schaffen, eine neue Sucht, sitzen zum Beispiel stundenlang am Smartphone. Das Problem verlagert sich.

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Die Beratung ist kein Therapie-Ersatz

"Alkohol ist heute nur noch Beiwerk. Dagegen sind chemische Drogen auf dem Vormarsch, weil sie günstig und leicht zu bekommen sind", so Sagrauske-Kaiser.

Was Jugendliche in die Sucht treibt? „Auslöser ist oft eine Art Gruppenzwang, der Wunsch, cool zu sein. Andere versuchen Schmerzen und Trauer zu betäuben“, so die Sozialarbeiterin. Zwischen zwei und sieben Beratungen führt sie täglich durch.

Dazu kommen Schulprojekte, Elternversammlungen, auch Eltern, Angehörige und Freunde finden bei ihr Rat. Sie vermittelt Risikokompetenz, übt mit Jugendlichen das Neinsagen, klärt auf und das stets in enger Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern, Streetworkern und dem Jugendamt.

Eine rund um die Uhr-Betreuung sei die Jugendsuchtberatung aber nicht und auch kein Therapie-Ersatz.

Von Christin Schmidt

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