Rathenow

Mini-Kraftwerk mit maximaler Effizienz

Nicht viel größer als eine Garage: Das Blockheizkraftwerk der Rathenower Wärmeversorgung im Zieten-Wohnpark

Nicht viel größer als eine Garage: Das Blockheizkraftwerk der Rathenower Wärmeversorgung im Zieten-Wohnpark

Rathenow. Seit einigen Jahren geht bei der Energieversorgung der Trend zu dezentralen Lösungen. Natürlich führt in Städten an großen Kraftwerken kein Weg vorbei. Doch die kleine, effektive Lösung flankiert immer öfter das große Geschäft. Auch die Rathenower Wärmeversorgung verfolgt diese Doppelstrategie. Neben den mächtigen Heizwerken in der Karl-Gehrmann-Straße und der Parkstraße gibt es mittlerweile drei kleine Blockheizkraftwerke, die an Effizienz nicht zu übertreffen sind.

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Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist

Eines davon steht in dem jüngst errichteten

. In dem Haus mit den Abmessungen einer Garage steht ein Gasmotor, der 160 000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt. Rund 110 000 Kilowattstunden bräuchte es, um die Wohnungen im Zietenpark zu versorgen. Allerdings ist es technisch zu aufwändig, den Strom ohne Umleitung direkt an alle Haushalte im Wohngebiet zu leiten. Deshalb wird nur eine Wohnung im ersten Haus zu Testzwecken mit Mieterstrom versorgt und der Rest in das öffentliche Netz eingespeist.

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Der Gasmotor erzeugt 160 000 Kilowattstunden Strom im Jahr

Der Gasmotor erzeugt 160 000 Kilowattstunden Strom im Jahr.

Die Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, wird zur Beheizung des umliegenden Wohngebietes genutzt. Neun Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 36 Wohnungen hängen an dem Netz. „77 Prozent der benötigten Wärme werden durch das BHKW abgedeckt“, sagt Günter Rall, Geschäftsführer der Rathenower Wärmeversorgung. Natürlich handelt es sich hierbei um einen Mittelwert. Im Winter, wenn an kalten Tagen der Wärmebedarf sehr hoch ist, öffnet automatisch ein Stellventil, damit Wärme aus dem großen Fernwärmenetz zugeführt werden kann.

Unschlagbarer Wirkungsgrad

Dennoch ist wegen der so genannten Kraft-Wärme-Kopplung der Wirkungsgrad des BHKW unschlagbar. Er liegt bei 87,5 Prozent. Anders ausgedrückt: Von der eingesetzten Energie gehen nur 12,5 Prozent verloren. Bei herkömmlichen Kohle- und Gaskraftwerken liegt der Wirkungsgrad noch nicht einmal bei 40 Prozent.

Daten und Fakten

Das Blockheizkraftwerk im Zieten-Wohnpark hat eine Leistung von 19 Kilowatt (elektrisch) und 34 Kilowatt (thermisch).

Es liefert rund 160 000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Bei einem statistischen Durchschnittsverbrauch von 3000 Kilowattstunden pro 3-Personen-Haushalt könnten 53 Haushalte versorgt werden.

Das BHKW verfügt über einen Pufferspeicher, in dem 1000 Liter Warmwasser gespeichert werden können.

Das Rohrleitungsnetz, an dem neun Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohnungen angeschlossen sind, ist 725 Meter lang. Die Rohre sind doppelt isoliert.

Der Wirkungsgrad der Anlage liegt bei 87,5 Prozent.

Ein Geheimnis dieser Spitzenwerte liegt in der Konzeption der Anlage. „Hier im Zietenpark konnten wir die Anlage maßschneidern“, sagt Rall. Der Motor ist so dimensioniert, dass er die Abnehmer optimal versorgen kann. Und auch das rund 700 Meter lange Leitungsnetz, über das die neun Häuser versorgt werden, ist keinen Meter zu lang. Die Zahlen sprechen für sich: Während das warme Wasser vom großen Heizwerk in der Gehrmannstraße mit einer Temperatur von maximal 105 Grad Celsius in das 40 Kilometer langte Netz gepumpt werden muss, reicht im Zietenpark eine Ausgangstemperatur von 70 Grad. Dass der Energieaufwand so spürbar reduziert wird, liegt auf der Hand.

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Weitere Anlagen geplant

Weil das seit Juni 2017 laufende BHKW im Zietenwohnpark im Realbetrieb so gute Ergebnisse liefert, plant die Wärmeversorgung weitere Anlagen dieser Art. Im Neubaublock in der Goethestraße soll noch in diesem Jahr ein BHKW den Betrieb aufnehmen. Und auch das KWR-Karree Berliner Straße, Goethestraße, Forststraße mit dem geplanten Neubau in der Forststraße soll 2019 eine dezentrale Energie- und Wärmeversorgung bekommen.

Stellt sich die Frage, warum die Wärmeversorgung nicht ihr gesamtes Geschäft dezentralisiert? „Das würde leitungstechnisch nicht funktionieren“, sagt Rall. Und bei der Versorgung großer Bestandsgebiete sei ein zentrales Netz immer noch die wirtschaftlichste Lösung. Bei Neubaugebieten hingegen, wo man das BHKW mit dem zugehörigen Leitungsnetz gleich mit in die Planungen einbeziehen könne, sei die dezentrale Versorgung eine ausgesprochen attraktive Alternative. „Wenn die Gegebenheiten es zulassen, wird die Wärmeversorgung solche Lösungen künftig sehr genau prüfen.“

Von Markus Kniebeler

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