Rathenow

Rathenow: Geflüchtete helfen Flüchtlingen in der Ukraine

Najiba Noori (l.) und Nicolé Krone beim verpacken der Spenden beim LEB Rathenow.

Najiba Noori (l.) und Nicolé Krone beim verpacken der Spenden beim LEB Rathenow.

Rathenow. Seit eineinhalb Wochen hat der Verein der Ländlichen Erwachsenenbildung LEB an ihrem Standort in Rathenow in der Fehrbelliner Straße eine Spendenannahmestelle errichtet. Die Spendenbereitschaft ist riesengroß. Schon zwei Transporter mit dringend benötigten Hilfsgütern sind an die ukrainische Grenze gebracht worden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Jennifer Liebherr, Standortleiterin der LEB Rathenow, sagt: „Gemeinsam mit Sabrina Gröning haben wir hier ein Netzwerk von privaten Spendern, Firmen und Ehrenamtlichen geschaffen. Eins ist ganz bemerkenswert. Die meisten Menschen, die bei uns in den Integrations-Sprachkursen unterrichtet werden, waren selbst auf der Flucht und können sich in die ukrainischen Menschen gut hineinversetzen. Sie haben auf ihrer Flucht Ähnliches erlebt.“ So erklärten sich viele von ihnen bereit zu helfen.

Prinzip der Spendenhilfe auf basiert zwei Säulen

Das Prinzip der Spendenhilfe basiert auf zwei Säulen. Die erste Säule sind dringend benötigte Hilfsgüter wie Babynahrung, Hygieneartikel, Decken und Medikamente etwa. "Da möchte ich ganz besonders der Südstern-Apotheke danken. Sie haben Medikamente im Wert von 500 Euro zur Verfügung gestellt. Auch andere Firmen wie die Havelmanufaktur, die uns Lagerplatz zur Verfügung stellt, und die Rathenower Optik GmbH, die uns Kartonagen zum Verpacken der Spenden lieferten, haben uns sehr unterstützt", so Jennifer Liebherr.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Zwei vollgepackte Transporter mit Spenden sind auf dem Weg an die Ukrainische Grenze.

Zwei vollgepackte Transporter mit Spenden sind auf dem Weg an die Ukrainische Grenze.

Die zweite Säule sind Kinderbetten, Sommerbekleidung, Möbel und Geschirr. „Das sind alles Sachen, die wir erst einmal einlagern, bis die Flüchtlinge hier sind und diese Spenden für die Beziehung der Wohnung benötigen“, so Jennifer Liebherr.

Eine, die ihre Hilfe angeboten hat, ist eine ehemalige Mitarbeiterin des LEB. Oksana Sandmann ist selbst Ukrainerin und lebt seit sechs Jahren in Deutschland.

Zwei Transporter mit Spenden in die Koordinierungsstelle gebracht

Die ersten zwei Transporter mit dringend benötigten Hilfsgütern sind von der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Nauen abgeholt worden und wurden nach Polen in die Koordinierungsstelle gebracht. „Dafür möchten wir uns bedanken. Vor allem bei allen freiwilligen Helfern und unseren Mitarbeitern. Gemeinsam haben wir schon viel erreicht“, so Yvonne Niewerth, Koordinatorin für Integrations-Sprachkurse und Sekretärin beim LEB Rathenow.

Für Oksana Sandmann war der Ausbruch des Krieges ein besonders schlimmes Ereignis. Schließlich lebten ihre Eltern noch in der Ukraine. Jetzt konnte sie aber ihren Vater und ihr Mutter in die Arme nehmen. Beide haben es geschafft, aus dem Kriegsgebiet zu flüchten. Am Dienstag kamen sie in Rathenow an. "Ich bin sehr glücklich, dass meine Eltern jetzt bei mir in Sicherheit sind. Sie haben viel durchgemacht. Ich war immer in Angst um sie. Schließlich, nach sechs Tagen Flucht, hatten sie es geschafft. Sie haben viel Elend auf der Flucht gesehen. Dazu ist meine Mutter noch herzkrank. Ich hoffe, dass der Krieg bald aufhört", so Oksana Sandmann.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Oksana Sandmann und Alone Prapata helfen tatkräftig mit beim Verpacken.

Oksana Sandmann und Alone Prapata helfen tatkräftig mit beim Verpacken.

Frisch verheiratet Frau musste Mann zurücklassen

Auch die Frau von Oksana Sandmanns Cousin, Alone Prapata, hat die Flucht überstanden und ist ebenfalls in Rathenow angekommen. Allerdings zu einem hohen Preis. „Ich musste meinen Mann zurücklassen. Wir hatten doch erst am 14. Januar geheiratet.“

Jetzt packt Alone Prapata hier in Rathenow mit an. „Ich hoffe, dass ich meinen Mann bald wieder in die Arme schließen kann. Wir telefonieren jeden Tag miteinander“, so Alone Prapata mit leiser Stimme.

Auch Najiba Noori unterstützt die Hilfsaktion tatkräftig. Sie ist 2015 aus Afghanistan geflohen und lebt seitdem in Rathenow. „Was da in der Ukraine passiert, ist schlimm. Ich war selbst Flüchtling und weiß, was es bedeutet, tagelang auf der Flucht zu sein. Ich möchte den Menschen dort, die das gleiche Schicksal wie ich erleiden, helfen“, so Najiba Noori.

Ein Teil der Sopenden die schon nach Polen gebracht wurden.

Ein Teil der Sopenden die schon nach Polen gebracht wurden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nachfrage an Spenden ändert sich täglich

Nicolé Krone ist Managerin in der Spendenannahme. Sie koordiniert, was in welche Pakete kommt und was angenommen wird. „Die Nachfrage ändert sich täglich. Deshalb ist es wichtig, sich vorher zu informieren, was gerade gebraucht wird. Sachen des täglichen Bedarfs wie Hygieneartikel, Windeln, Babynahrung werden immer gebraut“, so Nicolé Krone.

Auf eines legen die Helfer ganz besonderen Wert. „Die Sachen, die man hier abgibt, sollten eine vernünftige Qualität haben. Sachen, die ich selber nicht mehr benutzen oder anziehen würde, die sollte ich auch nicht spenden. Wir nehmen keinen Müll an“, so Nicolé Krone.

Von Jürgen Ohlwein

Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen