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Stölln

Stölln: Igor Yakymenko fährt Hilfstransport in die Ukraine

Iris Hoffmann und Igor Yakymenko starten in Stölln die Hilfsaktion für die Ukraine. Die ersten Spenden sind eingetroffen.

Iris Hoffmann und Igor Yakymenko starten in Stölln die Hilfsaktion für die Ukraine. Die ersten Spenden sind eingetroffen.

Stölln. Die Nachrichten und Fernsehbilder vom Putin-Krieg in der Ukraine lassen Igor Yakymenko erstarren. Wieder einmal ist er den Tränen nahe, wie so oft in den Tagen, seit der russische Machthaber in der Ukraine Krieg führt. Der Krieg tötet Menschen, zerstört Städte und Häuser, bringt unsagbares Leid über das Land. „Es ist schrecklich. Ich bin ausgeweint“, sagt Iris Hoffmann, die Lebensgefährtin von Igor Yakymenko, der bereits seit 1984 in Deutschland lebt.

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Von der Ukraine nach Stölln

Er zog hierher, weil er in der Nähe seiner Tochter sein wollte, die in Berlin an der staatlichen Ballettschule studierte und heute in Berlin als Ballettlehrerin arbeitet. Igor Yakymenko selbst zog es vor sechs Jahren ins Havelland, zu seiner Lebensgefährtin nach Stölln. Die Ukraine ist sein Land. Die rund 250 000 Einwohner zählenden Stadt Ternopil im westlichen Landesteil seine Heimat, wo seine 85 Jahre alte Mutter heute noch wohnt.

Spendenaktion für die Ukraine aus dem Havelland

Die Ukraine erfährt in diesen Tagen bei der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit weltweite Unterstützung. „Die Menschen in der Ukraine brauchen Hilfe. Und wir werden helfen. Das stand für uns gleich nach Ausbruch des Krieges fest“, sagt Iris Hoffmann und startete gemeinsam mit Igor Yakymenko eine Spendenaktion für die Ukraine. Für einen Transport in das leidgeprüfte Land sammeln sie Decken, warme Kleidungsstücke, haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Batterien für Taschenlampen, Verbandsmaterial, Spielzeug für Kinder und Sachen die für das tägliche Leben gebraucht werden.

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Spenden werden noch in Stölln gesammelt

Wer mithelfen möchte, kann seine Spenden bis zum 6. März bei ihnen abgeben, im Stöllner Mühlenweg 7a. Die Sachen sollten in einen Karton oder eine Tüte gepackt werden. „Und bitte mit einem Inhaltsverzeichnis versehen“, erläutert Iris Hoffmann eine Notwendigkeit, damit die Spenden über die Grenze kommen. Die ersten Spenden wurden bereits abgegeben.

„Wir sind schon heute überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Havelländer“, sagt Iris Hoffmann. Am Sonntag wird sie mit ihrem Lebenspartner die Spenden in einen Transporter laden. Voraussichtlich am Montag wollen sie dann in Stölln losfahren nach Polen und von dort weiter über einen kleinen Grenzübergang in die Ukraine nach Ternopil. „Die Spenden sind für Ternopil bestimmt und sollen auch bei den Menschen direkt ankommen“, erklärt Igor Yakymenko im Bewusstsein, dass die Fahrt mit vielen Risiken und Unwegsamkeiten verbunden sein wird. Iris Hoffmann wird ihn auf der Fahrt zur Überbringung der Spenden begleiten, eventuell auch seine Tochter.

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Nach seinen Gefühlen befragt sagt Igor Yakymenko (62): „Die Angst sitzt mit im Auto.“ In Ternopil wollen sie seine Mutter überzeugen, mit ihnen nach Stölln zu kommen. Sie hat in Ternopil keine weiteren Verwandten. Ein Freund der Familie kümmert sich um sie, zu ihm hat Igor Yakymenko auch telefonischen Kontakt. Der Freund hat ihm und Iris Hoffmann berichtet, dass es der Mutter relativ gut gehe, sie aber aufgrund einer Gehbehinderung nicht in den Keller kommt, wo die anderen Bewohner des Hauses aus Angst vor Bombenangriffen die Nächte verbringen. Der Freund hat ihnen auch erzählt, dass Lebensmittel, Brot und Medikamente knapp geworden sind, die Stadt selbst aber bisher von Kriegsgebieten noch weitgehend verschont blieb. Die Straßen sind leer, weil sich die Menschen wegen möglicher Angriffe nicht mehr vor ihre Häuser trauen und nur noch das Notwendigste erledigen in der Stadt. Ein Munitionslager vor der Stadt soll schon Ziel eines Bombenangriffs gewesen sein. Bestätigt sind solche Berichte bisher aber nicht.

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Wagnis an der ukrainischen Grenze

Igor Yakymenko steht in Vorbereitung auf die Überbringung der Spenden im ständigen Kontrakt mit der ukrainischen Botschaft in Berlin. Auch wenn sich die weiteren Ereignisse in der Ukraine nicht einschätzen lassen, soll die Spende auf jeden Fall die Menschen in Ternopil erreichen. Sollten Igor Yakymenko und Iris Hoffmann mit dem Transporter nicht über die Grenze einreisen können in die Ukraine, andere nicht vorhersehbare Gründe sie daran hindern oder Straßen nicht mehr passierbar sein, dann sollen die Spenden an der Grenze in ein aus Ternopil kommendes Fahrzeug umgeladen werden und so die Stadt in der Westukraine erreichen.

Tragflügelkonzert Igor Yakymenko in Stölln.  

Tragflügelkonzert Igor Yakymenko in Stölln.

Igor Yakymenko ist Musiker und arbeitet als Musiklehrer in Berlin. Auch Havelländer kennen ihn von seinen Auftritten. Er hat an der Musikhochschule in Lemberg neben dem Studium der klassischen Gitarre eine Dirigentenausbildung für folkloristische Orchester absolviert. Vor seiner Zeit in Deutschland arbeitetet er acht Jahre als Gitarrist und Dirigent an der Philharmonie von Ternopil. In Stölln hat er mit dem von ihm gegründeten Orchester schon Konzerte gegeben und als Solokünstler bei Veranstaltungen auf dem Gollenberg die Besucher begeistert. Als weitere Hilfsaktion für die Ukraine will er zwei Benefizkonzerte geben, möglichst in Stölln und Berlin.

Von Norbert Stein

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