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Perwenitz

Brennende Schatten in der Kulturmühle

Kevin Lüdicke und Björn Heyn (r.) stellen seit Sonntag in der Kulturmühle Perwenitz aus.

Kevin Lüdicke und Björn Heyn (r.) stellen seit Sonntag in der Kulturmühle Perwenitz aus.

Perwenitz. Irritation mit Genuss. Die wird geliefert von der neuen Ausstellung, die in der Kulturmühle Perwenitz zu sehen ist. Das alte Gemäuer liefert seit Sonntag den Rahmen für junge Kunst unter dem Titel „Sammlung Berndt“.

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Dabei beginnt das Ganze schon vor der Mühle mit einer fröhlichen Verunsicherung. Auf dem Feld stehen vier weiße Plastikstühle auf einer Bühne in Knallorange. „Public Viewing“ heißt das Kunstwerk. Wer sich hier hinsetzt, sieht über das flache Land und den weiten Himmel. Per Kopfhörer kann er sich eine Mischung aus Schafgeblöke und Fußballjubel anhören.

Entstanden ist diese Vier-Kanal-Sound-Installation in Perwenitz selbst. Björn Heyn und Kevin Lüdicke haben eine Woche hier gelebt und gearbeitet und sind auf Spurensuche gegangen. Mit dem Mikrofon sind sie zu den Schafen gezogen, aus den Gesprächen mit einer 70-jährigen Frau entwickelten sie die Stuhlinstallation „Wichtig und nichtig“, die zudem Bezug auf ein Bild nimmt.

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Ästhetisch ausgereift

Technisch frappierend und ästhetisch ausgefeilt ist die Multimediainstallation „In Gedanken“ von Kevin Lüdicke, in der er eine Flamme auf den Schatten von überdimensionalen Streichhölzern wandern lässt.

Neue Sichtweisen

Genau so hat es sich Gudrun Venter von der Kulturmühle Perwenitz gewünscht: „Neue Künstler, neue Sichtweisen.“ Sie wollte nicht nur Künstler aus ihrem Umfeld und ihrer Generation ausstellen, sondern die Galerieräume auch anderen öffnen. Und auch für die Jungen sei es spannend, aus ihrem Dunstkreis rauszukommen, sagt Phillipp Barth, der die beiden Künstler bei der Ausstellungsgestaltung begleitete. „Es wäre schön, wenn hier ein Dialog möglich wird“, sagt der 30-Jährige.

Ateliergemeinschaft Berndt

Die drei jungen Männer sind in Berlin, München und Hamburg aufgewachsen. Kevin Lüdicke studiert an der Universität der Künste Kunst und Medien, Björn Heyn machte an der Marcel-Breuer-Schule eine Ausbildung in Produktdesign. Beide arbeiten in einer Ateliergemeinschaft. Künstlerische Sichten und übereinstimmender Humorpegel machen das möglich. Etwa beim Finden des Ausstellungstitels „Sammlung Berndt“. „Die Sammlung sind wir selbst“, erzählt Björn Heyn, Berndt stand an einem alten Klingelschild einer früheren Atelierwohnung, der Vormieter war weg, aber sein Name blieb.

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„Dass nichts so sein muss, wie es ist, war oder scheint.“ Den Satz hat sich Björn Heyn als Credo gegeben. Der Satz passt bestens zu dem Leben in der Kulturmühle und zur aktuellen Ausstellung. Neben den optisch Aufmerksamkeit erheischenden Installationen stellen sich beide Künstler auch als Maler vor. Lüdicke mit Sinn fürs Surreale und feinem Pinselstrich. Heyns Arbeiten sind intuitiver, abstrahierter und mit stilsicherer, akzentuierter Farbgebung.

Von Marlies Schnaibel

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