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Schönwalde-Glien

Sprachbilder von Wolfgang Sterrer

Wolfgang Sterrer vor seinem Werk „Mundart ist Heimat“ in der Ausstellung „Re:aktion“ im Kreativ-Verein Schönwalde.

Wolfgang Sterrer vor seinem Werk „Mundart ist Heimat“ in der Ausstellung „Re:aktion“ im Kreativ-Verein Schönwalde.

Schönwalde-Glien.„Re:aktion“ hat der Künstler Wolfgang Sterrer seine Ausstellung im Kreativ-Verein Schönwalde überschrieben. Mit diesem Titel reißt der Österreicher zwei seiner wichtigsten Themen an. Er setzt sich mit der Gegenwart auseinander als ein echter Zeitgenosse. Er macht sich Gedanken über Intoleranz, Umweltzerstörung oder durchgeknallte Politiker.

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Sprachbilder zur Heimat-Debatte

Die Schönwalder Ausstellung ist zweigeteilt. Im hinteren Raum findet man kleinere Formate aus den Jahren ab 2003. Im großen vorderen Raum der Galerie hängen die „Sprachbilder“. Dazu inspirierte Wolfgang Sterrer vor zwei Jahren eine Landkarte in XL-Größe zum Aufrollen, wie man sie in traditionellen Klassenzimmern finden konnte.

Unter dem Motto „Mundart ist Heimat“ ist das physikalische Mitteleuropa fast komplett unter Wörtern wie „papierln“ oder „Poista“ verschwunden. Für den österreichischen Dialekt brauchen die meisten Norddeutschen eine Übersetzungsapp. Von selbst kommt man nicht ohne weiteres darauf, dass papierln veräppeln heißt und Poista ein Sofakissen ist. Ein wichtiger und zugleich unterhaltsamer Beitrag zur aktuellen Heimat-Debatte.

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Zur Person

Wolfgang Sterrer wurde 1949 in Österreich geboren und lebt seit 20 Jahren in Falkensee. Als Schriftsetzer und Grafikdesigner war er nicht nur in der Werbung tätig – seit den 1970er Jahren widmet er sich freiberuflich als Maler und Grafiker der Schönen Kunst.

Die Werke des Österreichers waren in vielen Ausstellungen zu sehen, etwa im Berliner Haus Bethanien, im Neuen Rathaus Leoben in Österreich und auf der Tempelhofer Kunstausstellung.

Durch dieses Thema ist eine ganze Bilderreihe entstanden. Aus dem jährlichen Pool der vorgeschlagenen Unwörter bediente sich Wolfgang Sterrer und spann den Faden weiter. Dazu gehören Komplexe wie Grenzerfahrung, Existenzangst oder Aggressivität, gepaart mit dem allgegenwärtigen gesenkten Daumen des Facebook-Missfallens. „Altenplage“ ist sein persönliches Lieblingsunwort.

Ausgezeichnete Miniatur

„Mit Wörtern zu arbeiten, ist für mich ein Mittelweg zwischen gegenständlicher Malerei und einer persönlichen Formensprache, die abstrakt bleibt. Mit Sprache entwickelt sich eine Resonanz beim Betrachter. Die Buchstaben sind an sich ja auch abstrakt, erst im Kopf des Lesers werden sie zu konkreten Begriffen“, sagte der Künstler vor der Ausstellung.

Eine Miniatur aus diesem Werkkomplex hängt derzeit in der Galerie des Museums Falkensee in der Ausstellung „Druckgrafik No 6“ bis 10. März. Es ist eine Leihgabe der Stadt Fürstenwalde. Mit der Grafik „Verlorene Wörter“ gewann Sterrer 2018 den internationalen Kunstpreis der Stadt Fürstenwalde.

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Der zweite Galerieraum glänzt geradezu vor abstrakter schöner Kunst. In verschiedenen Größen hängen experimentelle Werke an den Wänden. Neben Öl- und Acrylarbeiten sind Leinwände mit Rosteffekt in fein abgestuften braunen Nuancen zu sehen.

Eine Wand zeigt fast komplett unbunte Bilder, aufgelockert von einer lebendigen Studie in feurigem Rot. Überhaupt ist Wolfgangs Sterrers Kolorit meist kraftvoll-leuchtend und wenig transparent aufgetragen. Die Farbflächen belebt der Künstler zuweilen mit einem spontanen Kreidestrich.

In der Galerie des Kreativ-Vereins.

In der Galerie des Kreativ-Vereins.

Doch es gibt auch einige wenige Arbeiten in Pastelltönen, die sich mischend überlagern und eine feine Poesie ausstrahlen.

Die Ausstellung ist zu sehen bis 7. April im Kreativ-Verein, Schönwalde-Glien, Dorfstraße 7. Geöffnet Die., Mi. 15-17, Do. 15-21, So. 10-12 Uhr oder nach Absprache unter 0173- 6156095.

Von Judith Meisner

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