Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Wustermark

Havelland: Jan-Niclas Bertram für MAZ-Aktion „Tollster Sekretär gesucht“ nominiert

Wustermarker Pfarrhaus: Jan-Niclas Bertram arbeitet dort als Sekretär.

Wustermarker Pfarrhaus: Jan-Niclas Bertram arbeitet dort als Sekretär.

Wustermark. Von seiner Nominierung zum besten Sekretär des Havellandes habe er erst durch den Anruf der MAZ erfahren, erzählt Jan-Niclas Bertram zu Beginn des Interviews im Wustermarker Pfarrhaus. Pfarrerin Heike Benzin, der Bertram mit seiner Arbeit den Rücken freihält, hatte ihn schriftlich für die MAZ-Aktion vorgeschlagen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der 29-Jährige ist seit Oktober 2019 Sekretär im Wustermärkischen Pfarramt, das für insgesamt sieben Kirchengemeinden, darunter Elstal, Priort oder Dyrotz verantwortlich ist. Im Kirchenkosmos ist Bertrams Job als „Küster“ bekannt, der die Pfarrerin oder den Pfarrer unterstützt und beispielsweise den Altarraum für den Gottesdienst vorbereitet. Obwohl der Wustermarker auch bei der Vorbereitung von Gottesdiensten mit anpackt, liegt der Großteil seiner Arbeit in Papierform auf dem Schreibtisch. Denn die sieben Kirchengemeinden seien wie sieben kleine Firmen, erklärt er.

MAZ-Aktion: Das ist der Job des Sekretärs

Alle haben ihre eigene Verwaltungen und ihren eigenen Haushalt, der in der Aktenablage fein säuberlich getrennt sein muss. Vom Planen für die kommenden Kirchenfeste bis hin zur Bezahlung des Friedhofsgärtners, nahezu alles geht über den Tisch des Theologiestudenten. Dort lässt sich zwischen Tacker und Tastatur nur durch das dunkelgrün eingebundene Gesangbuch erkennen, dass Bertram Trauungen und Taufen, statt Firmenfeiern im Büro organisiert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Ich bin eigentlich nicht der Ordentlichste“, gibt der Küster zu und bricht so mit dem Klischee des immer und überall durchorganisierten Sekretärs. Auch wenn er sich manchmal zwingen müsse, die sich stapelnden Dokumente vom Schreibtisch abzulegen, hat er bisher doch noch jede Rechnung wiedergefunden.

Als Sekretär schon in Kenia gearbeitet

Als Sekretär konnte Bertram bei seiner Bewerbung in Wustermark sogar internationale Erfahrung vorweisen. In Kenia unterstützte er im Rahmen des Jugendfreiwilligendienstes eine christliche Organisation bei der Verwaltung einer Autowerkstatt und einer Bücherei.

Wie so oft gehören zum Arbeitsspektrum eines Sekretärs nicht nur Organisation und Akten, sondern auch, Ansprechpartner für jegliche kleine oder größere Probleme zu sein. Was sich im Büro in Grenzen hält, hat hier im Pfarramt eine viel weitreichendere Bedeutung, denn Jan-Niclas Bertram ist häufig ebenso erster Ansprechpartner für die Menschen, die in das Pfarrhaus kommen. Das kann mal eine einfache Nachfrage zum anstehenden Termin im Pfarrgarten sein, ein anderes Mal ist es vielleicht aber jemand, der erst vor Kurzem ein Familienmitglied verloren hat.

Erster Ansprechpartner für Besucher des Pfarrhauses

Obwohl Pfarrerin Benzin für die Seelsorge zuständig ist, nimmt der engagierte Sekretär häufig die Menschen an der Tür auf und informiert dann die Pfarrerin, sollte sie gerade nicht im Haus sein. „Das Pfarrhaus lebt davon, ein offenes Haus zu sein, dass mir das Gefühl gibt, ich kann herkommen, wenn ich was habe“, ist sich der Küster sicher. Dabei geht es nicht immer um das große Seelsorgegespräch. Manchmal ist es ein Konfirmand mit Schulstress oder ein Pilger, der ein Wort loswerden möchte und eine Bleibe für die Nacht sucht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Zeit zu Zeit unterstützt Jan-Niclas Bertram außerhalb seiner Anstellung Pfarrerin Benzin ehrenamtlich, indem er selbst Gottesdienste in einer der sieben Kirchengemeinden Wustermarks hält. Denn sein Plan ist es, später selbst als Pfarrer zu arbeiten. Schon jetzt ist er deshalb regelmäßig, aber längst nicht jeden Sonntag selbst im Gottesdienst.

So sieht Bertram die Relevanz der Kirche

„Ich glaube nicht, dass sich die Relevanz der Kirche am Ende daran bemisst, wie viele Leute am Sonntag in den Gottesdienst gehen, sondern wie oft die Leute in ihrem Leben auf den Glauben blicken und sagen: Das hilft mir, mein Leben sicher zu gestalten“, betont er.

Um zwischen den Computerbildschirm und Papierstapeln einmal durchzuatmen, versucht sich der junge Sekretär seit Kurzem als Hobby-Imker. „Ich liebe einfach Honig“, ist die Kurzfassung zu der Begeisterung für die Bienenvölker. Über einen Bekannten aus derselben Straße hat er nun einen ersten Ableger eines Bienenvolkes bekommen und kann ab dem kommenden Jahr mehrmals Honig schleudern, wie es im Imkerjargon heißt.

20-Stunden-Stelle als Sekretär und nebenbei Imker

Noch bis Herbst wird Bertram die 20-Stunden-Stelle als Küster, alias Sekretär ausüben. Dann wird er sich dem Abschluss seines Theologiestudiums widmen und das sogenannte Vikariat absolvieren, das ähnlich wie das Referendariat für Lehrer dem Studium nachgeschaltet ist.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ab September braucht das Pfarramt somit einen neuen engagierten Sekretär und sucht schon jetzt nach einer geeigneten Nachfolge. Was von Bertrams engagierter Arbeit bleiben wird, ist der sogenannte Wustermarkt, dessen Premiere er in diesem Jahr mit organisiert hat. Der Markt auf dem Pfarrhof bietet Lebensmittel aus regionaler Erzeugung, wie etwa Getränke aus der Mosterei Ketzür, Marmelade von Kleinstherstellern oder Kunsthandwerk aus der Region an und soll künftig vier Mal im Jahr stattfinden. In Zukunft könnte auch die noch verfallende Scheune im Pfarrgarten für solche und ähnliche Veranstaltungen genutzt werden. Ein Konzept für eine solche Nutzung gibt es bereits aus Bertrams Feder.

Wustermark: Sekretär, Sekretärin gesucht

Interessenten für die ausgeschriebene Stelle erreichen das Pfarramt Wustermark per Mail unter benzin@pfarrsprengel-wustermark.de oder per Telefon unter der 033234/60276.

Bis zum 22. Juni können Sie, liebe Leser, noch ihre "tollste Sekretärin im Havelland, den tüchtigsten Sekretär" nominieren. Per E-Mail bitte an: ­rathenow@maz-online.de oder havelland@maz-online.de – die Redaktion sammelt die Vorschläge und stellt die Nominierten am 25. Juni auf einer Sonderseite vor. Danach startet das große Voting – noch vor den Sommerferien soll die Siegerehrung stattfinden. Machen Sie mit und sagen Sie uns, welcher Sekretär, welche Sekretärin im Havelland den glänzendsten Job macht.

Von Max Braun

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen