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Hennigsdorf

Alltagsbegleiter für Senioren

Gerta Borrmann bekommt einmal in der Woche Besuch von Alltagsbegleiterin Heidi Hühnel (r.).

Gerta Borrmann bekommt einmal in der Woche Besuch von Alltagsbegleiterin Heidi Hühnel (r.).

Hennigsdorf. „Und jetzt boxen, Gerta!“, ruft Heidi Hühnel. Ihr Schützling Gerta Borrmann wirft die Fäuste in die Luft, lacht dabei kurz auf. Dann geht es weiter mit der Stuhlgymnastik. Borrmann neigt den Kopf nach unten, das ist gut für die Beweglichkeit. „Das machen wir regelmäßig, wenn ich da bin“, sagt Heidi Hühnel. Einmal in der Woche besucht sie Gerta Borrmann. Die 88-Jährige lebt im Haus ihrer Tochter in Hennigsdorf. Geistig ist sie topfit, nur die Beine machen nicht mehr so mit. Und so schauen die beiden Frauen Biathlon im Fernsehen oder erzählen sich aus ihren Leben. Stoff für Jahre. „Gertas Leben ist lang, meines verrückt“, sagt Hühnel.

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Die 66-Jährige ist eine von 17 ehrenamtlichen Alltagsbegleitern, die sich im Rahmen des Pur-Projektes „mitmenschen“ um rund 20 alte Leute mit Pflegegrad in Hennigsdorf und Umgebung kümmern. Sie leben alleine, bei Familien oder im Heim. „Die Alltagsbegleiter gehen ein-, zweimal die Woche in den Haushalt, haben einfach ein offenes Ohr, trinken gemeinsam Kaffee, backen Kekse oder gehen mit den Leuten spazieren“, erklärt Projektkoordinator Christoph Zarft. Auch bei Wegen zum Arzt oder dem Einkauf sind die Helfer an der Seite der älteren Menschen. Einige davon haben demenzielle Einschränkungen, aber längst nicht alle. Jeder Ehrenamtler durchläuft eine viertägige Basisschulung, bei der die Grundzüge des Ehrenamtes, rechtliche Grundlagen und Informationen zum Umgang mit Pflegebedürftigen gegeben werden.

Für die pflegenden Angehörigen sei das oft eine Entlastung, wenn die Ehrenamtler kommen. „Dann können sie mal für zwei Stunden zum Friseur oder Einkaufen gehen, ohne das Gefühl zu haben, ihre Angehörigen zu vernachlässigen“, so Christoph Zarft. Gemeinsam mit Johanna Uhmann ist er Ansprechpartner für die Ehrenamtler. Auch für die Abrechnung der Aufwandsentschädigung sind sie zuständig. Die Besuche müssen dokumentiert und abgerechnet werden, pro Stunde gibt es zehn Euro.

Eine Betreuungsgruppe für die älteren Menschen bietet die Pur ab dem Frühjahr im Nachbarschaftstreff der Nauener Straße 13. „Die Leute werden dort hingebracht, können zusammen kochen, außerdem wird es ein kleines Programm geben“, so Christoph Zarft.

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Zudem soll es demnächst jeden Monat eine Gesprächsgruppe der Pur für pflegende Angehörige im Nachbarschaftstreff geben. „Die Angehörigen merken in der Gruppe, dass sie mit dem Thema nicht allein sind. Sie können sich dann über den Alltag austauschen“, sagt Zarft.

Gerta Borrmann findet es wichtig, dass die Pur sich um die älteren Menschen kümmert. „Es gibt so viele Ältere in der Stadt, die Gesellschaft wollen“, sagt die 88-Jährige. Sie ist froh, dass Heidi Hühnel sie jede Woche besucht. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, die Chemie stimmt absolut“, sagt die alte Dame. Auch Heidi Hühnel machen die Treffen Spaß. Sie ist seit 2016 im Ruhestand und freut sich, wieder gebraucht zu werden. Die beiden Frauen freuen sich nun auf den Sommer. „Dann“, sagt Gerta Borrmann. „können wir in den großen Pool im Garten.“

Von Marco Paetzel

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