Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Birkenwerder

Unter die Lupe genommen: Rad-Schulwege in Birkenwerder

Andreas Blaschke erklärt den Schülern die Probleme an der Kreuzung vor dem Rathaus Birkenwerder.

Andreas Blaschke erklärt den Schülern die Probleme an der Kreuzung vor dem Rathaus Birkenwerder.

Birkenwerder. "Ich finde das Projekt eigentlich ganz cool, denn wir können was verändern", begeistert sich Joana Gruber (13), die in die achte Klasse der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder geht, für das "Rad-Schulweg-Projekt Birkenwerder". Dieses Kooperationsprojekt wird gemeinsam mit den Akteuren der neugegründeten Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sowie Mitarbeitern der Gemeinde und des Netzwerkes Verkehrssicherheit Brandenburg durchgeführt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Gruppe um Maren Born vom Netzwerk untersucht die Radwege und Zuwege um Birkenwerder. Hier an wurde an der Borgsdorfer Kreuzung der Verkehr gezählt.

Die Gruppe um Maren Born vom Netzwerk untersucht die Radwege und Zuwege um Birkenwerder. Hier an wurde an der Borgsdorfer Kreuzung der Verkehr gezählt.

Ziel ist es, die Schulwege in Birkenwerder auf Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit zu überprüfen und Mängel in der Verkehrssicherheit aufzuzeigen. Dabei sollen die Ergebnisse des Projektes und der erfolgten Auswertung in das aktuelle Verkehrskonzept der Gemeinde einfließen.

Am Dienstag nun fand eine Erkundung vor Ort statt. Fünf Gruppen mit Schülern der achten Klassen der Hildebrandt-Schule zogen begleitet von ADFC-Mitgliedern oder Gemeindemitarbeitern durch Birkenwerder, um bestimmte Knotenpunkte genauer unter die Lupe zu nehmen. Unter anderem auch die Kreuzung vor dem Rathaus. Hier müsste eigentlich eine Radfahrerampel stehen, erklärte Andreas Blaschke vom ADFC den Schülern. Bereits seit 2009 hätte eine Umstellung erfolgen sollen, so der Experte. 2017 sei die Übergangsfrist abgelaufen. Doch passiert sei nichts.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Gruppe von Andreas Blaschke nahm speziell die Rathauskreuzung unter die Lupe – und fand zahlreiche Gefahrenstellen.

Die Gruppe von Andreas Blaschke nahm speziell die Rathauskreuzung unter die Lupe – und fand zahlreiche Gefahrenstellen.

Blaschke ließ die Schüler die Entfernung von der Haltelinie bis zur Fahrbahn ausmessen. 15 Meter. Deshalb sei an dieser Stelle ein sogenanntes Vorlaufsgrün einer Radfahrerampel nötig, damit die Radler früher starten können, wenn die Autofahrerampel auf Grün schalte. „Sonst sind die Autos immer schneller“, berichtete er den Schülern. Diese hatten einen Erkundungsbogen im Gepäck, auf dem sie Fragen zu den Begebenheiten vor Ort wie dem Vorhandensein von abgesenkten Bordsteinen, möglichen Querungshilfen und Baustellen, dem Straßenbelag oder zu vorhandenem Grün beantworten mussten. Außerdem sollten sie den jeweiligen Knotenpunkt beschreiben und die dort gültigen Vorfahrtsregelungen notieren. Aufgabe war es auch, die Wartezeit für Fußgänger und Radler an der Ampel zu messen und eine fünfminütige Verkehrszählung durchzuführen. Eine weitere Aufgabe war es, mögliche Sichtbehinderungen einzutragen und eine Skizze der Kreuzung anzufertigen.

Die Gruppe um Maren Born vom Netzwerk untersucht die Radwege und Zuwege um Birkenwerder.

Die Gruppe um Maren Born vom Netzwerk untersucht die Radwege und Zuwege um Birkenwerder.

„Ich finde das Projekt gut“, sagte Florian Jaletzky (15) aus Schönfließ. Zwar fahre er in seinem Wohnort nur mit dem Fahrrad bis zum Bahnhof, aber es sei gut, dass man mit so einem Projekt zum Lösen von Problemen beitragen könne. Denn auch er kennt Beeinträchtigungen als Radfahrer; so müsse er bei einer Fußgängerquerung, die in einer Kurve liege und keine Ampel besitze, oft sehr lange warten. Sophie Brüll (13) aus Hohen Neuendorf kommt hingegen oft mit dem Fahrrad zur Schule.

Auf dem Weg, der sie unter anderem auch an der Himmelspagode vorbeiführt, münden viele kleine Straßen auf die Bundesstraße 96. Da würden oft die Autos sehr schnell herauskommen und man müsse als Radfahrer ständig bremsbereit sein, berichtete die 13-Jährige. Ihr gefällt das Projekt, das auf Initiative der ADFC-Ortsgruppe ins Leben gerufen wurde, aber sie hätte sich gewünscht, dass es auf ihre Wohnort bezogen gewesen wäre. Vorbereitet wurde die Erkundung mit zwei Workshops zu den Themen Planung, Fahrrad und Verkehrssicherheit. Weitere Workshops sind geplant.

Maren Born vom Netzwerk Verkehrssicherheit (r.) und Klimaschutzmanager Martin Thiele (l.) von der Gemeindeverwaltung in der Auswertungsrunde.

Maren Born vom Netzwerk Verkehrssicherheit (r.) und Klimaschutzmanager Martin Thiele (l.) von der Gemeindeverwaltung in der Auswertungsrunde.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

So wirklich komfortabel sei keiner der untersuchten Wege gewesen, stellt Sven Dewitz fest, Klassenlehrer der 8d. Radler hätten sich auf ständig wechselnde Fahrbahnbeläge einzustellen, auf abgestellte Fahrzeuge und auf nicht einsehbare Gefahrenstellen. „Das ist wie ein Parcours“, fasst er die Erfahrungen zusammen. Mal seien Bordsteinkanten zu überwinden, mal ende der Radweg auch einfach so.

Mit von der Partie war auch Klimaschutzmanager Martin Thiele von der Gemeindeverwaltung. Eine wichtige Erkenntnis des Tages sei es für das Verkehrskonzept, dass „die Jugendlichen ganz andere Wege nehmen als wir bislang angenommen haben“, so Thiele. Darunter seien auch sehr schöne Schleichwege abseits der stark frequentierten Hauptstraßen.

Während der abschließenden Präsentation der Arbeitsergebnisse in der Schule. Jede der fünf Gruppen hatte einen anderen Abschnitt angesteuert und so andere Knotenpunkte untersucht.

Während der abschließenden Präsentation der Arbeitsergebnisse in der Schule. Jede der fünf Gruppen hatte einen anderen Abschnitt angesteuert und so andere Knotenpunkte untersucht.

Für Brandenburg habe das Projekt Pilotcharakter, da es für weiterführende Schulen gedacht ist, berichtete Andreas Blaschke stolz. „Es soll die Basis für ein brandenburgweites Präventions- und Beteiligungsprojekt für Schüler der Altersgruppe 14 bis 16 Jahre sein und allen Interessenten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.“

Das Projekt wird vom Netzwerk Vekehrssicherheit Brandenburg – angesiedelt beim Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e.V. an der Universität Potsdam – wissenschaftlich begleitet und dokumentiert. Als Grundlage diente das in den Jahren 2016 und 2018 in Hohen Neuendorf erfolgreich durchgeführte Projekt „Kleine Adler für sichere Schulwege“, welches auf Kinder der Jahrgangsstufe sechs ausgerichtet ist und positive Effekte in der Schulwegsicherheit zum Ergebnis hatte.

Einen besonderen Fokus legte die Fahrradgruppe auf die Rathauskreuzung in Birkenwerder. Die Ergebnisse des Projektes sollen in das Verkehrskonzept der Gemeinde einfließen.

Einen besonderen Fokus legte die Fahrradgruppe auf die Rathauskreuzung in Birkenwerder. Die Ergebnisse des Projektes sollen in das Verkehrskonzept der Gemeinde einfließen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Ulrike Gawande

Mehr aus Birkenwerder

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.