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Hohen Neuendorf

Er ist ein Lebensretter und hat einen Zwilling in Italien

DKMS-Spender Matthias Kuschan ließ sich im Februar 2018 bei der Aktion "Alle für Nick" bei der DKMS registrieren, wenige Wochen später spendete er bereits Stammzellen für eine Frau aus Italien, deren Leben er damit rettete.

DKMS-Spender Matthias Kuschan ließ sich im Februar 2018 bei der Aktion "Alle für Nick" bei der DKMS registrieren, wenige Wochen später spendete er bereits Stammzellen für eine Frau aus Italien, deren Leben er damit rettete.

Hohen Neuendorf. "Dieses Gefühl, nur du kannst helfen, dieses Leben zu verlängern, ist einfach unbeschreiblich", versucht Matthias Kuschan die Gedanken in Worte zu fassen, die ihm nur wenige Wochen nach seiner Registrierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei im Februar vergangenen Jahres ereilten. Der 33-jährige Familienvater aus Hohen Neuendorf hatte damals von der Registrierungsaktion für den an Leukämie erkrankten Nick aus seiner Heimatstadt erfahren und nicht lange gefackelt. "Ich hatte einfach das Bedürfnis, zu helfen", erinnert er sich. "Als Vater einer kleinen Tochter hat sich meine Wahrnehmung sehr verändert. Wenn es um unsere Kinder geht, muss man einfach was tun."

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Innerhalb weniger Wochen genetischen Zwilling gefunden

Nur wenige Wochen nach der Registrierungsaktion klingelte im Mai 2018 das Telefon von Matthias Kuschan. Am anderen Ende der Leitung – die DKMS: "Wir haben da einen Menschen, der Ihre Hilfe braucht", erinnert sich der 33-Jährige noch genau an den Anruf. "Die hatten meinen Zwilling gefunden. Unsere Merkmale stimmten zu 100 Prozent überein." Ob er immer noch bereit zu einer Stammzellspende sei? "Diese Frage hat sich mir überhaupt nicht gestellt", so der Hohen Neuendorfer.

Stammzellspende im Life Science Lab in Dresden

Wenige Wochen später folgte der Termin zur Voruntersuchung im Life Science Lab der DKMS in Dresden, der den Weg zur Stammzellspende bereitete. Über mehrere Tage vor dem Eingriff hinweg nahm der 33-Jährige Vorbereitungsmedikamente ein, welche die Anzahl der Stammzellen im Blut steigerten. "Die eigentliche Prozedur ähnelt dann dem Blutspenden", erzählt Matthias Kuschan. Über Schläuche an beiden Armen seien die benötigten Zellen aus dem Blut herausgefiltert worden, ehe dieses wieder in seinen Körper geflossen sei. Er habe anschließend mit Nebenwirkungen zu kämpfen gehabt ("Ich hatte über einige Tage hinweg extreme Rückenschmerzen."), doch "das nimmt man in Kauf. Was ist das gegen die Aussicht für deinen genetischen Zwilling, für den es ohne deine Stammzellen kein Morgen mehr gibt?"

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Wunsch nach Kontakt zum genetischen Zwilling

Einige Monate nach seiner Spende erhielt Matthias Kuschan erneut Post von der DKMS. Sehr erfreuliche Post: "Es hat alles super geklappt. Mein Zwilling ist eine Italienerin, die älter als 30 Jahre ist. Mehr Informationen konnte oder durfte mir die DKMS noch nicht geben." Gern würde der 33-Jährige jedoch eines Tages Kontakt zu der Frau aufnehmen. "Sie ist jetzt sicher erstmal mit sich selbst beschäftigt. Mich interessiert aber schon, wie ihr Leben weiter verläuft, wie es ihr geht." Sollte er erneut als Spender in Frage kommen, würde er sofort wieder zustimmen: "Zu einhundert Prozent." In den nächsten zwei Jahren wird das allerdings nicht möglich sein: "Aus medizinischen Gründen bin ich für diesen Zeitraum als Spender gesperrt."

Hoffen auf den passenden Spender für die einjährige Emma aus Velten

Dass der inzwischen 14-jährige Nick aus seiner Heimatstadt inzwischen ebenfalls genesen und auf dem Weg zurück in ein normales Leben ist, hat den jungen Familienvater "unglaublich gefreut. Ich habe davon in der Zeitung gelesen, ein tolles Gefühl." Aktuell bewegt ihn die Suche nach einem Stammzellspender für die einjährige Emma aus Velten sehr. Für die Typisierungsaktion am Sonnabend in der Ofenstadthalle hat er bereits kräftig die Werbetrommel gerührt. "Ich packe all diejenigen Familienmitglieder ins Auto, die noch nicht registriert sind und hoffe, dass bei der Aktion viele neue Registrierungen und Spender gefunden werden. Es ist doch so einfach, zu helfen."

Täglich 20 tatsächliche Spenden für erkrankte Patienten

Mehr als neun Millionen Menschen sind gegenwärtig weltweit als Stammzellspender bei der DKMS registriert. Durchschnittlich 20 von ihnen spenden täglich tatsächlich für Patienten im In- und Ausland. Fast 77 000 Menschen haben so durch die DKMS bis heute eine neue Lebenschance erhalten. Matthias Kuschan sagt: "Wer registriert ist, sollte im Ernstfall auch erreichbar sein." Die Geschichte eines Erkrankten, für den es drei potenzielle Spender gab, die jedoch alle nicht erreichbar gewesen seien, habe ihn zutiefst berührt. "Der Mann ist schließlich gestorben, bevor ihm geholfen werden konnte." Dabei sei der gesamte Ablauf "so einfach. Es wird alles für dich organisiert, du musst einfach nur da sein", weiß er. "Die Leute von der DKMS sind Profis, die genau wissen, was sie tun. Man ist dort in den besten Händen. Nur weil es nach der Spende vielleicht drei Tage weh tut, kann man das trotzdem machen", findet er.

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Von Nadine Bieneck

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