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Hennigsdorf

Menschenjagd in der Rathenaustraße

Shyrete Breyer aus Hennigsdorf musste ab der Bötzowstraße vor ihren Verfolgern flüchten. Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall.

Shyrete Breyer aus Hennigsdorf musste ab der Bötzowstraße vor ihren Verfolgern flüchten. Der Staatsschutz ermittelt in dem Fall.

Hennigsdorf. Shyrete Breyer wollte vor den Osterfeiertagen nur schnell noch zwei Stück Butter holen, es waren ja nur ein paar Schritte bis zum Ziel-Center. Doch diese rund 700 Meter am vergangenen Sonnabend sollten die längsten ihres Lebens werden. An der Bötzowstraße sei sie etwa sechs jungen Leuten begegnet, die laut Musik hörten – allesamt um die 20 Jahre alt. Und offenbar mit Hass auf Migranten. „Sie riefen ,scheiß Ausländer, ,Kanacke’ und andere Schimpfworte“, erinnert sich die 29-Jährige. Einer der Männer habe gar geschrien, dass er Sex mit ihr haben wolle.

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Die junge Mutter habe Angst bekommen und sei in der Rathenaustraße weitergerannt in Richtung Ziel-Center. Ihre Verfolger seien hinterhergelaufen. Offenbar warfen sie auch mit Flaschen nach der Frau, denn sie habe das Glas hinter ihr zerschellen gehört. In ihrer Angst flüchtete Shyrete Breyer ins Parkhaus des Ziel-Centers, wo sie umknickte und hinfiel. Sie lag hilflos auf dem Boden. Doch ihre Verfolger kamen nicht mehr. „Gott sei Dank ist nichts passiert.“

Auf Facebook glauben der Familie nicht alle

Ihr Mann Konstantin Breyer rief nach dem Vorfall sofort die Polizei, die vor Ort nach Spuren suchte. „Man hat versucht, die Täter im Nahbereich noch festzustellen, aber das ist nicht gelungen“,erklärte Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Nun ermittelt der Staatsschutz in der Sache. Es würden Zeugen gesucht, auch Shyrete Breyer werde nochmal von Ermittlern zum Vorfall befragt.

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Ihr Mann Konstantin Breyer war so wütend, dass er die Tat über die Osterfeiertage Facebook-Forum „Hennigsdorf verbindet“ schilderte. „Die allermeisten Nutzer haben verständnisvoll reagiert, aber es gab auch Ausnahmen“, so der 50-Jährige, der als Freiberufler für die Zeitschrift „Computer-Bild“ arbeitet. Sein Beitrag wurde gelöscht, weil ihn die Administratoren für „Fake News“ hielten.

Und ein AfD-Anhänger, der den Vorfall leugnete, habe ihn gar privat bei Facebook angeschrieben. „Er sagte, dass er hoffe, dass sich meine blühende Fantasie nicht bewahrheite. Nicht, dass ich noch von Zuhause deportiert werde“, so Breyer, der die Facebook-Nachricht noch auf seinem Handy hat. Er sieht den letzten Satz als Bedrohung an und hat den Mann nun dafür angezeigt. Die Kripo ermittelt in dem Fall, am heutigen Mittwoch wird Konstantin Breyer dazu nochmal befragt.

Mit 13 Jahren wurde sie fast erschossen

Anfang 2016 ist er mit seiner Frau aus Berlin-Spandau nach Hennigsdorf gezogen. Hier wollte er ihr und den Kindern Dagmar (4) und Sherazade (3) ein ruhigeres Leben ermöglichen. Immerhin hat seine Frau schlimme Jahre im Kosovokrieg erlebt. Mit 13 Jahren sei sie von serbischen Milizen in ihrer Schule fast erschossen worden. „Ein alter Mann aus ihrem Dorf hat sie gerettet“, sagt Breyer, der seine Frau 2012 heiratete. Hennigsdorf sei in vielen Punkten auch besser als Berlin. „Es ist ruhig, sauber und ordentlich, außerdem gibt es das Stadtklubhaus und ein schönes Einkaufszentrum.“ Das hat auch Shyrete Breyer so gesehen, bislang zumindest.

Nach dem Vorfall am Sonnabend ist die junge Mutter nicht mehr alleine auf die Straße gegangen. Nachts kann sie kaum noch schlafen, schreckt bei jedem Geräusch hoch. „Ich bin nach Deutschland gekommen, weil es hier keinen Krieg gibt. Und jetzt das“, sagt Shyrete Breyer. Sie und ihr Mann wollen, dass die Täter eine gerechte Strafe bekommen. Überzogen soll sie aber nicht sein. „Sie plappern doch nur nach“, sagt Konstantin Breyer. „Die geistigen Brandstifter sind AfD, NPD und dergleichen.“

Von Marco Paetzel

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