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Technologie aus Birkenwerder

Querdenker ist seiner Zeit voraus

Karsten Noack, Geschäftsführer von Scopeland Technology.

Karsten Noack, Geschäftsführer von Scopeland Technology.

Birkenwerder/Berlin. Die gelbe Telefonzelle vor dem S-Bahnhof steht nicht mehr. Der Münzfernsprecher ist einer modernen Variante gewichen, aber genau an dieser Stelle startete Karsten Noack mit seiner Geschäftsidee durch. Wir schreiben das Jahr 1990: private Telefonanschlüsse sind noch Mangelware. In der Zelle führt Noack Kundengespräche, Aktenordner unterm Arm. Und wenn die Wartenden zu unruhig werden, muss er sich wieder hinten anstellen.

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Das öffentliche Telefon am Bahnhof in Birkenwerde.

Das öffentliche Telefon am Bahnhof in Birkenwerde.

Anfang 2016 hat Karsten Noack mit seiner Firma Scopeland Technology eine neue Firmenzentrale bezogen. Helle, repräsentative Räume, Natursteinplatten. Glaswände unterteilen die Büros der aktuell 75 Mitarbeiter, die sich auf zwei Standorte verteilen (Berlin-Waidmannslust und Bonn). Davor war der Geschäftsführer 26 Jahre lang seinem Wohnort Birkenwerder treu geblieben. Aber es habe sich als nachteilig herausgestellt, außerhalb der Stadtgrenzen zu agieren, sagt der 61-Jährige und schlussfolgert: „Aber wenn schon nicht San Francisco, dann muss es wenigstens Berlin sein.“

Die Grundidee, mit der Karsten Noack die Computerbranche auf den Kopf stellt, ist seit der Zeit in der Telefonzelle die selbe geblieben: Software erstellen – ohne zeit- und kostenaufwendige Programme zu schreiben. „Konfigurieren statt programmieren“ lautet das Prinzip. Der Name der Software-Platform: Scopeland. Als Produkthersteller und Dienstleister werden unterschiedlichste, maßgeschneiderte Datenbanken erstellt und verknüpft. Die Kunden kommen aus dem Gesundheitswesen, aus Verwaltungen sowie aus Wissenschaft und Forschung. Bei Branchen oder Tätigkeitsfeldern der Unternehmen sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Der Nachteil bestand in der Anfangszeit allerdings darin, dass der Scopeland-Ansatz sehr rechenintensiv ist und seiner Zeit technisch voraus war. Server hatten schlicht noch zu wenig Leistung. Daher dauerte es mehr als zehn Jahre, bis die erste rund laufende Produktversion an den Markt gehen konnte.

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Karsten Noack, Geschäftsführer von Scopeland Technology

Karsten Noack, Geschäftsführer von Scopeland Technology

Erst 2014 hat die Technologie international einen Namen bekommen: Low-Code. Analysten sehen darin eine Schlüsseltechnologie für die weitere Automatisierung, erzählt Karsten Noack mit leuchtenden Augen: „Was wir jahrelang als Exoten gemacht haben, ist jetzt en vogue.“ Die Effektivität beim Erstellen der Systeme lasse sich bis zum Faktor zehn verbessern. „Mindestens lässt sich aber die Hälfte der Kosten und der Zeit einsparen“, sagt der Erfinder dieses Prinzips, der nach wie vor in Birkenwerder zu Hause ist.

Wie man auf eine solche Idee kommt? Karsten Noack lächelt vielsagend: „Ich war schon immer ein Abweichler. Das ist ein Geburtsfehler.“ Seit er sich zurückerinnern kann, sei er der „Ketzer“ gewesen. „Ich habe zu allem eine andere Meinung.“ Ob während des Studiums an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (heute TU Chemnitz) oder im späteren Arbeitsleben, Noack brachte andere Herangehensweisen und Lösungswege ein. „Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, die anderen würden es falsch machen. Und ich war davon getrieben, es richtig zu machen und das als Team durchzuziehen.“ Das Ergebnis sind unter anderem 15 Patente.

Nina Sturm, Leiterin für Marketing und Kommunikation, führt durch die Firmenzentrale und zeigt die Schulungsräume, wo Nutzer mit der Software vertraut gemacht werden.

Nina Sturm, Leiterin für Marketing und Kommunikation, führt durch die Firmenzentrale und zeigt die Schulungsräume, wo Nutzer mit der Software vertraut gemacht werden.

Geboren wird Karsten Noack in Bitterfeld (Sachsen Anhalt). Abitur in Dessau, Militärdienst. Nach dem Studienabschluss als Diplomingenieur für Informationstechnik ist er von 1982 bis 1986 Entwicklungsingenieur und Gruppenleiter im Institut für Regelungstechnik des EAW Berlin-Treptow, im Anschluss bis 1990 Softwareentwickler und Teamleiter im Wissenschaftlich-Technischen Zentrum des Niles Werkzeugmaschinenkombinates Berlin-Weißensee. Sein nebenberufliches Promotionsverfahren kann er durch die rasante Firmengründung nicht abschließen. Jedoch entwickelt er bereits dort die Ideen, auf die sein Unternehmen später aufbauen sollte. Es wurde mit zehn Kollegen, 100 Ostmark Gründungskapital und einem blauen Trabi aus der Taufe gehoben.

Die neuesten Scopeland-Entwicklungen verknüpfen die Vorgangsbearbeitung oder Datenbankanwendungen direkt mit Geodaten. Stichwort: Embedded GIS (Geo-Informations-System). Karsten Noack ist überzeugt, dass darin die Zukunft liegt, auch für sein Unternehmen. „Wir sind die einzigen, die das derzeit bieten“, sagt er. Diese Marktposition wolle er nun behaupten und ausbauen.

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Auch privat ist Karsten Noack ein Self-Made-Man, der in Haus und Garten am liebsten selbst Hand anlegt. Auch sein Ferienhaus an der Ostsee hat er als Ruine erworben und komplett selbst saniert: „Das ist für mich die perfekte Abwechslung.“

Karsten Noack mit dem neu entwickelten Logo und Maskottchen der Firma – ein flinkes, gewitztes Eichhörnchen.

Karsten Noack mit dem neu entwickelten Logo und Maskottchen der Firma – ein flinkes, gewitztes Eichhörnchen.

Von Helge Treichel

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