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Altlüdersdorf

Von Friedrichshain zum Feldsperling

Vögel zählen statt Tauben scheuchen: Sabine Pesch verließ Berlin für eine 350 Seelen Gemeinde.

Vögel zählen statt Tauben scheuchen: Sabine Pesch verließ Berlin für eine 350 Seelen Gemeinde.

Altlüdersdorf.Ihrer großen Liebe wegen ist Sabine Pesch (51) vor drei Jahren aus dem angesagtesten Szenekiez im Berliner Stadtteil Friedrichshain nach Altlüdersdorf gezogen. Dort fand sie eine neue Liebe: Die Vögel in ihrem Garten. Besonders einer hatte es ihr angetan: „Ein prächtiger Greifvogel flog eines Tages durch den Garten. Ich musste einfach wissen, was das für einer war“, sagt Pesch. Von den „Naturguckern“, einem Online-Netzwerk für Naturbeobachter, erfuhr sie, dass es ein Rotmilan war. „Von da an interessierte ich mich immer mehr für diese Tiere und erfuhr, dass man auch aktiv an Vogelzählungen teilnehmen kann“, sagt Pesch. Seitdem nimmt sie jährlich an der bundesweiten Vogelzählung „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (NABU) teil.

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Stunde der Wintervögel im Januar

So auch am vergangenen Wochenende. Etwa eine Stunde lang, so wie es der NABU empfiehlt, beobachtete sie das Federvieh in ihrem Garten. Alt bekannt und immer wieder schön anzusehen war der Schwarm von etwa 50 Feldsperlingen. „Die schwirren hier immer durch die Luft und besetzen dann meine komplette Hecke“, sagt Pesch. Auf Platz zwei tummelten sich die Blaumeisen und die Kohlmeisen, jeweils acht Stück konnte sie ausfindig machen. Auch fünf Elstern sowie fünf Saatkrähen, fünf Sumpfmeisen, vier Amseln und drei Kleiber besuchten ihr Gartengrundstück der alten Dorfschule. Außerdem je zwei Buchfinken, zwei Gimpel und zwei Grünfinken. Rarer waren vergangenes Wochenende der Buntspecht, der Grünspecht und der Eichelhäher, die sich der Vogelfreundin jeweils nur als Einzelexemplar vorstellten.

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Der NABU freut sich über rege Teilnahme

Sabine Pesch füttert die Vögel ganzjährig zu. Im Kirschbaum hat sie selbstgebastelte Meisenknödel aufgehängt. Damit hat sie einen entscheidenden Vorteil bei der Beobachtung, weiß Tom Kirschey, Vorsitzender des NABU-Regionalverbandes im Altkreis Gransee: „Da kommen die Wintervögel natürlich eher während der Zählstunde vorbei, als wenn sie keinen zusätzlichen Anreiz im Garten finden“, sagt er. Die Vögel würden in diesem bis jetzt milden Winter auch ohne Zufütterung nicht verhungern. Trotzdem sei es ganz gut, da ihr Energieverbrauch gerade im Winter, in dem sie weniger Nahrung finden, höher sei. Er freut sich auch darüber, dass die Aktion im Kreis gut angenommen wird und außer Sabine Pesch noch viele andere trotz des trüben Wetters am Wochenende an der Vogelzählung teilnahmen. „Das trägt ja auch zum Vogelschutz bei. Vor allem die bei uns noch häufig vorkommenden Arten müssen wir im Blick behalten, weil sie durch veränderte Lebensbedingungen immer weniger werden.“ Die Auswertung werde laut Tom Kirschey in den kommenden Tagen erfolgen.

Peschs Tierliebe geht über Vögel hinaus

Sabine Pesch kümmert sich nicht nur um Vögel, auch im Tierheim in Tornow engagiert sie sich. Kürzlich nahm sie einen streunenden Kater auf. In ihrer Freizeit kocht sie gern, geht joggen, arbeitet im Garten oder fährt mit ihrem Lebensgefährten Torsten Stimper gemeinsam Motorrad. Das Beobachten der Vögel zählt dabei für Sabine Pesch eher als entspannende Freizeitbeschäftigung.

Schrecksekunde für die Vogelfreundin

Einige Schrecksekunden habe sie jedoch auch schon hinter sich. Zum Beispiel, als sich im letzten Jahr ein Storch im Tor des Fußballplatzes hinter ihrem Grundstück verhedderte. Der Feldgärtner hatte ihn entdeckt. „Wir riefen dann gleich die Wildtierrettung von Oranienburg an, mit seiner Hilfe am Telefon befreiten wir ihn dann“ Dabei hielt Sabine Pesch ihn mit einem Handtuch über dem Kopf im Arm und der Gärtner schnitt ihn mit einem Messer und einer Schere frei.“ Nach seiner Rettung flüchtete der Storch auf ein Dach, um etwas später weiter zu fliegen. „Das war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Pesch.

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Besonders zutrauliche Federviecher

Für einen speziellen Lieblingsvogel kann sie sich nicht entscheiden. „Für mich haben alle etwas Besonderes. Die Kohlmeisen zum Beispiel sind besonders zutraulich“, sagt Pesch. Besonders gern mag sie auch die Störche, die im Horst nebenan nisten und den Rotmilan. „Durch ihn bin ich schließlich zur Vogelbeobachtung gekommen“, sagt Pesch.

Von Josefine Kühnel

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