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Kunstausstellung

Zwischen den Welten

Imke Rust mit ihrem Mann Steffen Holzkamp während der Ausstellung in der Orangerie und die Künstlerin in ihrem Atelier.

Imke Rust mit ihrem Mann Steffen Holzkamp während der Ausstellung in der Orangerie und die Künstlerin in ihrem Atelier.

Oranienburg.Regentropfen trommeln auf die Dachfenster des Ateliers. Imke Rust freut sich darüber: „In Namibia sind alle Wände dünn, stehen immer alle Fenster offen, da lebt man näher an der Natur.“ Das fehle ihr schon. Vor allem aber drei Dinge: die Sonne, die Weite, die Wüste. Wohl auch die elterliche Farm, auf der sie groß geworden ist. In Friedrichstahl hat die Künstlerin aus Windhoek vor drei Jahren das ersehnte „eigene Stück Land gefunden“ und eine uralte Garage am Haus zum Atelier umgebaut. Das habe ihr geholfen, hier anzukommen. Und die Liebe natürlich.

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Imke Rust ist in Namibia geboren. Die 43-Jährige hat dort Tourismus studiert und sich mit Jobs in der Branche das Kunststudium finanziert. Sie hat als Kuratorin der Nationalgalerie gearbeitet, ihre Bilder hängen in den USA, Italien, in China, Deutschland und Australien. Imke Rust – ein bekannter Name in der Kunstszene Namibias. 2006 führte sie ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Berlin. Dort entstand die Idee für ein Kulturaustauschprogramm, das sie leitete und 2009 Steffen Holzkamp nach Windhoek führte. Dort war der Filmemacher und freiberufliche Cutter als Kameramann gebucht. Vier Wochen später flog Imke Rust nach Berlin: „Ich wollte wissen, wie er lebt“. Seitdem sind sie ein Paar, seitdem pendelt sie zwischen den Welten. Auch künstlerisch.

Imke Rust arbeitet mit ganz unterschiedlichem Material, malt mit Acryl, formt aus Ton, findet Kunst im Alltäglichen. Ihre Arbeiten spiegeln ihre afrikanischen Wurzeln: Eine gemalte Kudu-Antilope, ein Nashorn aus Ton und das blutig verendete Tier daneben. Die Trophäen der Großwildjäger verabscheut sie. „Ich bin Kleinwildjäger“, sagt sie und lacht. Im letzten Sommer in Friedrichsthal hat sie aus Dutzenden erlegten Mücken ein Bild gestaltet, „die hier so viel größer sind als in Namibia“.

Jeden Morgen geht sie in ihr Atelier. Ihr Stolz. Vorher hatte sie kein eigenes. Hier stehen Staffelei, Schreibtisch, Arbeitsplatte. Sie nehme sich nicht vor, heute, dies oder jenes zu malen: „Die Motive suchen mich.“ Sie arbeite an vielen Bildern gleichzeitig. Nach einigen Tagen Abstand entwickelt es sich weiter.

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Vor allem Land-Art liegt ihr am Herzen. In Namibia hat sie sich damit einen Namen gemacht. Und nicht nur Freunde. „Fremde Welten“ hat sie im April in der Orangerie präsentiert. Arbeiten mit einen kritischen Blick auf den wachsenden Uranabbau im Land, die Landverkäufe, die Korruption, die Zerstörung der Umwelt. Bis zu zwölf Meter große Salzkreise hat sie in die Wüste gelegt, „Salz ist ein Symbol des Schutzes in Afrika“. 99 Rosen wiegten sich im Wind. Beim näheren Hinschauen aus Stielen aus Stacheldraht und schwarzen Blütenköpfen aus Mülltüten. Hinweis der Künstlerin, die Dünen zu schützen. Sie hat Kreise aus Hunderten langen Dornen des Kameldorns gelegt, „Tokoloshe Trap“, Kobold-Fallen, hat sie die Arbeit genannt, die Strahlung einfangen, der Wüste Schutz gewähren. Alle Arbeiten aus 2012 hat ihr Mann Steffen Holzkamp in einem eindrucksvollen Film festgehalten. Dann hat sie alles wieder weggeräumt, um nicht selbst die Wüste zu verschmutzen. Die geplante Ausstellung kam erst nicht zustande. Zu politisch, zu kritisch ihr Blick, der Kunstverein Swakopmund lehnte die Ausstellung ihrer Arbeiten ab. Unter Mithilfe vieler wurde sie in einer privaten Scheune gezeigt.

Den kritischen Blick richtet sie derzeit auf Leben ihrer Vorfahren: 1874 sind die ersten ausgewandert, als Siedler, Lehrer, Missionare. Imke Rust hat Tagebücher und Dokumente entdeckt, die Auskunft geben . „Ich habe mich schwer getan mit dem Auswandern, wie mag es meine Vorfahren vor fünf Generationen gegangen sein?“, fragt sie sich. „Und ich möchte wissen, haben auch meine Vorfahren den Hereros das Land gestohlen.“ Dieser Konflikt beschäftigt sie sehr, wie sie ihn künstlerisch in Szene setzt, ist noch offen. Land-Art hat sie inzwischen auch in Friedrichsthal entstehen lassen, dabei Ahornblätter mit dem Skalpell zu Kunstwerken gemacht, Beeren verarbeitet und eben Mückengetier. Auch ein neuer Film im Entstehen über Brandenburg und Windhoek. Was sie verbindet? „Vor allem Sand.“

Imke Rust lädt zum „Tag des offenen Ateliers“ am 5. und 6. Mai von 11 bis 18 Uhr auch in ihres in die Birkenstraße 11 ein. Ihre Arbeiten sind auf ihrer Webpage, Instagram und Facebook zu finden.

Von Heike Bergt

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