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Dranse

Den Geheimnissen von Kuhlmühle auf der Spur

Ulrich Dreßler (v. l.), Irmhild Gärtner und Wolfgang Dost tauschten sich über die Geschichte von Kuhlmühle aus.

Ulrich Dreßler (v. l.), Irmhild Gärtner und Wolfgang Dost tauschten sich über die Geschichte von Kuhlmühle aus.

Dranse.Eigentlich war es nur sein Auftrag, ein städtebauliches Nutzungskonzept für das Gebiet des ehemaligen Erholungscamps der Staatssicherheit „Arthur Becker“ in Kuhlmühle zu erarbeiten. Doch dabei ist Landschaftsplaner Ulrich Dreßler auf den Geschmack gekommen – er wollte mehr über die bewegte Geschichte des Areals herausfinden.

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Wann dieses Bild des ehemaligen Pionierlagers „Ho Chi Minh“ entstanden ist, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen.

Wann dieses Bild des ehemaligen Pionierlagers „Ho Chi Minh“ entstanden ist, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen.

„Da gibt es noch einige Geheimnisse, die es wert sind, gelüftet zu werden“, sagt der aus Frankfurt (Oder) stammende Dreßler. Weil die Erarbeitung eines Flächennutzungsplans für den auftraggebenden Verein „Coolmühle“ zu kostenintensiv geworden wäre, die Mitglieder aber dennoch die stückweise Sanierung der Gebäude anstreben, habe sich die Stadt Wittstock eingeschaltet, wie Dreßler berichtet. Dem von ihr in Auftrag gegebenen Konzept, das auf eine gastronomische und kulturelle Nutzung des Areals abzielt, hatte Dreßler einen historischen Abriss hinzugefügt. „Dabei habe ich gemerkt, dass noch längst nicht alles erzählt, geschweige denn erforscht ist“, sagt der 70-Jährige. Deshalb will er unabhängig vom Konzept weiter an der Geschichte forschen. Und damit ist er nicht allein.

Informationen sollen der Öffentlichkeit dienen

In Dranses Ortschronistin Irmhild Gärtner findet er eine ebenso interessierte Forscherin. In den vergangenen elf Jahren ihrer Tätigkeit hat sie massenhaft Material zu ihrem Heimatort gesammelt, vieles auch bereits digitalisiert. „32 Gigabyte sind bereits beansprucht“, sagt die Ortschronistin. Daheim hütet sie aber auch analoge Schätze wie Dranses Schulchronik aus dem 19. Jahrhundert. Die rief beim gemeinsamen Treffen am Montag mit Ulrich Dreßler Interesse beim ebenfalls anwesenden Historiker Wolfgang Dost hervor. Zudem grübelte die Gruppe über der Entstehungsgeschichte des ehemaligen Pionierlagers „Ho Chi Minh“. In diesem verbrachten die Kinder der Mitarbeiter des DDR-Innenministeriums beziehungsweise der Volkspolizei ihre Sommer. „Ab wann hieß das Lager Ho Chi Minh?“, wollte Ulrich Dreßler von Irmhild Gärtner wissen. Vorhandene Fotos ließen keinen Schluss zu. „Das bekomme ich heraus“, sagte sie.

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Erholung für die Regimestützen

1430 wurde Kuhlmühle erstmals erwähnt. Im 19. Jahrhundert war sie Getreide- und Ölmühle. Ihr Besitzer musste sie Anfang der 1930er Jahre für einen Spottpreis an die Nazis verkaufen. Die errichteten dort ein Jugendlager.

5,4 Hektar des 27 Hektar umfassenden Geländes des Vereins Coolmühle sind im Konzept von Ulrich Dreßler berücksichtigt. Es wurde zu DDR-Zeiten von der Stasi genutzt. Weiterhin war der Ort Erholungsgebiet für Angehörige des Innenministeriums sowie des VEB Spezialhochbau Berlin.

Dreßler interessierte sich für die Personalzahlen, die für das Erholungslager der Staatssicherheit zuständig waren. „Sicher hat die Region auch von den Feriengästen profitiert“, vermutete der Landschaftsplaner. Der Ansicht war auch Wolfgang Dost, trotzdem sei der Zugang den meisten Ortsansässigen meist verwehrt geblieben. Irmhild Gärtner will dem Frankfurter mit einem Faible für Wittstocker Geschichte die Informationen bis zum nächsten Treffen beschaffen, wie sie ankündigte. Dann soll die Geschichte Dranses ein weiteres Stück weit aufgeklärt werden. Eines ist den drei Forschern bei ihrer Arbeit jedoch besonders wichtig. „Wir machen das für die Allgemeinheit“ betonten sie. Und vielleicht wird es irgendwann einmal auf dem restaurierten Areal des Vereins Coolmühle eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes geben.

Von Christian Bark

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