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Neuruppin

Tödlicher Unfall bei Klosterheide: Polizei fahndet nach Ersteller des Videos vom Unfallort

Das ausgebrannte Wrack des Transporters nach dem Unfall am 8. Juni bei Klosterheide.

Das ausgebrannte Wrack des Transporters nach dem Unfall am 8. Juni bei Klosterheide.

Klosterheide. Menschen sterben in einem brennenden Unfallwagen – und jemand hält die Handy-Kamera drauf. Er filmt eine Fünf-Sekunden-Sequenz mit dem Handy. Das Video zeigt, wie sich zwei Ersthelfer um ein Unfallopfer bemühen, das auf der Wiese liegt, und es zeigt das brennende Wrack, in dem man die Umrisse einer Person erkennt.

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Am 8. Juni gegen 17 Uhr war auf der Landstraße 19 zwischen Dierberg und Klosterheide ein Transporter aus noch ungeklärter Ursache von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Der Transporter brannte vollständig aus. Zwei Insassen starben in dem Wrack, der Fahrer konnte schwer verletzt gerettet werden.

Video vom brennenden Wrack ins Netz gestellt

Der Filmer stellt das Video ins Netz, wo es zig fach geteilt wird. Die Horrorbilder kursieren in den Sozialen Netzwerken, bevor die Angehörigen der Opfer von der Polizei darüber informiert werden konnten, dass es zwischen Klosterheide und Dierberg einen schrecklich Autounfall mit zwei Toten und einem Schwerverletzten gegeben hat.

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Damit hat sich der Verfasser des Videos eine Straftat begangen. Deshalb fahndet die Kriminalpolizei nach demjenigen, der das Video gedreht und ins Netz gestellt hat.

Der zuständige Ermittler bei der Kripo Wittstock, André Flick, sagt dazu: „Es sind in dieser Fünf-Sekunden-Sequenz Menschen zu sehen, nämlich der gerettete Fahrer und ein Ersthelfer. Bei genauerer Betrachtung des Videos kann man auch in dem brennenden Fahrzeug den Umriss eines Menschen erkennen.“

Video vom Unfall bei Klosterheide: Strafanzeige gestellt

Damit habe er sich strafbar gemacht. Die Lebensgefährtin eines der verunglückten Fahrzeuginsassen hat deshalb Strafanzeige gegen den Verfasser des Videos gestellt.

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Darum wird gegen den Verfasser des Videos jetzt ermittelt wegen der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“.

Nach Paragraph 201a des Strafgesetzbuches wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft, wer Menschen in hilfloser Lage oder gar Verstorbene zur Schau stellt, und dadurch „ihren höchst persönlichen Lebensbereich verletzt“ oder wer solche Bildaufnahmen anderen zugänglich macht. „Durch dieses Video sehen wir diesen Tatbestand als erfüllt an“, so Flick.

Das Video vom tödlichen Unfall bei Klosterheide wurde aus einem Linienbus gemacht

Was die Polizei bereits weiß: Das Video muss aus einem Linienbus der Linie 764 heraus gedreht worden sein. Es handelt sich um die Verbindung von Neuruppin über Lindow nach Rheinsberg.

Und es muss der Bus ab 16.33 Uhr von Neuruppin, Rheinsberger Tor, gewesen sein, der um 16.58 Uhr ab Lindow fährt und fahrplanmäßig um 17.17 Uhr am Bahnhof Rheinsberg ankommt. Denn dieser Bus kam nur wenige Minuten nach dem Crash an der Unfallstelle vorbei.

Feuerwehr und Rettungswagen sind am Unfallort eingetroffen.

Feuerwehr und Rettungswagen sind am Unfallort eingetroffen.

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Zum Zeitpunkt, als der Bus die Unfallstelle passierte, gab es noch keine Absperrmaßnahmen, es waren noch keine Rettungskräfte vor Ort, nicht die Polizei, nicht die Feuerwehr. Deshalb war die Landstraße noch für jedermann frei befahrbar.

Video vom brennenden Wrack: Der Ersteller wohnt wohl an der Busstrecke

„Anhand des Standortes des Filmenden kann man davon ausgehen, dass dieser sich auf Höhe einer Tür befunden haben muss.“, so Flick. Die Polizei vermutet, dass der Urheber des Videos irgendwo an der Strecke wohnt, also im Bereich zwischen Neuruppin, Lindow und Rheinsberg.

Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die Angaben zu der Person machen können, die das Video gedreht und/oder verbreitet hat. Gesucht werden ebenfalls Personen, die das Video noch erhalten haben und sich bisher nicht bei der Polizei gemeldet haben.

Polizei sucht Zeugen: Wer weiß etwas über dieses Video?

Der Fall wurde am Sonntag auch im RBB-Fernsehen in der Sendung "Täter-Opfer-Polizei" dargestellt, weil sich die Polizei davon weitere Zeugenhinweise verspricht.

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Wer Angaben machen kann, wird gebeten, sich unter Tel. 03391-35 40 in der Polizeiinspektion Ostrignitz-Ruppin in Neuruppin zu melden.

Die Polizei nimmt diese Straftat sehr ernst. Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin, erklärt, warum: „Das muss man einfach mal darüber nachdenken, was ich mit so einem Video anrichten kann. Da sind Menschen auf so schreckliche Weise zu Tode gekommen, und die Angehörigen wissen das in dem Moment noch nicht. Was, wenn sie es durch das Video erfahren?“ Dies sei in höchstem Maße pietätlos.

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