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Neuruppin

Busse ohne Fahrer: ab Herbst übers Land

Auf dem Gelände der Charité in Berlin sind die fahrerlosen Kleinbusse seit Ende März unterwegs. Dieselben Modelle will die Busgesellschaft ORP im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Auf dem Gelände der Charité in Berlin sind die fahrerlosen Kleinbusse seit Ende März unterwegs. Dieselben Modelle will die Busgesellschaft ORP im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Neuruppin. Wenn alles klappt, rollen ab Oktober die ersten Busse ohne Fahrer im Kreis Ostprignitz-Ruppin über die Straßen. Wo genau, ist noch nicht ganz klar. Vier Strecken sind gerade im Gespräch. Die kleinen Elektrobusse könnten völlig selbstständig durch Gildenhall fahren. Oder sie könnten als eine Art Stadtbus in Lindow eingesetzt werden. Auch Wusterhausen und Heiligengrabe sind in der engeren Wahl.

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Busse ohne Fahrer

Ulrich Steffen, der Geschäftsführer der Ostprignitz-Ruppiner Nahverkehrsgesellschaft (OPR) kann sich dazu noch nicht festlegen. „Wir haben ja noch nicht einmal mit den Kommunen gesprochen“, sagt er. Die Gemeinde sollten dem Versuch zumindest zustimmen. Das dürfte allerdings die kleinste Hürde sein.

Die Hoffnung war groß, als die Busgesellschaft ORP im vergangene Herbst mit ihrem Pilotprojekt gestartet ist. In einem bundesweit einmaligen Modellvorhaben will das Unternehmen elektrische Kleinbusse testen, die ganz ohne Fahrer auskommen.

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Ähnliche Versuche gibt es auch andernorts. So rollen zum Beispiel seit März Elektrobusse über das Gelände der Charité in Berlin, auch sie völlig ohne Fahrer. Auch in Potsdam läuft ein Test. Doch nur die ORP wagt sich an einen Versuch im ländliche Raum.

Wer traut sich, damit zu fahren?

Das Interesse an diesem Test ist groß. So haben auch die Ostprignitz-Ruppiner gleich mehrere Partner an ihrer Seite. Die Technische Universität Berlin ist dabei, die sich vor allem für Technik und Strecke interessiert. Auch die Technische Universität Dresden begleitet das Projekt. Sie erhofft sich vor allem Erkenntnisse über die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge bei den Fahrgästen.

„Dabei geht es vor allem um die Frage: Wer traut sich, damit zu fahren?“, sagt Nicola Krettek von der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG). Das Unternehmen betreut das Projekt, das von 2017 bis 2020 laufen soll. Das Geld dafür kommt vom Bund. Rund zwei Millionen Euro stellt er für die dreijährige Testphase zur Verfügung.

Klein und fahrerlos: Die Busse, die im Landkreis Ostprignitz-Ruppin getestet werden sollen.

Klein und fahrerlos: Die Busse, die im Landkreis Ostprignitz-Ruppin getestet werden sollen.

Im Gegensatz zu anderen Modellvorhaben waren die Ostprignitz-Ruppiner im Herbst 2017 ohne feste Versuchsstrecke in den Test gestartet. Wo die fahrerlosen Busse rollen werden, sollte erst später festgelegt werden. Doch das stellt sich als schwieriger heraus, als gedacht.

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„Die Erdung, die wir gerade erfahren, ist beachtlich“, sagt Nicola Krettek. Auf autonom fahrende Busse ist Deutschland offensichtlich noch nicht eingestellt.

Die Fahrzeuge gibt es schon

Die Fahrzeuge existieren. Die Busgesellschaft ORP hat sich für das Modell eines französischen Herstellers entschieden, das auf dem Charité-Campus getestet wird.

Das Fahrzeug ist technisch erprobt – aber eben noch nicht so sehr auf öffentliche Straßen. Damit der selbstfahrende Bus auf einer bestimmten Strecke fahren darf, braucht er eine Zulassung. Aber wie bekommt man die? An dieser Frage verzweifelt ORP-Chef Steffen fast.

Von mehrere Prüforganistationen hat die ORP inzwischen eine Absage erhalten, weil die Firmen sich nicht in der Lage sehen, eine Zulassung auszustellen. „Die Dekra hat uns gesagt, das würde mehrere Jahre dauern“, sagt Steffen. Die Prüforganisationen wissen derzeit oft selbst nicht, wie sie mit selbstfahrenden Busse umgehen sollen.

Tüv Hessen hat Erfahrung mit den Bussen

Nach längerer Suche hat die ORP jetzt einen Partner gefunden, der schon Erfahrung im Umgang mit solche Fahrzeugen hat: den Tüv in Hessen. Der müsste jedem Minibus gleich zweimal ein Zeugnis ausstellen. Zum einen muss er bestätigen, dass die kleinen Elektromobile für den öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden dürfen.

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Schon das ist schwierig, weil die Vorgaben für Busse in Deutschland sehr hoch sind. Zum anderen müssen die Prüfer bestätigen, dass die Fahrzeuge auf der ausgesuchten Strecke sicher fahren können. Nur wenn das garantiert ist, darf der öffentliche Fahrversuch mit Passagieren im Oktober wirklich starten.

Rechtliche Probleme sind riesig

Dass der Bund so viel Geld zur Verfügung stellt, findet Steffens sehr gut. „Aber ich würde mir auch wünschen, dass man bei manchen Punkten mehr Flexibilität an den Tag lege würde“, sagt der ORP-Chef. Die rechtliche Probleme sind so groß, dass das Projekt oder zumindest der ambitioniert Zeitplan daran scheitern könnten.

„Selbstverständlich steht die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stellen“, sagt der Chef des kreiseigene Busbetriebs. Darauf wird in jedem Punkt des Projektes geachtet.

25 mögliche Strecken gab es zu Beginn des Projektes

Mit 25 möglichen Strecken sind die Projektpartner 2017 an den Start gegangen. Nach und nach musste sie eine nach der anderen von der Liste streichen. Schneller als 20 bis maximal 25 Kilometer pro Stunde dürfen die autonomen Busse im Testbetrieb ohnehin nicht fahren.

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Das entspricht etwa dem Tempo eines Radfahrers. Bei dieser Geschwindigkeit kommen die Minibusse allenfalls als Transportmittel für kurze Strecken infrage. Mehr als vier Kilometer sind kaum drin, sagt Nicola Krettek.

Wo gibt es solche Strecken, auf denen die Busse ohne Fahrer sinnvoll rollen können, etwa als Zubringer zu anderen Buslinien? Und wo gibt es solche Strecken, auf denen noch dazu wenig anderer Verkehr rollt und wo es überall guten Handy-Empfang gibt?

Über Mobilfunk halten die Busse Kontakt zur Zentrale

Letzterer ist wichtig, damit die Busse ständig Kontakt zu ihrer Steuerzentrale halten können. Auf Gildenhall, die Strecke zwischen Gühlen und Lindow, Heiligengrabe oder Wusterhausen würde das zutreffen.

Dass demnächst nur noch Busse ohne Fahrer unterwegs sind, kann sich Ulrich Steffen nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht vorstellen. Der ORP-Chef hofft eher, dass die autonomen Busse helfen können, das Personalproblem bei den Busfahrern in dem Griff zu bekommen.

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Immer mehr Probleme, Busfahrer zu finden

Die Busgesellschaft hat immer größere Schwierigkeiten Fahrer zu finden. Warum nicht autonome Busse dort einsetzen, wo es nur wenige Fahrgäste gibt? Sie könnten über die kleinen Dörfer fahren und die Passagiere zu Sammelpunkten bringen, wo sie in andere Busse umsteigen könnten.

Noch das ist das aber Zukunftsmusik. „Was man mit den Fahrzeugen können will, kann man bisher noch nicht“, sagt Nicola Krettek. „Mitunter hat man das Gefühl, dass man mit seine Innovationsgeist alleingelassen wird.“ Noch steckt das Projekt aber in der Startphase.

Von Reyk Grunow

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