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Kanzler im Bürgerdialog

Kommentar zum Besuch von Olaf Scholz in Neuruppin: Das gehört sich nicht

Bürgerdialog und Protest mit Bundeskanzler Olaf Scholz am Schulplatz in Neuruppin.

Bürgerdialog und Protest mit Bundeskanzler Olaf Scholz am Schulplatz in Neuruppin.

Neuruppin. Bundeskanzler Olaf Scholz kam zum Bürgerdialog nach Neuruppin – und Neuruppin hat sich von seiner rüpelhaftesten Seite gezeigt. Der Bundeskanzler wurde bei seinem Eintreffen ausgebuht, bei seiner Begrüßung niedergebrüllt, bei seinen Antworten auf Bürgerfragen ausgepfiffen. Und ein organisierter Trupp Störer skandierte fast eine Stunde lang lautstark „Hau ab!“. Als Neuruppiner Bürgerin, als Verfechterin einer lebendigen Demokratie, kann man sich dafür nur schämen.

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Natürlich waren es nicht DIE Neuruppiner und Neuruppinerinnen, die sich gegenüber dem Bundeskanzler als so unanständig, so intolerant, so unverschämt zeigten. Es war eine organisierte Störaktion, für die sich die AfD im Anschluss auf der eigenen Bühne der Protestveranstaltung auch noch beglückwünschte. Es sei gelungen, was man vorhatte – nämlich den Dialog des Bundeskanzlers bestmöglich zu stören.

Kaum Chance auf echten Meinungsaustausch

Tatsächlich waren sie so laut, dass die vielen, die wirklich in den Dialog treten wollten, kaum die Chance hatten auf einen echten Meinungsaustausch. Zumal die Störer nicht einmal davor zurückschreckten, Senioren, Soldaten, Umweltaktivisten, sogar Kinder aus Neuruppin niederzubrüllen, als die eine Frage an den Bundeskanzler stellen wollten. Das ist würdelos und peinlich – aber für die Störer, nicht für die Dialogbereiten.

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Natürlich darf man wütend sein. Man darf demonstrieren. Man darf protestieren. Es sind beängstigende Zeiten, das Land steht vor gewaltigen Problemen, und die Bundesregierung gibt nicht immer das beste Bild ab. Vieles scheint unausgegoren, anderes ungerecht, und der sogenannte kleine Mann hat zu Recht Angst vor dem, was ihm die nahe Zukunft bringt.

Es war bewundernswert, wie unerschütterlich Olaf Scholz den Shitstorm über sich ergehen ließ. Er ließ sich kein bisschen aus der Ruhe bringen, hob weder seine Stimme, noch vergaß er seinen Text. Man kann von Olaf Scholz als Regierungschef halten, was man will, aber das war schon ein starker Auftritt.

Kann man es Olaf Scholz verdenken, die Veranstaltung nach einer Stunde zu beenden?

Respekt hat auch die Bürgerin verdient, die ihre eigentliche Frage zurückstellte, um dem Bundeskanzler dafür zu danken, dass er so ruhig bleibt, selbst bei diesem Gebrüll. Dass dies vielen friedlichen Gästen aus dem Herzen sprach, zeigte der Applaus dafür.

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Die vielen Menschen im Publikum, die am Mittwochabend wirklich den Dialog suchten, hatten gute Fragen. Es hätten vielleicht noch mehr sein können – aber kann man es Olaf Scholz verdenken, dass er nach einer Stunde die Veranstaltung beendet? Wo ich herkomme, ist Niederbrüllen kein Argument, sondern einfach nur unflätiges Verhalten.

Mag sich die AfD jetzt dafür abklatschen, dass es ihr gelungen ist, dem Bundeskanzler in Neuruppin das Bild eines wütenden Mobs zu bieten. Wenn das das Demokratieverständnis der AfD ist, kann man nur hoffen, dass die sogenannte Alternative für Deutschland nie wirklich zum Zuge kommt.

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