Lüül und Band begeistern Fans in Ruppin
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Lüül (l.) und Band, hier mit Akkordeonist Kruisko, spielten in Buskow mitreißend komponierte Songs mit Botschaft.
© Quelle: Regine Buddeke
Buskow. Die 17 Hippies sind bekannt. Allesamt Musiker mit Lust am Experiment, geballter Spielwut und Freude am gemeinsamen Musizieren. Kein Wunder, dass die Hippies auch gern und oft in anderen Formationen unterwegs sind: Lüül etwa, der Mann am Banjo, der vor den Hippies schon eine beeindruckende Musikerkarriere hingelegt hat. Am Samstagabend trat er mit seiner Band – allesamt Hippie-Kollegen – im Salon im Kuhstall auf dem Bodoni-Vielseithof auf.
Mehr als 70 Zuhörer sind gekommen, um den Songs des 65-Jährigen zu lauschen, der in den frühen Achtzigern mit „Morgens in der U-Bahn“ den Grundstein für den Rap legte – der Neue-Deutsche-Welle-Titel war der erste, der den Sprechgesang salonfähig machte. Wobei – Lüül ist keiner, der sich am Mainstream orientiert.
Er schreibt seine Songs – mal rebellisch, mal zart, scharfkantig und ohne sich bei irgendwem anbiedern zu wollen. Er folgt seinem eigenen Weg und seinem Herzen. Ist autark und gleichzeitig einer, dem Gemeinschaft am Herzen liegt. „Er ist viel mehr als nur 17 Hippies“, sagt sein Bandkollege Daniel Cordes, der Mann am Kontrabass.
Mit zwölf hat der Jung-Gitarrist Lüül, der mit bürgerlichem Namen Lutz Ulbrich heißt, seine erste Band gegründet. Er spielte bei Agitation Free und Ash Ra Tempel, tourte mit Supermodel und Sängerin Nico durch die USA, musizierte mit verschiedensten Kollegen, gründete das Rocktheater Reineke Fuchs. Ein umtriebiger Geist – der einiges erlebt hat.
Man sieht es ihm an – auf den ersten Blick, wenn ihm die Strähnen im Eifer des Gesangs in die Stirn fallen, gleicht er immer noch dem schlaksigen Blondschopf aus den Achtzigern. Die hellen Augen schauen mal blitzend lebenshungrig – mal müde. „Leben ist gut – nur die Welt ist schlecht“, singt er. Dann versteht man die Melancholie in seinem Blick.
Sänger, Gitarrist und Songschreiber Lüül heißt mit bürgerlichem Namen Lutz Ulbrich
Runterziehen lässt sich indes keiner im Saal. Dafür sprechen die vielen mitreißenden Kompositionen – einige von den 17 Hippies, die meisten von Lüül. „Mach dir das Leben schön ... und keinen Stress“, singt Lüül mit seiner rauen, fast heiseren Stimme. Er weiß es, hat es gelebt. „Das schönste Lied der Welt“, sagt er und erzählt von einem Hippiestrand in Mexiko, wo man alles an die Hängematte geliefert bekommt, was man so braucht. „Hula, Marihuana und Tequila“, singt er.
Es sei toll, in der Matte zu chillen und den Touris beim Absaufen zuzusehen. Die Menge kichert. Lüüls Humor schleicht sich immer von hinten an. Der Reggae klingt beschwingt – der Hippiesound hat seine Spuren hinterlassen. „Hängematte, Hängematte“ singt das Publikum begeistert. Am Rand, neben den alten Druckmaschinen, wird ein wenig getanzt. Das Akkordeon hyperventiliert bei der mazedonischen Ballade „Samara“, aus der Violine erblüht der Orient und der Klangteppich wird zum Wirrwarr eines Basars.
„Verliebt in du“ – auch so ein Lied, das einen sich verlieben lässt in Lüüls Wortwitz. Er hat es 2004 für ein Mädchen aus Brandenburg geschrieben, erzählt er. Überhaupt – seine Eltern hätten sich in Neuruppin kennengelernt, plaudert er weiter. „Gut auch. Sonst würde ich heute nicht hier stehen“, scherzt er. Das Publikum singt einmal mehr den Refrain mit – lärmt, lacht, klatscht.
Seit vielen Jahren spielt er bei den 17 Hippies, ist aber auch solistisch unterwegs
Kerstin Kaernbach spielt nicht nur wunderbar Violine. Den Bogen schwingt sie auch an der singenden Säge. Außerdem spielt sie mit der Luft – genauer gesagt auf einem Theremin. 1920 erfunden und quasi das erste Elektronikinstrument. Man spielt es, indem man mit der Hand in einem elektromagnetischen Feld Töne erzeugt. Der Klang ist sehr effektvoll. „Hat etwas Gespenstisches“, sagt eine Zuhörerin.
„Noch ein Lied, das immer passt“, sagt Lüül und singt „Untergang“. Ein Sprechgesang zu mitreißendem Polka-Klamauk. Die Menge singt lauthals „Der Untergang kommt!“ Wie hintersinnig. Wenn schon Untergang – dann bitte genau so.
Von Regine Buddeke