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Wandern nach Fontanes Notizen

Meseberg in Fontanes Notizbüchern

„Wie ein Zauberschloss liegt es auch heute noch da“: Schloss Meseberg.

„Wie ein Zauberschloss liegt es auch heute noch da“: Schloss Meseberg.

Meseberg.Würde Fontane heute seine „Wanderungen“ schreiben, käme er wahrscheinlich nicht umhin, Meseberg ein eigenes Kapitel zu widmen. Schließlich empfängt Angela Merkel auf Schloss Meseberg seit 2007 ihre Staatsgäste. Im Ort hat man sich an den hohen Besuch gewöhnt. „Hier wird schließlich Weltpolitik gemacht“, sagt ein Anwohner fast ein wenig stolz. Der Satz hätte Theodor Fontane amüsiert. Seit jeher habe „unsere Mark“, kommentierte der Dichter, „immer den Mut der ausgleichenden höheren Titulatur gehabt“.

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Kein Kapitel für Meseberg

Fontane war mehrmals in Meseberg. Erst kam er als Wanderer, später als Gast zu den Lessings. Carl Robert Lessing, Miteigentümer der „Vossischen Zeitung“, hatte das Schloss 1885 gekauft. Dessen Frau Emma verdankte Fontane den Stoff für seinen berühmten Roman „Effi Briest“.

Meseberg erhielt in den „Wanderungen“ jedoch nie ein eigenes Kapitel. Stattdessen wurde der Ort „eingekapselt“ in den Teil „Zwischen Boberow-Wald und Huwenow-See“, der sich dem Rheinsberger Hof des Prinzen Heinrich um 1800 widmet.

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Schlossfront im Notizbuch, Fontane-Skizzen von 1861.

Schlossfront im Notizbuch, Fontane-Skizzen von 1861.

Aus Heinrichs Umkreis werden hier drei illustre Personen mit Überschriften hervorgehoben: das Ehepaar de La Roche-Aymon aus Köpernitz und Major von Kaphengst. Letzterer war der bekannteste Liebhaber des Prinzen, der ihm das am Huwenowsee gelegene Gut Meseberg 1774 schenkte. Der schillerndste Schlossherr, den der Ort bisher erlebt hat, stieß zwangsläufig auf Fontanes Interesse.

Elf Notizbuchseiten über Me(e)seberg

Von seinem ersten Meseberg-Besuch im Juni 1861 existieren elf Notizbuchseiten. Darin findet sich neben einer Zeichnung von der Schlossfront auch eine Skizze von der „Gestalt des See´s bei Meeseberg“. Sie zeigt den Huwenowsee aus der Vogelperspektive. Fontanes Ergänzung „Rings bewaldet“ gilt auch heute noch: Umsäumt von mächtigen Rotbuchen und Eichen schlängelt sich der See 2,3 Kilometer durch den märkischen Wald. Und Fontane hat ihn sogar umwandert.

Fontane hat ihn umwandert: den Huwenowsee.

Fontane hat ihn umwandert: den Huwenowsee.

Als er im Mai 1889 wieder einmal auf Schloss Meseberg zu Gast war, schrieb er seiner Tochter: „Vor Tisch anderthalbstündiger Spaziergang um den schönen See“. Der Rundweg gehört zu den landschaftlich reizvollsten Wanderwegen im Ruppiner Land. Erschließt man sich den Huwenowsee schwimmend, hält er durchaus einem Vergleich mit Skandinavien stand.

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Das Meseberger „Riesenbild“

Außer den Skizzen hielt Fontane in seinem Notizbuch auch das Inventar der Kirche und des Schlosses fest. So beschreibt er beispielsweise in der durch ihren neobarocken Zwiebelturm auffallenden Kirche ein „Riesenbild aus dem Jahre 1588“.

Das 3 x 3,5 Meter große Ölgemälde, das seit seiner Restaurierung 2014 in neuem Glanz erstrahlt, porträtiert die Familie von der Groeben, die das Gut Meseberg lange vor Kaphengst mehr als 200 Jahre besessen hat. Über den 17 Familienmitgliedern befinden sich „links ein mäßig großes Sündenfall-Bild, rechts die Auferstehung. In der Mitte eine Tempelhalle, über derselben Gott, Christus und der heilige Geist.“

Ein „Riesenbild aus dem Jahr 1588“ in der Kirche: Das Familienbild von der Groeben.

Ein „Riesenbild aus dem Jahr 1588“ in der Kirche: Das Familienbild von der Groeben.

In den gedruckten „Wanderungen“ erwähnt er das „auch um seines künstlerischen Gehaltes willen sehr bemerkenswerte(s) Familienbild“ jedoch nur in einer Anmerkung. Dagegen blieben die unter der flapsigen Bemerkung „In der Kirche herrschen überhaupt nur die Gröbens“ aufgelisteten Gemälde in den Notizbüchern stehen – und dürften aufgrund ihrer zurzeit laufenden digitalen Edition künftig nicht nur auf das Interesse von Kunsthistorikern stoßen.

Die Autoren: Gabriele Radecke & Robert Rauh

Gabriele Radecke, geboren 1967, studierte Germanistik, Politik- und Rechtswissenschaft und promovierte zu Fontane. Sie ist Trägerin des Preises des Stiftungsrates der Universität Göttingen. Seit 2010 leitet sie die von ihr gegründete Fontane-Arbeitsstelle der dortigen Universität. Seit 2010 ist sie Mitherausgeberin der „Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe“ und hat gerade sämtliche Notizbücher Fontanes digital ediert. Die digitalen Notizbücher kann man hier einsehen.

Robert Rauh, geboren 1967 in Berlin, ist Historiker, Lehrer und Seminarleiter. Er arbeitet als Herausgeber von Lehrbüchern und Träger des Deutschen Lehrerpreises. 2017 veröffentlichte er sein Buch „Fontanes Fünf Schlösser“, 2018 „Fontanes Frauen“, in denen er die Werke Fontanes unter die heutige Lupe nimmt. Gerade ist sein neues Buch „Fontanes Ruppiner Land“ erschienen. Weitere Rechercheergebnisse und Ausflugstipps gibt es hier.

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Von Gabriele Radecke und Robert Rauh

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