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Neuruppin

Neuruppiner Tafel in Not: Mehr Menschen nutzen Essensausgabe – Spenden gehen zurück

Ukrainische Kriegsflüchtlinge bei der Neuruppiner Tafel im Frühjahr: Seitdem ist die Zahl der Geflüchteten, die diese Lebensmittel benötigen, weiter gestiegen – aber auch die Zahl der Einheimischen ist größer geworden, die auf Hilfe angewiesen sind.

Ukrainische Kriegsflüchtlinge bei der Neuruppiner Tafel im Frühjahr: Seitdem ist die Zahl der Geflüchteten, die diese Lebensmittel benötigen, weiter gestiegen – aber auch die Zahl der Einheimischen ist größer geworden, die auf Hilfe angewiesen sind.

Neuruppin. Bis Ende Mai etwa ging alles glatt. Zu diesem Zeitpunkt versorgte die Neuruppiner Tafel etwa 420 Haushalte in der Stadt. Und auch, wenn das etwa 220 mehr als noch zu Jahresbeginn waren, wuppte die Essensausgabe für Bedürftige das – trotz gestiegener Spritpreise und zurückgehender Lebensmittelspenden.

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Viel mehr Bedürftige dürften es aber nicht mehr werden, sagte damals Doreen Gudat vom Arbeitslosenverband, der das Hilfsangebot betreibt. Das wäre nicht mehr zu schaffen, glaubte sie. Nun holen tatsächlich deutlich mehr Menschen dort Essen ab als noch im Mai, und es funktioniert trotzdem – allerdings immer öfter mit angezogener Handbremse.

Neuruppiner Tafel kann nicht mehr alle versorgen

Die Neuruppiner Tafel kann nicht mehr konstant die Nachfrage bedienen. „Ich musste jetzt schon öfter Leute wegschicken, weil ich für sie nichts mehr hatte“, sagt die Leiterin der Einrichtung.

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517 Menschen nutzen das Angebot derzeit in Neuruppin. Knapp 600 sind es, wenn man die Standorte in Fehrbellin, Protzen und Rheinsberg dazu zählt. Tendenz: weiter steigend.

Immer noch jede Woche neue Nutzer bei der Neuruppiner Tafel

Zwar sei der große Ansturm vorbei, sagt Doreen Gudat. Kurz nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine haben sich etwa zehn neue Abnehmer pro Tag dort angemeldet. Jetzt gibt es wöchentlich etwa vier Haushalte als Neunutzer. Es bleibt also dabei: Immer mehr Menschen benötigen Hilfe, um über die Runden zu kommen.

Darunter seien immer noch viele Flüchtlinge. Aber auch immer mehr Deutsche suchen die Ausgabestelle auf. Doreen Gudat sieht das als Folge von stark gestiegenen und immer noch in die Höhe schellenden Preisen in allen Lebensbereichen. „Damit kommen immer weniger Menschen finanziell zurecht.“

Doreen Gudat ist Leiterin und Koordinatorin der Ruppiner Tafel in Neuruppin.

Doreen Gudat ist Leiterin und Koordinatorin der Ruppiner Tafel in Neuruppin.

Für die Ausgabestelle selbst ist der Kostenanstieg aber auch ein Problem. Schließlich muss sie Sprit für ihre zwei Autos kaufen, die fast täglich Ware holen oder die Außenstellen bedienen. "Da kommt einiges zusammen." Vor Ort wird viel Strom verbraucht, weil die Kühltruhen betrieben werden müssen.

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Wenn bald auch noch das Heizen teurer wird, dann könnte es wirklich eng werden. Zumal im Moment kaum jemand Geld spendet; das sei noch vor einigen Monaten anders gewesen. Ein finanzielles Polster hat die Tafel kaum. „Wir leben von der Hand in den Mund.“

Weniger Lebensmittelspenden erreichen Neuruppiner Tafel

Was aus Gudats Sicht noch gravierender ist: Parallel zur steigenden Zahl der Nutzer, ist die Zahl die Lebensmittelspenden zurückgegangen. „Wir bekommen von den Märkten weniger Ware.“ Denn der Handel habe angesichts der Krise den Gürtel ebenfalls enger geschnallt: Es wird nur noch bestellt, wenn die Dinge in den Regalen leer sind. „Es bleiben also weniger Reste übrig.“ Und damit weniger, was an die Tafeln gehen könnte.

Im Moment sei die Lage aber nicht ganz so schwierig, wie sie es im Winter werden könnte. Dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Ausgabestelle derzeit mehr als nur Büchsen in die Essenskisten packen können, hat einen besonderen Grund: die hilfsbereiten Gärtner der Region.

Sie spenden einen Teil der Äpfel, Zucchinis oder Gurken aus ihrer Ernte an die Tafel. Die Neuruppiner Arbeitsfördergesellschaft EAN verschenkt aus dem Garten, den sie seit einiger Zeit bewirtschaftet, gleich den gesamten Ertrag. „Damit können wir unsere Kisten super auffüllen“, sagt Gudat, die über Nachahmer froh wäre.

Viele Tausend Jugendliche waren beim Bundeslager der Pfadfinder in Großzerlang dabei. Reste, die nach der Großveranstaltung übrig geblieben sind, hat der christliche Verband der Tafel geschenkt.

Viele Tausend Jugendliche waren beim Bundeslager der Pfadfinder in Großzerlang dabei. Reste, die nach der Großveranstaltung übrig geblieben sind, hat der christliche Verband der Tafel geschenkt.

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Und auch die eiserne Reserve in den Kühltruhen ist noch nicht völlig zusammengeschmolzen. Die Pfadfinder, die sich kürzlich in Großzerlang bei Rheinsberg zu ihrem Bundeslager mit mehreren Tausend Teilnehmern getroffen hatten, haben alles der Tafel geschenkt, was übrig geblieben ist. "Das war richtig viel: Wir haben jetzt eine ganze Truhe mit Wurst und Käse."

Wenn dieser Vorrat weg ist, will die Tafel die Kühlfächer allerdings eher nicht noch einmal vollpacken. Denn sie wird demnächst umziehen: Ab Ende September wird sie nicht mehr im Bullenwinkel, sondern in der Franz-Mehring-Straße 9 zu finden sein.

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