Breddin

Damelack: Mufflonhalter rüstet nach Wolfsrissen auf

Nach den Schafsrissen in der Nachbarschaft hat ein Damelacker Mufflonhalter jetzt seinen Zaun elektrisch aufgerüstet.

Nach den Schafsrissen in der Nachbarschaft hat ein Damelacker Mufflonhalter jetzt seinen Zaun elektrisch aufgerüstet.

Breddin. Acht Kamerunschafe fielen dieser Tage im Breddiner Ortsteil Damelack einem Wolfsangriff zum Opfer. Mutmaßlich. Denn erst muss von einem Experten der Vorfall noch bestätigt werden. Ein Gutachter soll aber bereits vor Ort gewesen sein und entsprechende DNA-Proben mitgenommen haben.

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Doch für die Damelacker ist jetzt schon klar, dass es ein oder gar mehrere Wölfe gewesen sein müssen, die es auf die Schafswiese schafften. Denn in den vergangenen Wochen kam es unweit entfernt davon schon zu Vorfällen, die laut Landesumweltamt tatsächlich auf den Wolf zurückgingen.

Wolf schlug in Damelack neben Wohnbebauung zu

Ende September verlor ein Viehhalter dabei die Hälfte seiner 30-köpfigen Schafsherde nahe der Bahnlinie in Damelack. Tags darauf wurde ein Schafbock unmittelbar auf seiner Hauptweide an der Waldgrenze gerissen. Im Oktober fand der Mann schon wieder ein Schaf tot auf der Weide. Drei Ziegen konnten fliehen, rannten Richtung Bahn. Und zwei Schafböcke standen am nächsten Morgen im Dorf.

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Nun ereignete sich Fall Nummer Vier auf einer Weide, die an Damelacker Bauerngehöfte angrenzt. Und es traf diesmal einen ganz anderen Tierhalter, einen Hobbylandwirt. Er trauert jetzt um acht seiner 18 Schafe. Die überlebt haben, hole er nun nachts zu sich auf den Hof aus Sorge um weitere Verluste.

Sorgenvoller Blick auf die Wiese, auf der jüngst noch Kamerunschafe grasten.

Sorgenvoller Blick auf die Wiese, auf der jüngst noch Kamerunschafe grasten.

Denn sein Elektrozaun ist ein eher gewöhnlicher Zaun. Er erfordert zwar die Mindestanforderungen, um den Schaden ersetzt zu bekommen. Den Landesempfehlungen indes entspricht er nicht, die der jüngst überarbeiteten Wolfsverordnung zugrundegelegt sind, wenn es um einen nunmehr möglichen ­Antrag auf „Entnahme“ eines Wolfes geht.

Auch beim zuvor betroffenen Viehhalter reichte der Zaun dahingehend nicht aus. „Nach unserem Wissensstand gibt es deshalb keine Chance auf einen Wolfsabschuss. Wir müssen jetzt also so gut es geht alles genauestens dokumentieren“, sagt einer, der in Damelack gleich neben der jüngst betroffenen Weide vor wenigen Jahren erst ein ganzes Wildtiergatter aufgebaut hat.

Sorge um die Mufflons im Damelacker Gatter

Die Familie dieses Mannes hält dort Mufflons, Wildschafe sozusagen. In freier Wildbahn werden ihre Bestände in Brandenburg immer geringer – unumstritten wegen des Wolfes, für den die kaum fluchtstarken Tiere leichte Beute sind.

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Der Mann möchte wie auch der jüngst betroffene Nachbar namentlich „lieber nicht“ genannt werden. Er ist der Redaktion allerdings ebenso bekannt. Seine Sorge seien „vermeintliche Tierschützer“. Denn wer wisse schon, wer sich heutzutage alles bemüßigt fühlen könnte, aus dem halben Bundesgebiet nach Damelack anzureisen, um „Stimmung“ zu machen.

Nach den Schafsrissen in der Nachbarschaft ist auch ein Damelacker Mufflonhalter jetzt um seine Tiere besorgt.

Nach den Schafsrissen in der Nachbarschaft ist auch ein Damelacker Mufflonhalter jetzt um seine Tiere besorgt.

Nur Rolf Racko, der Jagdgenossenschaftsvorsitzender ist in der Gemeinde Breddin, zu der Damelack gehört, und der in eben jenem Ortsteil ein Pachtrevier hat, hat weniger Furcht. Er fragt lieber einmal mehr: "Der Wolf wird geschützt, aber wer schützt das Wild?" Viel zu viele gerissene Tiere hätten er und benachbarte Jäger ringsherum in den vergangenen Jahren schon gefunden, um bei diesem Thema noch ruhig zu bleiben, sagt er.

Über die Wolfsverordnung schüttelt er den Kopf. „Selbst, wenn ein Antrag auf Entnahme genehmigt werden würde, wer soll genau jenen Wolf finden, der für die Risse verantwortlich gemacht wird?“ Ein sicherlich vorgegebenes Zeitfenster und die schiere Unmöglichkeit, den Wolf gezielt „in Anblick“ zu bekommen, seien unüberwindbare Hürden. „Das ist doch alles so geregelt, dass es am Ende eigentlich unmöglich wird.“

Damelacker setzt drei Lagen Draht unter Strom

Der Damelacker Mufflonhalter bestätigt ähnliches mit Blick auf den Fördergeldantrag für einen Schutzzaun. Er wollte dem anderen betroffenen Viehhalter im Dorf beim Ausfüllen helfen. „Es ist eine viel zu komplizierte Geschichte. Der Antrag umfasst 20 Seiten. Und der Knaller dabei ist die Erklärung mit ,Unternehmen in Schwierigkeiten’ als Überschrift“, berichtet er. Eine Existenzbedrohung müsse demnach vorliegen. Kontoauszüge seien mitzuschicken, und, und, und.

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Nach den Schafsrissen in der Nachbarschaft hat ein Damelacker Mufflonhalter jetzt seinen Zaun elektrisch aufgerüstet.

Nach den Schafsrissen in der Nachbarschaft hat ein Damelacker Mufflonhalter jetzt seinen Zaun elektrisch aufgerüstet.

Seinen eigenen Weidezaun hat der Muffelhalter jetzt mit drei Lagen stromführendem Draht aufgerüstet. „An zwei Stellen entdeckten wir, dass ein Wolf versucht haben muss, sich durchzugraben.“ Zum Schutz vorm Untergraben aber steckt der zwei Meter hohe Zaun eben wenigstens 30 Zentimeter tief in der Erde. Bleiben 1,70 Meter in der Höhe. „Es soll unter Wölfen mittlerweile ja auch Kletterkünstler geben.“

Der Strom halte sie nun hoffentlich auch davon ab. Hoffentlich. Die Sorgen im Dorf sind groß, wann und wo es erneut zu einem Vorfall kommt.

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