Unfallkreuze in Prignitz und Ruppin

Nicht erlaubt aber toleriert

Das Kreuz an der Abfahrt nach Goldbeck erinnert an die 2016 bei einem Verkehrsunfall getötete Vanessa Fitz.

Das Kreuz an der Abfahrt nach Goldbeck erinnert an die 2016 bei einem Verkehrsunfall getötete Vanessa Fitz.

Wittstock. Sie erinnern an Nico, der bei einem Verkehrsunfall in der Heinrich-Rau-Straße in Neuruppin ums Leben kam. Oder an die Vanessa Fitz aus Dossow, die 2016 im Alter von 17 Jahren auf ihrem Moped von einem Autofahrer gerammt und dabei getötet wurde.

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16 solcher Unfallkreuze sind auf den Straßen in Ostprignitz-Ruppin zu finden. Im Landkreis Prignitz sind es 18, wie das Infrastrukturministerium in Potsdam mitteilt. Landesweit erinnern 205 Kreuze an die Opfer schwerer Verkehrsunfälle.

Eigentlich ist das Errichten solcher Kreuze nicht erlaubt. „Das Aufstellen von kleineren Gedenkkreuzen an Unfallstellen wird vom Landesbetrieb Straßenwesen aus Respekt vor Hinterbliebenen stillschweigend geduldet“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Innerorts könnten die Kommunen Sondergenehmigungen dafür erteilen.

Das Kreuz am Straßenrand der Heinrich-Rau-Straße in Neuruppin erinnert an Nico

Das Kreuz am Straßenrand der Heinrich-Rau-Straße in Neuruppin erinnert an Nico.

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Auf Wittstocker Gebiet, wozu der Straßenabzweig nach Goldbeck gehört, an dem das Kreuz für Vanessa steht, ist das Errichten von Kreuzen eigentlich nicht genehmigt. Laut dem Stadtsprecher Jean Dibbert toleriere die Verwaltung aber jene Gedenkorte. „Voraussetzung ist natürlich, dass keine Gefahr oder Beeinträchtigung für den Straßenverkehr davon ausgeht“, sagt er.

Nicht alle Kreuze sind gepflegt

Der Zustand der Kreuze ist je nach Alter unterschiedlich, wie Maren Born vom Netzwerk Verkehrssicherheit Brandenburg, das seit 2009 den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Akteuren der Verkehrssicherheitsarbeit im Land unterstützt, berichtet. „Manche Kreuze werden gepflegt, manche nicht“, sagt sie. Hin und wieder würden die Kreuze nach einiger Zeit entfernt.

Das Netzwerk beschäftigt sich seit Jahren mit den Straßenkreuzen und hat vor acht Jahren eine mobile Ausstellung dazu mitkonzipiert. „Die Ausstellung gibt es sechsmal in Brandenburg“, sagt Maren Born. Sie spreche Fahranfänger sowie junge Fahrer an und werde in erster Linie bei Aktionstagen in Oberstufenzentren genutzt.

„Die Ausstellung kommt nach wie vor so gut an, dass wir im vergangenen Jahr einen Aufsteller mit statistischen Zahlen aktualisiert haben“, so die Netzwerkmitarbeiterin.

Dieses Kreuz am Abzweig nach Buskow am Stöffiner Berg bei Neuruppin erinnert an den 2010 verstorbenen Teo

Dieses Kreuz am Abzweig nach Buskow am Stöffiner Berg bei Neuruppin erinnert an den 2010 verstorbenen Teo.

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Straßenkreuze visualisierten nicht nur tödliche Verkehrsunfälle und würden somit helfen, Menschen zu sensibilisieren, sie würden den Opfern hinter den statistischen Zahlen auch einen Namen geben. „Das ist ungemein wichtig für präventive Arbeit“, betont Maren Born.

Berliner sammelt Fotos von Kreuzen fürs Internet

Das sieht auch Detlef Zabel so. Seit einigen Jahren fotografiert der Berliner Straßenkreuze in Brandenburg, um diese auf seiner Website den Menschen näher zu bringen. 34 der von ihm 40 dokumentierten Erinnerungsstellen sind derzeit auf der Seite zu sehen, darunter auch das Kreuz von Nico in Neuruppin. "Es ist schon ein großer Unterschied, wenn man genauer hinschauen kann, den Namen liest und vielleicht auch, wie alt der- oder diejenige nur geworden sind, als wenn man nur schnell vorbeifährt", sagt er.

Die Kreuze sollen seiner Ansicht nach nicht nur ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung sein, sie sollen auch andere Menschen mahnen, dass das Leben endlich ist und schnell vorbei sein kann. Leider würden die Mahnungen oft übersehen und nicht ernst genommen. Anders denke man darüber nach, wenn man den Kreuzen bewusst etwas näher kommt.

Von Christian Bark

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