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Rheinsberg

Schloss Rheinsberg: Touristenmagnet und Musentempel

Halb Rokoko, halb Romantik: Schloss Rheinsberg, Residenz von Friedrich II. und Kronprinz Heinrich, ist seit eh und je ein Touristenmagnet.

Halb Rokoko, halb Romantik: Schloss Rheinsberg, Residenz von Friedrich II. und Kronprinz Heinrich, ist seit eh und je ein Touristenmagnet.

Rheinsberg, . Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: die Langener Kirche

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Tucholsky hat Rheinsberg mit seiner Novelle ein Denkmal gesetzt. Klar dass seine beiden Protagonisten Wölfchen und Claire auch das legendäre Schloss besichtigt haben – genau wie viele Touristen vor und nach ihrer Zeit. Kein Wunder, das Schloss zählt zu den schönsten in der Mark Brandenburg und kann auf eine lange Historie zurückschauen.

Im Mittelalter stand an der Stelle des Schlosses noch eine Wasserburg – 1464 hatten derer zu Bredow Rheinsberg quasi erheiratet. Nachdem Rheinsberg an die Mark Brandenburg fiel, erfuhr das Wasserschloss, das im 30-Jährigen Krieg stark beschädigt wurde, einen Neuaufbau in Renaissanceform. Später fiel es an Kurfürst Friedrich Wilhelm, der es weiter verschenkte.

Erst 1734 kaufte es der preußische König Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, der es seinem Sohn Friedrich, dem späteren Friedrich dem Großen vermachte. Wie Friedrich dazu kam, darum ranken sich Geschichten, die von den Heimatforschern rege diskutiert werden. Etwa, dass der es dem Vater abschwatzte mit dem Versprechen, im Gegenzug eine vom Vater gewollte Ehe einzugehen.

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In Rheinsberg verbrachte Friedrich II. als Kronprinz seine glücklichsten Jahre

Fakt ist, er bekam die Erlaubnis, in Rheinsberg ein Schloss nach seine Geschmack zu beziehen. Fakt ist auch, dass der Kronprinz alldort die glücklichsten Jahre seines bis dato vom väterlichen Drill geprägten Lebens verbrachte. Friedrich, der Schöngeist, der Philosoph und Flötenspieler, der so gar nichts mit der Disziplin, Enge, Sparsamkeit, Askese und Gefühlskälte seines Vaters anfangen konnte, blühte auf. Und mit ihm das Schloss.

Die Architekten Johann Gottfried Kemmeter und sein Schüler Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff haben das Schloss erweitert, einen zweiten Turm angebaut und eine zweite Etage. Schloss Rheinsberg, mit dem sich Friedrich sein „kleines Sanssouci“ gönnte, hat als Vorlage für das große in Potsdam gedient.

1736 zogen Friedrich II. – der dennoch oft in Neuruppin bei seinem Regiment war – und seine Gemahlin nach Rheinsberg. Friedrich gründete dort eine Freimaurerloge, widmet sich seinen musischen und philosophischen Neigungen. Im Turmkabinett, das auch heute noch zu besichtigen ist, hatte Friedrich eine Privatbibliothek eingerichtet und seinen Schriftwechsel mit dem französischen Philosophen Voltaire begonnen. Er legte in dieser Zeit den Grundstein für Rheinsbergs Ruf als Musentempel.

Sein Bruder Heinrich festigte den Ruf Rheinsbergs als Musentempel

Der wurde ab 1740, als Friedrich den Thron bestieg, von Prinz Heinrich ausgebaut, dem Friedrich das Schloss schenkte. Heinrich ließ das Schloss- und das Heckentheater errichten, baute vieles im Schloss um und schuf sich selbst eine Grabpyramide sowie den Obelisken am anderen Seeufer. 50 Jahre lebte er in Rheinsberg, bevor das Schloss erneut den Besitzer wechselte und zu DDR-Zeiten als Diabetiker-Klinik diente.

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In dieser Zeit ist viel im Schloss verschwunden und verschandelt worden. Restauratoren hatten nach der Wende, als die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg das Areal übernahm, alle Hände voll zu tun, das Schloss wieder zu dem Schmuckstück zu machen, das es heute ist – mit seinem prächtigen Spiegelsaal und dem Deckengemälde von Pesne und dem opulenten Muschelsaal.

Zu DDR-Zeiten war im Schloss eine Diabetiker-Klinik untergebracht

Auch der Park wird gehegt und gepflegt – sollen doch die tausenden Touristen alljährlich auf eine Reise in die Zeit des 18. Jahrhunderts, des friederizianischen Zeitalters eintauchen und einen Eindruck von Wohnkultur und Lebensgefühl der einstigen Besitzer gewinnen dürfen: Originale Raumdekorationen und viele auserlesene Sammlerstücke laden zum Staunen ein.

Auch heute sieht Rheinsberg sich der Musentempel-Tradition der berühmten Hohenzollern verpflichtet: Das im Schloss untergebrachte Tucholsky-Literaturmuseum und die Musikkultur Rheinsberg sorgen für unterschiedlichste Veranstaltungen. Das sommerliche Kammeroper-Festival ist nur eines davon.

Lesen Sie auch unsere anderen Geschichten zu den Adventskalender-Türchen:

1. Dezember: Der Paulinenauer Bahnhof in Neuruppin der die Eisenbahn brachte.

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3. Dezember: Die Geschichte der Siechenhauskapelle in Neuruppin.

4. Dezember: Einst Vorwerk, heute Kulturgutshaus – die Geschichte des Gutshauses in Köpernitz.

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8. Das Herbstsche Haus in Wusterhausen – vom Kaufmannsladen zum Kulturzentrum

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10. Dezember: Neuruppins Pfarrkirche ist Kulturort

11. Dezember: Zisterzienserinnenkloster in Lindow – Altehrwürdige Ruinen am malerischen Wutzsee

12. Dezember: Das Neustädter Landstallmeisterhaus vereint seit über 200 Jahren Architektur, Nutzwert und preußische Geschichte

13. Dezember: Das Schloss in Freyenstein hat eine bewegte Geschichte hinter sich und erstrahlt heute als ein sehenswertes Stück Vergangenheit

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14. Dezember: Die Begegnungsstätte auf dem Perleberger Judenhof soll die Mitwirkung der Juden an der Gründungs- und Stadtgeschichte beleuchten.

15. Dezember: Die Sanierung der mittelalterlichen Neuruppiner Sankt-Georg-Kapelle ist fast abgeschlossen – bis auf die Orgel.

16. Höhen und Tiefen gehören für das heutige "Catharina-Dänicke-Haus" zur Geschichte. Seit mehr als 300 Jahren steht das Fachwerkhaus in Wittstock.

17. Das Renaissanceschloss in Demerthin.

18. Wo die alten Märchen zum Leben erwachen: der Putlitzer Burgturm.

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Von Regine Buddeke

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