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Bad Belzig

Belaid Baylal-Todesopfer rechter Gewalt

Benjamin Stamer vom Verein Belziger Forum erinnert an Belaid Baylal. In der Lübnitzer Straße steht ein Gedenkstein für den marokkanischen Asylbewerber, der an den Spätfolgen rechtsextremer Gewalt verstarb.

Benjamin Stamer vom Verein Belziger Forum erinnert an Belaid Baylal. In der Lübnitzer Straße steht ein Gedenkstein für den marokkanischen Asylbewerber, der an den Spätfolgen rechtsextremer Gewalt verstarb.

Bad Belzig. Der marokkanische Asylbewerber Belaid Baylal wurde als Opfer rechter Gewalt nur 42 Jahre alt. Mitglieder des Vereins Belziger Forum organisierten deshalb die jährliche Gedenkveranstaltung am Mahnmal in der Lübnitzer Straße. 20 Teilnehmer waren dabei, darunter auch Benjamin Stamer.

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Der 28-Jährige betreut im Infocafé „Der Winkel“ die interkulturelle Projektarbeit und betont die Bedeutung der Veranstaltung. „Gerade wenn man sich ansieht, was in anderen Städten wie Dresden, Cottbus und Chemnitz passiert. Da wird einem bewusst, dass eine gewisse Form von Pogromstimmung wieder salonfähig wird. Diese hat letztendlich einem Menschen wie Belaid Baylal, der auf der Suche nach Schutz war, das Leben gekostet. Sowas darf in diesem Land nie wieder passieren“, sagt der gebürtige Görzker weiter.

Von rechten Skinheads verprügelt

Am 8. Mai 1993 wurde der marokkanische Asylbewerber von zwei rechtsextremen Skinheads in einer Belziger Gaststätte beschimpft und verprügelt. Die beiden Täter zogen Baylal zunächst vom Stuhl. Einer der Angreifer hielt ihn fest und schlug zu, während der andere ihm in den Bauch trat. Baylal erlitt schwere innere Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Im März 1994 verurteilte das Amtsgericht Brandenburg/Havel den Haupttäter zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe, sein Mittäter erhielt Arbeitsstunden und eine Geldbuße in Höhe von 300 D-Mark. Belaid Baylal litt nach dem Angriff fortwährend an lebensbedrohlichen Darmverschlüssen.

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Tod durch multiples Organversagen

Die Ärzte attestierten dem Marokkaner bleibende Schäden am Darm infolge der Prügelattacke. Als er am 4. November 2000 wieder einen Darmverschluss erlitt, brach er mit multiplem Organversagen zusammen und ist tot. Die Ärzte bestätigten, dass der Tod des Asylbewerbers eine Spätfolge des rassistischen Angriffs war. Seit dem 4.November 2004 erinnert ein Gedenkstein in Bad Belzig an das Todesopfer rechter Gewalt. Hier hockt Benjamin Stamer, schaut auf den Gedenkstein mit der Aufschrift „Die Toten mahnen immer noch“ und hält einen Moment inne.

„Bestimmte rechte Haltungen werden auch in Bad Belzig nicht mehr als schlimm angesehen und gehören mittlerweile zum normalen Teil des politischen Diskurses, doch für mich nicht“, sagt Stamer weiter. Der gebürtige Görzker ist vom Landkreis Potsdam-Mittelmark als interkultureller Projektsozialarbeiter angestellt. Mit Geflüchteten geht er an Schulen, spricht mit Jugendlichen, versucht Vorurteile abzubauen und will den Erfahrungsaustausch fördern. „Damit rechte Einstellungen nicht mehr salonfähig werden“, kommentiert Stamer weiter.

Von André Großmann

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