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Bad Belzig

Heimatkunde für Zugezogene

Stadtführer Bill Nickl hat den Wahl-Bad Belziger die Sehenswürdigkeiten der historischen Altstadt gezeigt

Stadtführer Bill Nickl hat den Wahl-Bad Belziger die Sehenswürdigkeiten der historischen Altstadt gezeigt

Bad Belzig. Der Pfad am Belziger Bach entlang hat es Elmar Dirk angetan. „Dass man durch die Schlucht des Stadtgrabens bis hinüber zur Burg Eisenhardt kommt, war für mich die Entdeckung des Tages“, sagt der 57-Jährige. Vor 13 Monaten ist er aus Duisburg in die Kur- und Kreisstadt gezogen. „Ich habe auch an den Häusern schon viel mehr Details gesehen als bisher“, sagt er. Auf jeden Fall gehört der Mann aus dem Revier zur Zielgruppe von Bill Nickl.

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Er ist Stadtführer und hatte die Idee zu dem speziellen Angebot für Zugezogene. „Ich habe gemerkt, dass zu unseren Führungen am Sonntag immer Touristen aus mehr oder weniger weiter Entfernung kommen. Aber nie hat sich jemand gemeldet, der neu in Bad Belzig ist und daher wissen will, wo er gelandet ist“, erklärt der 64-Jährige. Aber die Nachfrage ist schon da, wie nun zu spüren war. 16 Teilnehmer haben sich am Sonnabend Vormittag seiner Offerte angeschlossen.

Start am 3-D-Modell

Immerhin gilt es durch mehr als 1000 Jahre Historie zu kommen, die Sehenswürdigkeiten zu zeigen und ein paar Persönlichkeiten zu erklären. Bill Nickl beginnt seinen Vortrag mit der Erstbesiedelung durch die Slawen. „’Bel’ im Ortsnamen steht demnach für eine lichte Stelle, auf der gelebt werden konnte“, weiß der Stadtführer. Direkt am 3-D-Bronze-Modell der historischen Altstadt vor dem Rathaus lässt sich die Entwicklung seit dem Mittelalter nachvollziehen.

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Dann geht es zu Fuß durch die Straßen und Gassen. Am nächsten Stopp macht es sich Christian Glück –vor Jahren aus der Schweiz nach Hagelberg gekommen –auf einer der Sitznischen aus Sandstein bequem. Sie sind typisch. Dort haben die Leute früher Platz genommen, um sich etwas zu erzählen. Da gab es noch kein Fernsehgerät, aber viele Haushalte hatten noch Braurecht. Doch die Zeiten waren nicht wirklich besser, allein wenn Krieg und Krankheiten zur Sprache kommen.

Seit 1991 in Bad Belzig

Bill Nickl hat einiges an Wissen parat. Niemals hat er sich in seiner österreichischen Heimat derart für die lokale Geschichte interessiert. Selbst in Bad Belzig, wo er immerhin schon seit 1991 als einer der Ur-Bewohner des Zentrums für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) lebt und dort den Tagungsbetrieb aufbaute, musste die Leidenschaft dafür erst geweckt werden. Im Vorfeld des Deutschen Wandertages 2012 im Fläming war der Ausdauerläufer aber zu einer Natur- und Landschaftsführer-Qualifizierung animiert worden.

„Seither habe ich viel Literatur gelesen, viele Karteikarten beschreiben“, berichtet der gebürtige Bischofshofener von seinem Wissen. Nur einen Bruchteil kann er zum Besten geben. „Die Art des Auftritts muss man bei Kollegen abgucken und einen eigenen Stil finden“, lautet seine Erfahrung. Besonders herausgefordert fühlt er sich, wenn Einheimische ihn buchen und individuelle Erinnerungen vorweisen können.

Ein Besucher aus Kalifornien

Diesmal immerhin gibt es internationales Publikum. Kieran Turan stammt aus San Francisco und begleitet hier Marlies Stegmann, die seit Oktober für das Coconat-Team auf dem Gutshof Klein Glien tätig ist. „Uns ist die Führung empfohlen worden, um die Stadt noch ein bisschen besser kennen zu lernen“, sagen sie. Auch Lennart Schulz berichtet, dass er noch immer Neues entdeckt, obwohl er schon vor drei Jahren von Esslingen ins Zegg gezogen ist. „Die erklärenden Stelen auf der Straße der Einheit wurden erst neulich konkret mit Besuch von außerhalb in Augenschein genommen“, so der Wahl-Bad Belziger.

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Von der Marienkirche geht es zur Burg Eisenhardt hinauf. Der Hohe Fläming macht sich nach reichlich zwei Stunden bei manchem auch schon im Oberschenkel bemerkbar. Derweil berichtet Bill Nickl, dass der Landstrich mangels Wasser immer dünn besiedelt war. Wenn es aber richtig regnet, wird selbst das Rummel genannte Trockental zum gefährlichen Wassergraben. Um die Brautrummel oder andere schöne Landschaften zu erkunden, müsste sein Konzept als Rad- oder Wandertour erweitert werden. Das kann sich der Stadtfüher allemal für die Zukunft gut vorstellen.

Von René Gaffron

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