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Bad Belzig

MAZ-Sterntaler: Collin (8) aus Bad Belzig lebt seit seinem Knochenkrebs ohne Hüfte

Ein fröhlicher und aufgeweckter Junge: Collin Decker.

Ein fröhlicher und aufgeweckter Junge: Collin Decker.

Bad Belzig. Die Schmerzen im Oberschenkel von Collin Decker kamen und gingen immer wieder. Eine Muskelzerrung war die erste Diagnose, berichtet Gina Decker, die Mutter des achtjährigen Jungen. „Zu den Schmerzen kam dann Fieber dazu. Ich habe ihn mit einer Schmerzsalbe eingecremt und nach ein paar Tagen war wieder alles weg“, sagt die Bad Belzigerin, doch drei Wochen später sollten die Schmerzen wiederkommen und stärker sein als zuvor.

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Beim nächsten Arztbesuch wurde eine Entzündung des Hüpfgelenkes festgestellt, mit Verdacht auf Rheuma, erinnert sich Decker, die gebürtig aus Brandenburg an der Havel stammt. „Das war schon ein Schock. Ich dachte, dass das in dem jungen Alter unüblich ist und habe mir gedacht, wie wir damit umgehen und welche Tabletten er einnehmen muss.“

Die Schmerzen kehrten zurück, waren so unerträglich, dass Collin nicht mehr laufen konnte, berichtet seine Mutter. „Aber nach zwei Wochen wendete sich das Blatt und alles war wieder in Ordnung. Die Schmerzen waren weg und er konnte wieder normal laufen.“ Doch es blieb nicht dabei. Die Schmerzen wurden wieder schlimmer und Gina Decker fuhr mit ihrem Sohn zur Blutabnahme und für eine MRT-Untersuchung ins Brandenburger Krankenhaus.

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Ein großer dunkler Schatten über der Familie in Bad Belzig

Am nächsten Tag kam der Befund, es war der 26. September letztes Jahr. Die Ärztin wollte mit mir unter vier Augen sprechen. Sie zeigte mir die MRT-Bilder. Ich als Laie konnte darauf erkennen, dass dort etwas war, was nicht hingehört. Ein großer dunkler Schatten“, erklärt die 31-Jährige.

Keine Zeit durfte nach dieser Schockdiagnose verloren gehen. Gina Decker fuhr noch am gleichen Tag mit ihrem Sohn zur onkologischen Station in Berlin-Buch.

So kommt Ihre Sterntaler-Spende an

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Spenden für die MAZ-Sterntaler können Sie auf das Konto des DRK-Kreisverbandes Brandenburg überweisen. Es hat die IBAN DE 77 1606 2073 0100 0707 00.

Bitte geben sie als Spendenzweck „MAZ-Sterntaler“ an und nennen Sie Namen und Adresse, sodass das DRK Ihnen eine Spendenquittung ausstellen kann.

Bis zu einem Betrag von 300 Euro benötigen Sie keine Spendenquittung. Dem Finanzamt reicht dafür in der Steuererklärung Ihr entsprechender Kontoauszug.

„Es ging dann ganz schnell, weil der Tumor so groß war, dass er bereits auf die Blase und den Darm drückte“, berichtet die Mutter weiter, die die Ankunft in der Berliner Klinik als unwirklich beschreibt. „Alles lief wie in einem Film ab, man wollte das nicht so richtig glauben und die Hoffnung blieb, dass der Tumor gutartig ist“, so Decker. Doch eine Biopsie zerschmetterte die Hoffnung. Der faustgroße Krebstumor war bösartig.

Fehlende Kontakte und Isolation

Nachdem in einer Operation dem Jungen ein Hickman-Katheter gesetzt wurde, startete zwei Tage später bereits der erste von insgesamt sechs Chemoblöcken. Die Nebenwirkungen auf die Therapie waren sehr stark, berichtet Gina Decker.

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Neben Erbrechen, Durchfall und Schwindel konnte Collin kaum essen, weil seine Schleimhäute im Mund so angegriffen waren. „Als Mama kann man nichts tun, außer die Brechtüte zu halten, ihn zu waschen oder mit Essen und Trinken zu unterstützen. Man kann quasi nur zusehen, wie die ganze Chemo durch den Körper läuft“, berichtet die Bad Belzigerin ihre Ohnmacht in dieser Zeit.

Nach den sechs Chemoblöcken folgten sechs weitere Wochen Bestrahlung. Dafür fuhr die Mutter mit Collin jeden Tag nach Berlin und wieder zurück nach Hause. „Das haben wir beide so entschieden. Nach der Bestrahlung konnten wir es uns abends, so gut es ging, gemütlich machen, und in unseren eigenen Betten schlafen“, erklärt die Mutter den Entschluss.

Im Anschluss folgten acht weitere Chemoblöcke. „Schwierig war für ihn in den letzten Monaten der fehlende Kontakt zu seinen Freuden und die Isolation. Die einzigen Kontakte, die er hatte, waren zu seiner Oma und seinem Onkel.“

Collin aus Bad Belzig hatte starke Schmerzen nach der Operation

Am ersten Juli dieses Jahres wurde der Tumor samt dem linken Hüftgelenk entfernt. Eine Entscheidung, gegen die sich die Mutter lange gesträubt hat. „Für mich war klar, wenn das Hüftgelenk entfernt wird, dann ist die Kindheit von Collin vorbei, weil er sich nicht mehr bewegen kann“, berichtet Gina Decker über ihre Bedenken.

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Für Mama Gina Decker ist ihr Sohn der ganze Stolz: Collin zockt nicht nur gerne, sondern ist auch ein großer Star-Wars-Fan.

Für Mama Gina Decker ist ihr Sohn der ganze Stolz: Collin zockt nicht nur gerne, sondern ist auch ein großer Star-Wars-Fan.

Doch ein Gespräch mit einem 17-jährigen Patienten, dem ebenfalls die Hüfte entfernt wurde, brachte die Kehrtwende. „Er läuft so, als ob nie was gewesen wäre. Man braucht aber viel Physiotherapie, um die Muskeln aufzubauen.“

Drei Mal täglich bekam Collin starke Schmerzmittel

Da der Oberschenkel nach der Operation im Narbengewebe liegt, wo woher das Hüftgelenk war, hatte Collin nach dem Eingriff sehr starke Schmerzen. „Er hat drei Mal täglich Schmerzmittel bekommen und hätte lieber noch mehr genommen.“

Mittlerweile kann er sich mit seinen Gehhilfen wieder normal bewegen und spielt auf dem Spielplatz, berichtet seine Mutter. „Manchmal frage ich mich, wie ich die letzten 14 Monate geschafft habe. Ich bin alleinerziehend“, sagt Gina Decker, die sich darauf freut, bald wieder ins normale Leben zurückzukehren.

Die Altenpflegehelferin arbeitet im Seniorenwohnpark Klingengrund in Bad Belzig und startet Ende Januar wieder in ihrem Beruf. Collin Decker gilt als genesen, hat aber alle zwei Monate weiterhin Untersuchungen, die von der Sorge begleitet werden, dass der Krebs zurückkehren kann, gibt Gina Decker zu.

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Nach der schwierigen und kräftezehrenden Zeit freut sich Collin, der wie die meisten Jungen in seinem Alter gerne zockt, auf Weihnachten, verrät seine Mutter. Seinen größten Wunsch zu Weihnachten kann die alleinerziehende Mutter, die in den letzten Monaten von Krankengeld gelebt hat, ihm nicht erfüllen. „Er wünscht sich eine Playstation 4. Darüber würde er sich sehr sehr freuen.“

Von Johanna Uminski

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