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Bad Belzig

Mittelmarks Piraten wollen Cannabis-Legalisierung

Chantal Richter, Kenneth Lütticke und Mathias Täge rauchen symbolisch einen Joint und befürworten einen Modellversuch zur Legalisierung von Cannabis.

Chantal Richter, Kenneth Lütticke und Mathias Täge rauchen symbolisch einen Joint und befürworten einen Modellversuch zur Legalisierung von Cannabis.

Bad Belzig.Nichts weniger als die Legalisierung von Cannabis fordert Mathias Täge. Der 38-Jährige ist Mitglied der Piratenpartei in Potsdam-Mittelmark und hofft auf einen Modellversuch zur Freigabe des Rauschmittels. Täge raucht selbst, in seinem Büro wird auf einem Plakat der Slogan „Gebt das Hanf frei“ formuliert. „Dass die Verbotspolitik in Deutschland nicht dazu geführt hat, dass weniger Cannabis konsumiert wird, ist mittlerweile auch in der Politik angekommen. Konsumenten werden lediglich in den Schwarzmarkt gedrängt“, sagt der Kommunalpolitiker.

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Lob für Legalisierung in Kanada

Für ihn ist es an der Zeit, eine Änderung des Zustandes herbeizuführen. Auch deshalb soll spätestens nach der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ein Antrag zum Start des Modellversuchs in den Kreistag eingebracht werden. Der Wiesenburger Täge sieht Kanada als positives Beispiel. Hier wurde vor einer Woche die Freigabe der Pflanze für Erwachsene ab 19 Jahren beschlossen.

Eine Menge von bis zu 30 Gramm ist dort für den Eigenkonsum legal. Der Bad Belziger Kenneth Lütticke will sich gegen Stigmatisierungen durch ein weiteres Cannabis-Verbot hierzulande wehren. Er sagt: „Mir geht es darum, die Wahl zu haben. Wenn ich mal einen Joint zum Abschalten rauche, ist das ungefährlicher als mich besinnungslos zu besaufen wie viele andere.“

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Verbote werden kritisiert

Zehn bis 15 Euro kostet nach Schätzung des Physikstudenten gegenwärtig ein Gramm Cannabis, egal ob in Bad Belzig oder Berlin. „Das Verbot hat nicht dazu geführt, dass wir nicht an die Pflanze kommen“, sagt die 30-Jährige Chantal Richter. Sie argumentiert: „Alles, was hilft, sollte erlaubt sein – solange man niemand anderen damit verletzt. Ich finde es sehr schade, wenn Menschen an Panikattacken und psychischen Problemen leiden und ihnen aus medizinischer Sicht Hilfe verwehrt wird.“

Cannabis-Einsatz in der Schmerztherapie

Marita Stuhlmann verwehrt Bad Belziger Patienten keine Unterstützung. Die Allgemeinmedizinerin mit Spezialisierung auf Palliativmedizin und Schmerztherapie verwendet zur Behandlung der Patienten auch Cannabis. So sind ihre Erfahrungen mit der Verwendung von Cannabinoiden bei Patienten mit Tumorschmerzen positiv.

„Hier verbesserte sich die Lebensqualität der Patienten, die Appetitlosigkeit und Übelkeit wurde gemindert, die Patienten ertrugen die Belastung einer Chemotherapie besser“, sagt Stuhlmann. Auch Patienten mit Muskelspannungen und mit Erkrankungen wie multipler Sklerose konnten profitieren.

Medizinerin gegen generelle Freigabe

Dennoch würde Stuhlmann eine generelle Legalisierung der Pflanze ablehnen. „Dabei denke ich eher an die Abhängigkeit der Patienten, die dadurch entstehen könnte“, sagt die Medizinerin.

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Steffen Weidner vom Info-Café „Der Winkel“ warnt auch vor Wechselwirkungen, die durch eine Kombination von Alkohol und Cannabis begünstigt werden könnten. Der 52-Jährige ist für eine legale Cannabis-Freigabe, allerdings erst ab einem Alter von 21 Jahren. Er schätzt die Risiken, Nebenwirkungen und Langzeitfolgen, die durch einen beständigen Konsum der Pflanze entstehen könnten geringer ein, als beim Alkoholmissbrauch.

Den medizinischen Nutzen erkennt er an, so hätten Medikamente auf Cannabisbasis bereits einem Freund mit Schmerzen wegen Bandscheibenproblemen geholfen. Weidner ist es aber auch wichtig, dass schnellstmöglich Grenzwerte für die erlaubte THC-Konzentration im Straßenverkehr überprüft werden, um Rechtssicherheit zu schaffen.

Bundestagsabgeordnete gegen Modellversuch

Auch die Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann (CDU) äußerte sich auf MAZ-Nachfrage zur Sache. Sie argumentiert, dass Cannabis nachweislich die Konzentration beeinträchtige und die Gefahr, psychische Krankheiten wie Schizophrenie und Depressionen zu entwickeln, steigere. Weiter sagt sie: „Cannabis wird aus gutem Grund als Droge eingestuft.“

Mit Experimenten einer straffreien Abgabe würde die Verharmlosung von Cannabis gefördert und zahlreiche Gesundheitsrisiken ausgeblendet. Darüber hinaus dürften Apotheken nicht zum Umschlagsort für Drogen gemacht werden.

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Deshalb lehnt die 63-Jährige jeglichen Modellversuch zur legalisierten Abgabe strikt ab, akzeptiert aber Regelungen zur Verwendung bei der ärztlich verschriebenen Schmerzbehandlung.

Von André Großmann

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