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Bad Belzig

So pilgert Dirk Friedrich von Bad Belzig durch das Land

Auf Pilgerreise in Brandenburg: Dirk Friedrich aus Bad Belzig möchte die Brandenburger und sich selbst auf die Probe stellen.

Auf Pilgerreise in Brandenburg: Dirk Friedrich aus Bad Belzig möchte die Brandenburger und sich selbst auf die Probe stellen.

Bad Belzig. Ich packe meine Tasche und nehme mit: eine Wasserflasche, einen Schlafsack, einen Löffel, eine Tasse, einen Camping-Ofen, Streichhölzer, einen kleinen Topf, zwei Paar Socken, zwei Paar Unterhosen, zwei T-Shirts, ein Stück Seife, eine Zahnbürste und Zahnpasta.

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Ausgerüstet nur mit dem Nötigsten hat sich Dirk Friedrich jetzt zu Fuß auf den Weg Richtung Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin) und anschließend weiter nach Bad Wilsnack gemacht. Erfahrungen mit Pilgerreisen hat der Bad Belziger bereits. Vor eineinhalb Jahren reiste er mit seiner Freundin samt Trecker und Anhänger nach Lourdes in Frankreich. Nun packte ihn wieder die Reiselust, dieses Mal ist er aber alleine unterwegs.

„Ich hatte das Bedürfnis, diesen Weg alleine zu gehen“, sagt Dirk Friedrich, der seine Freundin Bettina Gebert zu Hause zurück lässt. Die Idee zu dieser Pilgerreise ist simpel. „Ich stand auf der Waage und stellte fest, dass ich so schwer noch nie war“, erzählt er. Für den Bad Belziger steht die Gewichtszunahme mit der Idee eng verbunden, wieder etwas zu ändern.

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Hoffnung auf Wohlwollen der Menschen

„Ich habe in dem Moment festgestellt, dass ich nicht nur alt, sondern auch fett werde“, erklärt der 51-Jährige seine nicht ganz ernst zu nehmende Motivation mit einem Schmunzeln. Er fühle sich schon von Gott berührt diese Pilgerreise zu unternehmen, sagt er. „Aber das Pilgern hat eine nette Randerscheinung und ich hoffe, dass ich dadurch wieder abnehme.“

In seiner schwarzen Umhängetasche befinden sich nur wenige Habseligkeiten und brauchbare Gegenstände, sodass Dirk Friedrich auf die Hilfe und das Wohlwollen der Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet, angewiesen sein wird. „Ich möchte herausfinden, inwieweit unsere Gesellschaft christliche Nächstenliebe und gastfreundschaftliche Werte tatsächlich lebt“, sagte er vor dem Start.

Muschel als Wahrzeichen

Die Jakobsmuschel galt als Erkennungszeichen der Jakobspilger nach Santiago de Compostela (Spanien).

Dort befand sich seit dem späten 9. Jahrhundert die Grabstätte des Heiligen Jacobus, die bedeutendster Wallfahrtsort des Mittelalters war.

Ursprünglich galt die Muschel auch als Nachweis der Pilgerschaft. Meist wird die Muschel am Hut oder sichtbar am Rucksack befestigt.

Auch als Kennzeichnung der Jakobswege dient die Muschel und findet sich oft auf Straßenschildern, Randsteinen und Wegekreuzen.

In Frankreich und Deutschland wird die Muschel zunehmend zum Wahrzeichen des Pilgerweges auf verzweigten Zuwegen.

Optisch möchte er dem Bild eines Pilgers so nah wie möglich kommen und so ein Zeichen setzen. „Ich habe keine Hightech-Klamotten und Ausrüstungen, die mir den Weg so leicht wie möglich machen.“ Neben seiner schwarzen Umhängetasche und seinem großen Wanderstock aus Eiche ist vor allem sein Regenmantel, wie ihn oft australische Reiter tragen, auffällig.

„Der ist vor allem wasserdicht“, erklärt der gelernte Tischler. Einen kleinen Luxus gönnt er sich dennoch: Kaffee. „Tee trinke ich nur, wenn ich krank bin.“ Für Dirk Friedrich geht es nicht darum, die Strecke schnellstmöglich zu absolvieren. Der Weg soll das Ziel sein. „Ich setze mir einen groben Plan und schaue, wohin es mich trägt.“

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Geheimtipp in der Jackentasche

Er hoffe auf viel Kontakt zu Menschen, tolle und interessante Gespräche und Begegnungen. „Ich hoffe, dass ich willkommen geheißen und nicht verjagt werde, wenn ich mit meiner Montur vor einem stehe.“

Und falls es doch Kontaktschwierigkeiten geben sollte, hat er einen Geheimtipp in seiner Jackentasche. „Den Flachmann habe ich seit meiner Erfahrung auf Montage bei mir – er hilft, das Eis zu brechen.“

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Mit seinem Pilgerausweis, der mit seinem Personalausweis gekoppelt ist, kann er sich als Pilger ausweisen. Angst alleine zu reisen, habe er nicht. „Ich orientiere mich schon an den größeren Städten, wähle aber nicht die ausgetretenen Pfade und hoffe, dass aus den Gesprächen mit den Menschen sich neue Wege ergeben.“

In einer kleinen Tasche, die unter seinem Mantel, auf der die Pilgermuschel angebracht ist, versteckt ist, hat er noch wichtige Utensilien dabei: Schmerztabletten, Trockenessen, Räucherstäbchen und Rescue-Tropfen. Wenn doch alle Stricke reißen sollten, dann würde er auch für eine Übernachtung bezahlen. „Wenn ich bei strömendem Regen nichts finde, dann bin ich nicht sklavisch.“

Von Johanna Uminski

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