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Beelitz/MAZ-Weihnachtsaktion Sterntaler

MAZ-Sterntaler: Die kurdische Familie Cetin hat große Sehnsucht nach dem kleinen Glück

Die kurdische Familie Cetin lebte in der Türkei und hat in Beelitz ein neues Zuhause gefunden. Im Bild: Die einjährige Tochter Helbest, ihre Mutter Berivan, der fünfjährige Sohn Berxwedan und Vater Fevzi Cetin (v. l.).

Die kurdische Familie Cetin lebte in der Türkei und hat in Beelitz ein neues Zuhause gefunden. Im Bild: Die einjährige Tochter Helbest, ihre Mutter Berivan, der fünfjährige Sohn Berxwedan und Vater Fevzi Cetin (v. l.).

Beelitz.Fevzi Cetin hat eine wahre Odyssee hinter sich: Der Kurde lebte mit seiner Familie in der Türkei und machte sich dann auf den Weg nach Deutschland. Er floh zu Fuß über den Landweg aus der Türkei nach Griechenland, fuhr versteckt in einem Lastwagen weiter nach Italien und stieg in einen Zug ein, der nach Deutschland rollte, um dort Asyl zu beantragen. Danach, so der Plan, wollte er seine Familie nachholen und schaffte das auch. Wer ihn nach den Gründen für seine Flucht fragt, bekommt eine einfache Antwort: „Wir wollen als Familie ein Leben ohne Angst führen.“

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Er arbeitete für die kurdische Partei HDP

Er hat nach eigenen Angaben für die kurdische Partei HDP gearbeitet. Mitglieder dieser Oppositionspartei im türkischen Parlament sind zunehmend massiven Repressionen und seit Jahren einer systematischen politischen Verfolgung ausgesetzt, nicht wenige sitzen in Gefängnissen. Er habe selbst sechs Jahre im Gefängnis verbracht, sagt Fevzi Cetin. „Ich habe politische Bücher und Romane über die Lage der Kurden in der Türkei geschrieben“, erzählt er. „Bücher, die verboten wurden.“

„Wir Kurden sind heimatlos“

Seine Worte sagt er auf kurdisch, Shayar Omar übersetzt sie für das Gespräch mit der MAZ. Omar ist selbst Kurde, hat in Syrien gelebt und floh vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. „Wir Kurden sind heimatlos – überall. Wir sind 50 Millionen Menschen ohne Heimat“, sagt Shayar Omar und fügt zum Verständnis noch hinzu: „Sie müssen sich das so vorstellen: Wenn Fevzi Cetin in der Türkei aus dem Haus ging, wusste er nicht: Komme ich zurück nach Hause oder verhaftet mich die Polizei.“

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18 Monate in der Flüchtlingsunterkunft

Berivan Cetin, seine Frau, wünscht sich denn auch in der neuen Heimat, ein ganz normales Leben führen zu können. Mit Sohn Berxwedan (5) und der einjährigen Tochter Helbest hat die Familie in Beelitz inzwischen ein Zuhause gefunden. Vorher waren sie zwei Monate in der zentralen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt, danach lebten sie 18 Monate in der Flüchtlingsunterkunft in Michendorf, bevor sie in Beelitz vor etwa zehn Monaten eine eigene Wohnung bekamen.

Ein Name für Zuhause, einer für Behörden

Die kleine Tochter ist schon in Deutschland zur Welt gekommen und hat nur einen Namen – ihren kurdischen. Fevzi Cetin, der Vater, erklärt, warum das für die Familie etwas Besonderes ist: „Wenn ein kurdisches Kind in der Türkei geboren wird, bekommt es zwei Namen: einen kurdischen für Zuhause und einen türkischen für die Behörden.“

Muttersprache ist verboten

Die Verleugnung der eigenen Herkunft gehe auch in der Schule weiter. „Dort wird türkisch gesprochen, unsere Muttersprache ist verboten.“ Das führe dazu, „dass Kurden kurdisch reden können, aber 99 Prozent von ihnen können nicht kurdisch lesen und schreiben“, sagt Shayar Omar, der auch in Beelitz ein neues Zuhause fand.

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Wunsch: „Mehr Kontakte, um deutsch zu lernen“

Und welche Hoffnungen verbindet Familie Cetin mit dem Leben in Deutschland und was wünscht sie sich zu Weihnachten? Als erste Antwort wird sie wieder deutlich – die große Sehnsucht nach dem kleinen Glück, ein normales Leben ohne Furcht zu führen, in dem die Eltern eine Arbeit und alle zusammen eine Wohnung haben. „Ich würde auch gern mehr Kontakte zu Deutschen haben, um die deutsche Sprache zu lernen“, wie Omar die Worte von Berivan Cetin (32) übersetzt. Und irgendwie sehnen sie sich alle zusammen danach, „zu spüren, dass wir hier willkommen sind“.

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Familienvater Fevzi Cetin würde gern in der neuen Heimat wieder Bücher schreiben „und Menschen kennenlernen, die in Deutschland damit Erfahrung haben und mir dabei helfen können“. Ihn würde es außerdem freuen, bei regelmäßigen Treffen etwa von Autoren mit dabei sein zu können.

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Schaffen wir die 20.000 Euro?

Mit der „Sterntaler“-Weihnachtsaktion sammelt die MAZ in diesem Jahr Spenden für Familien und Alleinerziehende, für ältere und kranke Menschen, für Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind – kurzum für Menschen aus Potsdam und aus dem Umland, die es schwer haben und denen wir eine Freude zu Weihnachten machen wollen.

Das Spendenkonto wird von der Hoffbauer-Stiftung treuhänderisch verwaltet, eine Spendenbescheinigung wird ab 300 Euro ausgestellt. Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: MAZ-Sterntaler-Aktion.

Die Bankverbindung: Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank IBAN: DE53 3506 0190 1567 6140 14 BIC: GENODED1DKD

Die Spendernamen werden veröffentlicht. Wer dies nicht möchte, weist bitte im Verwendungszweck darauf hin.

19293 Euro sind inzwischen auf unserem Konto eingegangen. Heute bedanken wir uns herzlich bei: Kurt Hauff 100 Euro, Ines und Matthias Gerlach 130 Euro, Ursula Müller 10 Euro, Peter & Christel Mücke 100 Euro, Andrea & Jörg Weise 50 Euro, Dorothea Till 1.000 Euro, Michael Sommer 500 Euro, Evamarie Konig 200 Euro, Heike Kühn 200 Euro, Eveline & Detlef Hoffmann 100 Euro, Anja Buhtz 100 Euro, Michael & Silvia Friedrich 100 Euro, Manfred & Petra Lack 100 Euro, Iris & Matthias Raith 100 Euro, Renate Schönefeld 100 Euro, Verena Schmies 80 Euro, Verena Stephan-Haserick 80 Euro, Kerstin & Heiko Recht 70 Euro, Britta Linke 50 Euro, Steffi Schröder 50 Euro, Margit & Eduard Hannemann 50 Euro, Bernhard Hergt 50 Euro, Herbert & Gabriela Ramm 40 Euro, Katja Wolf 40 Euro, Sven Scharschmidt 5 Euro, Henry Lohmar 200 Euro, Antje & Thomas Kalliske 150 Euro, Uwe & Ines Fischer 100 Euro, Beate Braun 50 Euro, Silvia Wilksch 50 Euro, Heidrun Räke 50 Euro, Regina Philipp 50 Euro, Petra Timm 50 Euro, Max & Tom Kalliske 40 Euro, Ronny & Madlen Giese 30 Euro, Immobilien Vermittlungs GmbH Philipp Krentz 1.000 Euro, Claudia Krause 300 Euro, Ute & Manfred Eisenreich 200 Euro, Lothar Bohm 100 Euro, Maria Bujny 100 Euro, Uwe-Knutz & Jutta Enge 100 Euro, Andreas & Antje Hofmann 100 Euro, Ralf & Monika Pohl 100 Euro, Birgit Horn 100 Euro, Dirk & Iris Huthmann 100 Euro, Gerhard & Regina Kessner 100 Euro, Matthias Grahl 50 Euro, Klaus & Gisela Schmidt 50 Euro, Oliver Wollmann 50 Euro, Sabine Linde 50 Euro, Annerose Bannasch 50 Euro, Christina Hrdina 50 Euro, Michael & Kirsten Gladisch 35 Euro, Kerstin Varga-Wieczorek 30 Euro, Sabine Wunderlich 25 Euro.

Liebe Leserinnen und Leser, das war der Wahnsinn! Was meinen Sie, schaffen wir die 20.000 Euro? Bitte helfen Sie uns bei einer unvergesslichen Bescherung. Bitte spenden Sie!

Weihnachtswünsche, die man über die Sterntaler-Aktion erfüllen kann, nennt die Familie erst nach mehrmaligem Nachfragen. Der Vater könnte einen Laptop oder einen Computer gut gebrauchen, um Bücher zu schreiben. Sie habe in der Flüchtlingsunterkunft in Michendorf das Nähen gelernt und auch als Schneiderin gearbeitet, sagt Berivan Cetin und fügt hinzu: „Eine Nähmaschine – das wäre etwas.“

Der kleine Sohn träumt von einem Auto

Der fünfjährige Berxwedan träumt von einem Spielzeugauto, in das er sich hineinsetzen kann, um loszufahren – so wie die Erwachsenen in den großen Autos da draußen auf der Straße. Und wie kann man der kleinen Tochter eine Freude bereiten? „Nein, das wird zu viel“, sagen Mutter und Vater, die sich für ihre Familie eigentlich nur ein ganz normales Leben ohne Angst wünschen.

Von Jens Steglich

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