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Jagd

Kleinmachnow: Wilderer schießt hochträchtige Bache mit Pfeil an

In Kleinmachnow wurde ein Wildschwein mit einem Pfeil verletzt.

In Kleinmachnow wurde ein Wildschwein mit einem Pfeil verletzt.

Kleinmachnow. Jagdpächter Peter Hemmerden ist stinksauer: „Das ist eine Riesensauerei“, ärgert er sich. Mit einem Pfeil wurde eine hochträchtige Bache in Kleinmachnow angeschossen (die PNN berichtete zuerst). Blutend sei sie Sonntagmorgen zunächst am Gehweg in der Märkischen Heide gelegen und habe dann Schutz im Wald gesucht. Anwohner hatten die Polizei benachrichtigt, der Jäger und zwei seiner Kollegen fanden das verletzte Tier und eine weitere trächtige Bache, die daneben stand, in einer Hecke.

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„Das Schwein war schwer verletzt“, sagt Hemmerden. „Es wäre aber wahrscheinlich nicht verendet, sondern die Wunde hätte sich entzündet und die Bache hätte über Wochen oder Monate qualvoll gelitten. So traurig ich war, so erleichtert war ich auch, dass wir sie gefunden haben.“ Er musste das Wildschwein mit einem Schuss aus seiner Jagdwaffe töten. Das zweite Tier sei nicht weit weggelaufen und immer wieder zurückgekommen, schildert er weiter. „Das ist ein Hinweis, dass die Wildschweine immer wieder gezielt gefüttert und so zahm gemacht wurden. Das gefällt nun einmal nicht jedem“, gibt er eine Idee für ein mögliches Motiv.

Kleinmachnower Wilderer hat mit Armbrust auf Wildschein geschossen

Im Beisein der Polizei wurden das Tier und der Pfeil genauer untersucht, außerdem gab es Anzeigen wegen Wilderei und gegen das Tierschutzgesetz – beides Straftatbestände, nicht Ordnungswidrigkeiten, betont Hemmerden. Die Anzeigen werden von der Polizei bestätigt, die Kriminalpolizei ermittelt. Der Jäger ist sich sicher, dass der Pfeil mit einer Armbrust abgeschossen wurde. „Bogenpfeile sind deutlich länger“, sagt er. Das hat Auswirkungen, da ein Bogen seinem Pfeil eine deutliche höhere Energie mitgibt. Hier habe sie überhaupt nicht ausgereicht, um weit genug durchzugehen und tödlich zu sein, so der Jagdpächter.

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Der Pfeil ist im Schulterbereich in einem Knochen steckengeblieben.

Der Pfeil ist im Schulterbereich in einem Knochen steckengeblieben.

Dennoch habe es sich auf keinen Fall um einen „Lausbubenstreich“ gehandelt, betont Hemmerden. Auch wenn er mit einer „Spielzeugarmbrust“ abgefeuert worden sein dürfte, so trug der Pfeil doch eine Jagdspitze. „Das deutet darauf hin, dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, ein Wildschwein zu erlegen – nicht nur zu pieksen.“ Auch habe der Schütze offensichtlich vorgehabt, ins „Leben“ oder „Blatt“ zu zielen, also in den Bereich von Herz und Lunge, doch der Schuss ging zu hoch und blieb im Schulterbereich in einem Knochen stecken, nachdem er eine Muskelverletzung verursacht hatte. „Er wusste also, wohin, er hat aber nicht sauber getroffen“, ist Hemmerden überzeugt.

Der Pfeil hatte eine Jagdspitze.

Der Pfeil hatte eine Jagdspitze.

„Das ist in dieser Gegend schon der dritte Fall“, sagt Hemmerden, der sonst im Revier Kleinmachnow-Stahnsdorf nicht mit Wilderei konfrontiert wird, soweit er weiß. Der erste konkrete Hinweis sei vor eineinhalb Jahren gewesen. Damals sei der Täter sogar von einer Kamera erfasst worden, doch wer es war, konnte nicht ermittelt worden. Etwas später wurde eine Blutspur auf einem Gehweg entdeckt, doch mehr wurde nicht gefunden. „Wir gehen also davon aus, dass dort gewildert wird und dass das, was wir wissen, nur die Spitze des Eisberges ist“, so der Jäger.

Mögliches Motiv des Wilderers: Selbstjustiz

Er sieht zwei realistische Motive: Entweder jemand versuche, lautlos zu jagen, um sich illegal das Wildbret, also das Fleisch, anzueignen. Oder – und das sei nicht so abwegig – jemand übe Selbstjustiz. „Um sich von der Wildschweinplage zu befreien“, und auch, um es der Jägerschaft zu zeigen. „Das Resultat ist jedenfalls eine Vollkatastrophe“, sagt Hemmerden.

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Und auch mit ihm selbst machen solche Ereignisse etwas, gerade vor dem Hintergrund, dass erst Ende Januar ein Polizist und seine Kollegin mutmaßlich von einem Wilderer erschossen wurden. „Das gibt einem als Pächter auch kein gutes Gefühl, wenn man weiß, man hat so einen gestörten Menschen im Revier, von dem man nicht weiß, wie weit er gehen würde, wenn man ihm begegnet.“ Nun hofft er, dass aus der Bevölkerung Hinweise zum Schützen kommen – oder dass sich der Betreffende bei der Polizei selbst stellt und damit wenigstens noch einen Rest Anstand zeigt.

Von Konstanze Kobel-Höller

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