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Kloster Lehnin

Wie das Wasser auf den Rietzer Berg kommt

Wasser als belebendes Element: Im Landschaftsgarten Rietzer Berg speist ein künstlicher Bachlauf den Pool der Unendlichkeit. Unendlich groß ist auch das in den letzten Jahren geschaffene Naturparadies.

Wasser als belebendes Element: Im Landschaftsgarten Rietzer Berg speist ein künstlicher Bachlauf den Pool der Unendlichkeit. Unendlich groß ist auch das in den letzten Jahren geschaffene Naturparadies.

Rietz. Durstige Kiefern, verbranntes Gras, goldgelbes Getreide. Auf dem Rietzer Berg hat die Juni-Sonne ihre Spuren hinterlassen. Auf staubigen Wegen erreichen Besucher eine grüne Oase, wo das Wasser munter aus der Erde sprudelt. Es ist ein künstlicher Bachlauf, der durch den Waldhang mäandert wie ein renaturierter Fließ im Hohen Fläming.

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Hitze und Trockenheit gehen an dem mehrere Hektar großen Landschaftsgarten Rietzer Berg nicht spurlos vorüber. Doch ein tiefer Brunnen im märkischen Sand und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem sorgen dafür, dass zumindest die Zier- und Nutzpflanzen den Menschen erfreuen wie ein Palmenhain in der Wüste. Jüngstes Beispiel ist ein Bambusgarten, dessen junge Pflanzen automatisch jede Nacht beregnet werden.

Irgendwo läuft immer ein Sprenger.

Irgendwo läuft immer ein Sprenger.

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Niemand weiß wohl besser, dass Wasser Leben bedeutet, wie Jens Bödeker. Er verhilft normalerweise königlichen Auftraggebern in Saudi-Arabien zu blühenden Landschaften und fruchtbaren Plantagen. Auf dem Rietzer Berg ist alles eine Nummer kleiner. Dafür um so einmaliger, wie der Landschaftsarchitekt immer wieder schwärmt. Mit seiner Ehefrau Alexandra hat sich Bödeker auf dem ehemaligen und abgelegenen Mühlengrundstück ein Paradies geschaffen, wie man es sonst in der märkischen Streusandbüchse nicht erwartet.

Standort einer Mühle

Der rund 3,6 Hektar große Landschaftsgarten auf dem Rietzer Berg kann nach Voranmeldung besichtigt werden. Weitere Öffnungstage sind der 10. und 11. August zum Tag des offenen Gartens Berlin Brandenburg.

Das Wohngebäude auf dem Gelände stammt aus dem Jahr 2002 und befand sich beim Kauf durch Jens Bödeker in einem ruinösen Zustand. Behutsam haben die Eigentümer das Haus und einen ehemaligen Stall saniert.

Von 1858 ist der Standort einer Getreidemühle auf dem Rietzer Berg dokumentiert. Der Keller der Mühle ist noch vorhanden. Der als Blaue Band bezeichnete Wasserlauf entstand aus der Idee, Wasser auf den Rietzer See zu bringen.

Der schleichenden Klimaerwärmung hält Bödeker ein kilometerlanges Netz von Schläuchen und unterirdischen Leitungen entgegen, das sich von der Einfahrt auf der Bergkuppe bis zum Ringbeet mit seinen Kartoffeln und Kürbissen unterhalb des Nordhanges erstreckt. Eine Computersteuerung sorgt dafür, dass bei Trockenheit zu jeder Zeit irgendwo ein Sprenger in Bewegung ist. Natürlich wäre das Bewässern von Kiefern sinnlos. Doch müssen Gäste in der Nähe von Rosen, Hortensien, aber auch Kräutern, Rhabarber, Bohnen und Salat mit einer unerwarteten Dusche rechnen. Wenn es bei 35 Grad im Schatten Wassertropfen regnet, meint man in den Tropen zu sein.

Wasser bringt frisches Grün unter Kiefern.

Wasser bringt frisches Grün unter Kiefern.

Gerade sind Thomas Neumann und Sebastian Hohnstein damit beschäftigt einen zweiten künstlichen Wasserlauf zu modellieren, der sich wie sein Vorgänger an Kiefern vorbeischlängelt, um schließlich einen noch geplanten Teich mit Nachschub zu versorgen. Die beiden Handwerker sind beim Landschafts- und Kunstverein Rietzer Berg angestellt, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Waldgarten mit Kunst und Aktionen zu beleben.

Wasser für den Pool

Wasser ist dabei ein wichtiges Element. Es ist nicht nur wichtig für eine nachhaltige stabile Pflanzengesellschaft. Ohne die Idee, Wasser auf den Rietzer Berg zu bringen, wäre der Waldgarten eben kein Garten mit Minze, Moorbeetpflanzen, Stauden, Gemüse und einer Freiluftdusche. Der erste angelegte Wasserlauf ergießt sich vom Berg kommend über den Innenhof eines vor einhundert Jahren gebauten Hauses in den Pool der Unendlichkeit. So hat Bödeker das beheizbare Wasserbecken unter einer alten Kastanie getauft, das Sehnsucht auf Urlaub im Regenwald macht.

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Das 1920 errichtete Wohnhaus wurde ab 2002 vor dem Verfall gerettet und behutsam saniert.

Das 1920 errichtete Wohnhaus wurde ab 2002 vor dem Verfall gerettet und behutsam saniert.

Wer sich noch über die Wasserwelt auf dem Rietzer Berg freut, sind die Laufenten aus eigener Zucht. Nach einer Schneckenmahlzeit gönnen sie sich eine Abkühlung im Pool mit dem weiten Blick auf die Landschaft. Kamerunschafe, mehrere Esel und die hauseigenen Katzen gehören zur Familie, die Gäste stets willkommen heißt. Jedes Jahr ist der Landschafts- und Kulturverein beim Tag der offenen Gärten Berlin Brandenburg dabei. Am 10 . und 11. August kann sich wieder jeder selbst davon überzeugen, dass auf dem Rietzer Berg kein Geschöpf verdursten muss.

Von Frank Bürstenbinder

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