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Sterntaler-Aktion

Allein Schokolade kaufen? Ein Traum, der für Ritaj mit Elektro-Rollstuhl wahr werden kann

Ritaj Abscharar und ihre Mutter Kameelah Shoulaq leben im Flüchtlingsheim Michendorf.

Ritaj Abscharar und ihre Mutter Kameelah Shoulaq leben im Flüchtlingsheim Michendorf.

Michendorf. Ritaj ist ein hellwaches Mädchen aus Libyen, aber sehr schüchtern. Das ist aber nicht das größte Problem der gehörlosen 18-Jährigen, die seit 2020 mit ihrer Mutter in der Michendorfer Flüchtlingsunterkunft lebt – Ritaj ist seit ihrer Geburt schwer behindert und wartet auf eine besonders komplizierte Operation, die nur in Deutschland in der Charité ermöglicht werden könnte. Tatsächlich hängt ihr Überleben von dem Eingriff ab. Der allergrößte Wunsch der tapferen jungen Frau: Während der Wartezeit auf die OP würde sie gern mit einem elektrischen Rollstuhl ein wenig Selbstständigkeit erlangen.

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Als sie davon erfuhr, dass sie mit Unterstützung der Sterntaler-Aktion der MAZ vielleicht bald einen elektrischen Rollstuhl bekommt, freute sie sich so sehr, dass sie für die Unterkunftsleiterin Manja Thieme Schokolade kaufen wollte. Das erzählt ihre Mutter, Kameelah Shoulaq – die ganze Familie verständigt sich mit der Tochter und Schwester in einer eigenen Zeichensprache.

MAZ-Aktion „Sterntaler“: So können Sie helfen

Mit der „Sterntaler“-Weihnachtsaktionsammelt die MAZ in diesem Jahr Spenden für Familien und Alleinerziehende, für ältere und kranke Menschen, für Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind – kurzum für Menschen aus Potsdam und Umland, die es schwer haben und denen wir eine Freude zu Weihnachten machen wollen.

Das Spendenkonto wird von der Hoffbauer-Stiftung treuhänderisch verwaltet, eine Spendenbescheinigung wird ausgestellt (mehr als 300 Euro). Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: MAZ-Sterntaler-Aktion.

Die Bankverbindung:

Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank

IBAN: DE53 3506 0190 1567 6140 14

BIC: GENODED1DKD

Die Spendernamen werden veröffentlicht. Wer dies nicht möchte, weist bitte im Verwendungszweck darauf hin.

Ritaj hört nicht und spricht nicht, wegen einer Skoliose ist sie unterhalb des Bauchnabels gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Die Wirbelsäule ist aber nicht nur krumm, sie tut auch weh. In Tripolis entfernte man bereits Verwachsungen am Kopf und Zysten an der Wirbelsäule, mehr könne man in Libyen aber nicht für ihre Tochter tun, erzählt die Mutter Kameelah. Ärzte erklärten ihr, es könnten nur noch Knowhow und Technik in Deutschland helfen. Mit einem Visum sind Mutter und Tochter voller Hoffnung auf ein medizinisches Wunder nach Berlin gekommen. Ihr Aufenthaltsstatus ist befristet. Seit zwei Jahren warten sie nun auf den erlösenden Anruf aus der Charité, der ihnen einen Termin für die schwierige und sehr riskante Operation mitteilt.

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Die Familie ist zurückgeblieben

Ritajs Vater und die 14- und 20-jährigen Brüder sind in der Nähe von Tripolis geblieben. Die Lage am Mittelmeer ist sowieso schon besorgniserregend, aber Ritajs Vater erlitt zudem einen Herzinfarkt und später einen Schlaganfall. Täglich kommuniziert die Familie zwischen den beiden Hauptstadtregionen mittels Whatsapp. Am Handy kennt sich das kluge Mädchen besser aus als seine Mutter, weiß auch ihre Übersetzerin Rojin Marrey aus Syrien zu berichten. „Das ist ihr Tor zur Welt, denn eine Schule hat Ritaj noch nie besucht“, sagt sie.

Ritaj möchte lernen

Dabei wäre Ritaj dankbar, etwas lernen zu dürfen und in Potsdam eine Schule für behinderte Menschen besuchen zu können. Ihre Tochter wünsche sich auch deswegen so sehr einen elektrischen Rollstuhl, übersetzt Rojin aus dem Arabischen, weil sie als 18-Jährige gerne unabhängiger werden möchte. Bisher weigere sie sich, andere als ihre eigene Mutter an sich heranzulassen. „Das ist ein sehr schwieriger Fall – ein unglaublicher Leidensweg, der mich bis in meinen Schlaf verfolgt“, sagt Rojin Marrey, die für den Landkreis unter anderem fürs Jobcenter beschäftigt ist.

Ehrenamtlich hat sich die junge Syrerin um den Fall der schwer kranken Ritaj gekümmert, weil die Mutter ganz alleine dastand und dringend Hilfe beim Besuch der Fachärzte brauchte. Noch in diesem Monat verlässt die Übersetzerin Potsdam-Mittelmark. Erfolgreich hat sie bereits für die Familie die Türen zur Charité geöffnet. Monatelang suchten Mutter, Tochter und Übersetzerin in Kinderarzt- und urologischen Praxen nach einer Lösung, bis sie in der Charité schließlich erfuhren, dass ein Neuro-Urologe mit orthopädischen Fachkenntnissen operieren müsste. Und man versprach ihnen einen Anruf wegen eines OP-Termins.

Nieren nicht voll funktionsfähig

Das ist aber nun schon lange her und Ritajs Gesundheitszustand wird nicht besser. So sind ihre Nieren in Folge von Wachstums-Fehlbildungen nicht voll funktionsfähig. Seit einem Monat muss sie deswegen einen Dauerkatheder tragen, der monatlich im Krankenhaus gewechselt werden muss. Von morgens 9 Uhr bis abends 22 Uhr waren sie in der Notaufnahme des Ernst-von-Bergmann-Klinikums in Potsdam, erzählt die über die Maßen hilfsbereite Übersetzerin, damit die akute Nierenentzündung behandelt wird.

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Bei der Operation in der Charité, ist sich Mutter Kameelah sicher, geht es um Leben und Tod ihrer Tochter. Trotzdem will sie die riskante Behandlung. Ihre Tochter träumt davon, mit einem elektrischen Rollstuhl viele Ausflüge machen und ihre Familie wiedersehen zu können. Zum Anfang wäre es aber schon toll, einmal alleine einkaufen zu gehen und den benachbarten Supermarkt zu besuchen. Hier kennt sie sich gut aus und möchte Schokolade und Chips für sich selber kaufen. Rechnen und mit Zahlen umgehen – im Alltag lernen – das wäre für Ritaj schon ein riesiger Schritt raus aus den langweiligen und immer gleichen vier Wänden ihres Zimmers in der Michendorfer Flüchtlingsunterkunft.

Von Gesine Michalsky

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