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Treuenbrietzen

Millionenschwindel mit gefälschten Viagra-Pillen

Andreas T. (50) am Dienstag im Landgericht Potsdam. Er hat Beihilfe zum Potenzmittelbetrug geleistet.

Andreas T. (50) am Dienstag im Landgericht Potsdam. Er hat Beihilfe zum Potenzmittelbetrug geleistet.

Treuenbrietzen. Der große Potenzmittelprozess von Treuenbrietzen ist auch ein halbes Jahr nach dem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Potsdam noch nicht ganz abgeschlossen. Zwei der drei zu Haftstrafen verurteilten Arzneimittelbetrüger haben an einem Punkt erfolgreich Revision eingelegt beim Bundesgerichtshof.

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Andreas T. (50) ist gelernter Bäcker, aktuell leitet er eine Werbeagentur und eine Nachtbar. Zwischen 2008 und 2011 stellte er sich in die Dienste einer Bande, die mit dem illegalen Verkauf von gefälschten Potenzpillen und teils gefährlichen Schlankheitstabletten Millionen verdient hat. Die Gruppe hatte ihren Sitz in Treuenbrietzen, dort waren die Ermittler den Machenschaften auf die Spur gekommen.

Mit neun Monaten auf Bewährung kommt Andreas T. glimpflich davon, im Gegensatz zu dem zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilten Georg W. (50) gilt er nicht als Bandenmitglied, sondern nur als Helfer.

Der Staat fordert zudem von Georg W. 500.000 Euro, die er aus den kriminellen Geschäften eingenommen hat, von Andreas T. 30.000 Euro. Im letztgenannten Fall hat die 3. Strafkammer den Betrag aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes auf knapp 20.000 Euro reduziert. Denn Andreas T. hatte seine illegalen Provisionen immerhin versteuert.

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Der Schuldspruch gegen beide Männer, der nach 38 Prozesstagen ergangen war, hat gleichwohl Bestand. Beide waren in unterschiedlicher Intensität beteiligt an einem überaus erfolgreichen, aber rechtswidrigen Geschäftsmodell.

Unter Internet-Firmenbezeichnungen wie Männerapotheke und Pillendienst haben die Bandenmitglieder von Treuenbrietzen, Potsdam und Tschechien aus von Treuenbrietzen, Potsdam und Tschechien aus Hunderttausende Kunden im In- und Ausland mit Viagra, Cialis und Levitra versorgt, also Potenzmitteln.

80 Euro für vier Tabletten

285.000 der knapp 450.000 Bestellungen führten zu tatsächlichen Verkäufen.

70 bis 80 Euro hat die Bande für vier angebliche Viagra- oder andere Potenzpillen verlangt und bekommen.

700 sogenannte Webmaster haben dem „Pillendienst“ in Spitzenzeiten die Kunden über Internetkanäle besorgt.

25 bis 40 Prozent des Umsatzes, so hoch war die Provision.

Das Problem dabei: Es handelte sich nicht um die marken- und patentgeschützten Originalpräparate, sondern um Fälschungen oder Nachahmerprodukte mit wohlklingenden Namen wie „Weekend Prince, „Power Man Viga“ und „Super Lover“, die in Deutschland nicht zugelassen waren.

Die rezeptpflichtigen Tabletten wurden aus Indien und China bezogen. Sie enthielten zwar die einschlägigen Wirkstoffe, jedoch nicht in der korrekten Dosierung und Zusammensetzung. Die Verkäufer sind auch weder Ärzte noch Apotheker. Mit den Jahren hat die Pillendienst-Bande den Verkauf immer professioneller organisiert – vom international funktionierenden Zahlungs- und Abrechnungssystem über die Lagerhaltung und die Vertriebsstrukturen bis zu den Werbestrategien im Internet.

Der Pillendienst weitete sein Programm aus, verkaufte unwirksame Potenzpillen für Frauen, so verbotene und sogar lebensgefährliche Schlankheitsmittel aus Fernost mit Namen wie „LIDA dai dai hua“ und „Perfect Slim“ sowie angeblich potenzsteigernde Kaugummi und brustvergrößernde Cremes für Frauen. In zweieinhalb Jahren bearbeitete der illegale Pillendienst fast 450.000 Bestellungen und erzielte einen Umsatz von 21,3 Millionen Euro, davon 17,5 Millionen Euro in Deutschland. Der große Schwindel flog auf, weil ein Zeuge die Polizei schon 2008 darauf aufmerksam machte, dass über die Internetseite „www.männerapotheke.de“ rezeptpflichtige Potenzmittel frei verkauft würden.

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Die Spur führte zu dem ebenfalls verurteilten Peter L. nach Treuenbrietzen, der das computergestützte Rechnungssystem betrieben hat.

Nicht bekannt ist, wie es den fast 300.000 Kunden ergangen ist, die die Präparate gekauft und vermutlich auch eingenommen haben.

Von Jürgen Lauterbach

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