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Borkwalde

Nagelneue Häuser sollten abgerissen werden

Der Wald soll Wald bleiben – jedenfalls bis er ordnungsgemäß umgewidmet worden ist. Egal ob Kiefernkultur oder Mischwald.

Der Wald soll Wald bleiben – jedenfalls bis er ordnungsgemäß umgewidmet worden ist. Egal ob Kiefernkultur oder Mischwald.

Borkwalde. Der Landesbetrieb Forst versteht keinen Spaß, wenn es um den Erhalt von Wald geht. Eigenheimbauer aus Borkwalde ärgern sich indes mächtig über das bürokratische Handeln und den formalen Umgangston der Forstbehörden. Einige Betroffene beschwerten sich beim Petitionsausschuss des Landtages.

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So wurden Carola Eckert und Enrico Greiner per Brief aufgefordert zur „Wiederherstellung des ordnungsgemäßen Waldzustandes durch Entfernen der nicht zum Wald gehörenden Gegenstände und Materialien, insbesondere des Wohnhauses aus dem Wald“. Übersetzt aus dem Amtsdeutsch: Das nagelneue Wohnhaus soll abgerissen werden. Ansonsten drohten bis zu 100.000 Euro Strafe. Das junge Paar fiel aus allen Wolken. Als der Brief im Oktober 2016 eintraf, waren sie mitten im Bau.

Enrico Greiner und seine Frau waren sich keiner Schuld bewusst. Sie hatten einen Bauantrag gestellt und eine Genehmigung erhalten. Das Grundstück befindet sich im Bebauungsplan-Gebiet, ist eindeutig als Bauland ausgewiesen und liegt mitten in der Holzhaussiedlung Borkwaldes am Selma-Lagerlöf-Ring. Auf dieses Ensemble im skandinavischen Stil ist die Waldgemeinde besonders stolz. Das neue Blockbohlenhaus passt sich der umgebenden Architektur an.

Dem Brief des Försters lagen Fotos von Anfang März 2016 bei. Darin ist die Fällung des Grüns dokumentiert, bei dem es sich mehr um Schösslinge als Bäume handelte. „Falls das falsch war, hätte man doch gleich intervenieren können, nicht erst sieben Monate später“, staunt Carola Eckert. Die junge Frau erwartet ein Kind und soll sich nicht aufregen. Das Vorgehen der Behörde provoziert genau das Gegenteil.

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In Bolkwalde ärgern sich die Grundbesitzer Angelika Holz sowie Enrico Greiner und Carola Eckert (vlnr) über formales Handeln der Forstbehörden

In Bolkwalde ärgern sich die Grundbesitzer Angelika Holz sowie Enrico Greiner und Carola Eckert (v.l.n.r.) über formales Handeln der Forstbehörden.

„Wenn ich sehe, was in unserem wirklichen Wald an Bäumen abgeholzt werden soll für Windräder, verstehe ist die Art und Weise erst recht nicht“, sagt die Bauherrin. Sie glaubte, dass die Vorbesitzer des Grundstücks, die Prozenta GmbH und Investor Christian Szerwinski, die Waldumwandlung für das von ihnen vermarktete Wohngebiet schon vor Jahrzehnten vollzogen hätten.

Eckert und Greiner wandten sich an den Revierförster, fragten beim Amt Brück nach. Überall habe man versichert, dass das amtliche Schreiben in Ordnung sei. Also riefen die beiden den Petitionsausschuss des Landtages an. Und stellten fest, dass sie mit dem Problem nicht allein sind. Nachbarn kämpfen ebenfalls damit. Angelika Holz wohnt seit 13 Jahren in Borkwalde. Vor einigen Jahren kaufte sie ein Nachbargrundstück, um ein Gartenhaus zu errichten. Sie zäunte ihr Areal ein und baute das Häuschen, ebenfalls mit Baugenehmigung.

Als dem Revierförster das Tun von Carola Eckert und Enrico Greiner auffiel, wurde er wohl auch auf das Projekt von Angelika Holz aufmerksam. „Zur Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung sowie zur Beseitigung des rechtswidrigen Zustandes“, soll sie nun unter Androhung von Zwangsgeld einen Antrag auf Nutzungsänderung für das Waldstück stellen. „Dabei war das Areal eine Wüste und ich habe noch selbst Kiefern und Birken gepflanzt. Der Zaun steht schon seit 2007“, sagt die Dame verwundert. Sie rief ebenfalls den Petitionsausschuss an. Die Bearbeitungsgebühr von knapp 300 Euro habe sie aber „vorsichtshalber schon entrichtet“.

Dabei würde ein Antrag wohl das Problem lösen. „Es wird festgestellt, dass es der Unteren Forstbehörde ausschließlich um die formelle Heilung des noch immer bestehenden rechtswidrigen Zustandes geht, indem ein von den Betroffenen zu beantragender Rechtsakt die Waldeigenschaft beendet“, teilt Jens-Uwe Schade, Sprecher des Brandenburgischen Umweltministeriums, etwas umständlich auf Anfrage der MAZ mit. Kurz gesagt: Wer die Waldumwandlung beantragt, erhält die Genehmigung. Es soll wohl lediglich der Bürokratie Genüge getan werden. Dass es so einfach geht, hätten sie erst aus Schades Stellungnahme erfahren, versichern die Betroffenen.

Angelika Holz muss dies noch erledigen. Eckert und Greiner sind inzwischen aus dem Rennen. Auf überraschenden Weise habe sich der Umwandlungsantrag in einer Behördenakte wiedergefunden, den Vorbesitzer Prozenta GmbH bereits gestellt hatte.

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Überdies räumt Schade ein: Die Androhung einer Geldbuße in Höhe von 100.000 Euro und den Abriss des Hauses habe die Forstbehörde nie ernsthaft gewollt. „Das Verwaltungshandeln der Unteren Forstbehörde wird nach erneuter Inaugenscheinnahme der Verfahrensakte zwar als formal rechtmäßig, jedoch in Teilen als unangemessen bewertet.“ Ob mit diesem Eingeständnis auch eine Entschuldigung an die Betroffenen einhergehen wird? Das fragen sich diese nun.

Enrico Greiner kritisiert den Umgang der Behörde und des Revierförsters mit den Bürgern. „Mich stört die Art und Weise, wie man an uns herangeht. Eine persönliche Aussprache wäre wesentlich zielführender“, sagt der junge Bauherr, zumal er ja den Revierförster angesprochen habe. Sein Haus bewohnt er nun seit Februar. Jetzt kann das Paar aufatmen.

Gewiss bald auch Angelika Holz – wenn es denn stimmt, dass es wirklich nur um einen kleinen, einfachen Verwaltungsakt geht.

Von Andreas Koska

MAZ