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Niemegk

Apotheke geschlossen: Landeskammer lehnt Rezeptsammelstelle dennoch ab

Die Robert-Koch-Apotheke in Niemegk ist seit Frühjahr 2019 geschlossen. Einen Nachfolger hat Inhaberin Astrid Bergler nicht finden können.

Die Robert-Koch-Apotheke in Niemegk ist seit Frühjahr 2019 geschlossen. Einen Nachfolger hat Inhaberin Astrid Bergler nicht finden können.

Niemegk.Wie die Einwohner Niemegks und aus den umliegenden Dörfern künftig mit Medikamenten versorgt werden können, bleibt ungewiss. Ein Nachfolger für die Robert-Koch-Apotheke konnte trotz langer und intensiver Suche nicht gefunden werden. Und die Idee, in der Stadt zumindest eine Rezeptsammelstelle einzurichten, hat die Landesapothekerkammer abgelehnt.

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„Man kann von den Patienten nicht erwarten, dass sie nach Stunden beim Arzt mit dem Bus noch nach Bad Belzig oder Treuenbrietzen in die Apotheke fahren müssen – wo sie vielleicht wieder weggeschickt werden, weil das Medikament nicht vorrätig ist“, sagt Amtsdirektor Thomas Hemmerling. „Dann treten sie den Heimweg an und müssen womöglich noch lange auf einen Anschluss warten. Das kann man niemandem zumuten.“

Antrag für Rezeptsammelstelle abgelehnt

Niemegks Bürgermeister Hans-Joachim Linthe und Thomas Hemmerling setzen sich seit langem dafür ein, dass eine Lösung für das Apotheken-Problem gefunden wird. Unterstützung hatte ihnen schon frühzeitig Antje Aepler zugesichert, Apothekerin in Straach (Sachsen-Anhalt).

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Sie wollte eine Rezeptsammelstelle in Niemegk einrichten und so mittels eines Boten aus ihrem Haus die Patienten versorgen. Einen entsprechenden Antrag, den Antje Aepler bereits Anfang April nach Potsdam geschickt hat – hat die Landesapothekerkammer aber abgelehnt.

Briefkasten für Rezepte

Bei einer Rezeptsammelstelle handelt es sich schlicht um einen Briefkasten. Im Niemegker Fall wäre ein solcher Kasten zum Beispiel nahe des Rathauses installiert worden.

Die Patienten können ihre Rezepte und Wünsche dann dort einwerfen – der Kasten würde täglich geleert und die Medikamente dann per Bote aus der Straacher Apotheke zu den Patienten nach Hause gebracht werden.

Dabei hatte Thomas Hemmerling zuvor extra noch um wohlwollende Prüfung gebeten und in einem Schreiben, das der MAZ vorliegt, die Situation vor Ort geschildert. „Viele Patienten, gerade ältere Menschen, haben wegen der schlechten Bus-Anbindung einen mitunter anstrengenden Anfahrtsweg aus ihrem Dorf nach Niemegk zu bewerkstelligen, um überhaupt einen Arzt aufsuchen zu können“, heißt es darin.

„Ohne eine örtliche Apotheke oder Rezeptsammelstelle müssten die Menschen noch bis zu drei weitere Stunden durch den halben Landkreis reisen.“ Der Arztbesuch mit anschließender Besorgung notwendiger Medikamente könne so schnell zu einer Tagesreise werden.

Apothekerin Astrid Bergler konnte keinen Nachfolger für ihre Apotheke in Niemegk finden.

Apothekerin Astrid Bergler konnte keinen Nachfolger für ihre Apotheke in Niemegk finden.

Das sieht man in Potsdam ganz anders. Wie aus dem Ablehnungsbescheid hervorgeht, sei Niemegk eben noch nicht abgelegen genug – zumindest nach Paragraf 24 der Apothekenbetriebsordnung. Denn von Montag bis Freitag kann mindestens einmal täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb einer Stunde – einfache Wegstrecke – eine Apotheke erreicht werden.

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Oder, wie es die Kammer schreibt: „Da eine mehrfach bestehende tägliche Busverbindung zwischen Niemegk und Bad Belzig sowie zwischen Niemegk und Treuenbrietzen die Beschaffung von Arzneimitteln in einer zumutbaren Zeit ermöglicht, mangelt es an der Genehmigungsvoraussetzung.“

Echtes Problem für Landbevölkerung

In Niemegk stößt diese Aussage auf Unverständnis. Und auch Antje Aepler hat gegen die Ablehnung bereits Widerspruch eingelegt. „Ich kenne die Apotheke und die ehemalige Inhaberin Astrid Bergler schon länger – und als ich gehört habe, dass die Apotheke schließen muss, habe ich überlegt, wie man helfen kann“, sagt Aepler, die ihre Apotheke seit 1990 betreibt.

„Das ist ein echtes Problem für die Landbevölkerung. Ich habe selbst seit vielen Jahren eine Rezeptsammelstelle in Cobbelsdorf, einem unserer Nachbarorte – und die Menschen dort wissen das sehr zu schätzen“, erzählt die Apothekerin weiter. Gerade ältere Patienten würden ihre Medikamente eben nicht im Internet bestellen. „Den Menschen wird so auch ein Stück Selbstständigkeit genommen.“

Gesprächstermin ab 5. August in Aussicht

Aktuell sei sie mit den Ärzten in Niemegk so verblieben, dass bei einem Notfall auch direkt jemand aus Straach komme und ein Medikament bringe. „Kein Patient soll unversorgt bleiben“, sagt Antje Aepler.

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Das Brandenburgische Gesundheitsministerium hat auf Nachfrage bestätigt, dass der Niemegker Fall bekannt ist. Auch sei ein Gesprächstermin ab 5. August in Aussicht gestellt worden, wie Sprecherin Gerlinde Krahnert mitteilt. „Die Rechtsaufsichtsbehörde hat zwischenzeitlich die Landesapothekerkammer um Stellungnahme gebeten – erst nach deren Eingang und rechtlicher Prüfung kann ein Gespräch stattfinden“, sagt Krahnert.

Von Josephine Mühln

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