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Reetzerhütten (Potsdam-Mittelmark)

Straßenausbau bedroht Familienunternehmen

Anett Blasche kämpft um die weitere Existenz ihres Geschäfts.

Anett Blasche kämpft um die weitere Existenz ihres Geschäfts.

Reetzerhütten.„Der Valentinstag sorgt bei uns nicht für ein Umsatzplus. Er ist nicht mehr als ein besserer Tag“, sagt Anett Blasche, die Inhaberin des Gartenbaubetriebes Köhler in Wiesenburgs Gemeindeteil Reetzerhütten. Der Frauentag im März und der Muttertag im Mai sorgen da erfahrungsgemäß für mehr Kundschaft im Geschäft.

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Doch seit Mitte April vergangenen Jahres ist alles anders. Ein Teil der Stammkundschaft bleibt seit Beginn des Ausbaus der B 246 innerhalb der Ortslage Reetz aus. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine Bundesstraße unter Vollsperrung ausgebaut wird“, bemerkt die 54-Jährige. Ihre Umsatzeinbußen, die aufgrund der Nichterreichbarkeit des Geschäfts und infolge großräumiger Umfahrungen bereits aufgelaufen sind, beziffert sie auf mehr als 30 Prozent. Insbesondere bleibt die Kundschaft aus, die bisher von Sachsen-Anhaltinischer Seite das traditionsreiche Geschäft angesteuert hat. Zwei Mitarbeiter musste Anett Blasche in dieser Folge bereits entlassen.

Mit Gemüse und Erdbeeren angefangen

Der Gartenbaubetrieb wurde im Jahre 1945 von Herta und Fritz Köhler gegründet. In nachfolgender Generation übernahm 1960 Helmut Köhler die Gärtnerei.

Gemüse- und Erdbeeranbau waren anfangs das Hauptgeschäftsfeld, später kamen Blumen dazu.

Seit 2002 steht Anett Blasche an der Spitze des Unternehmens.

„Dabei begann das Problem schon viel früher“, so Blasche weiter. Vor dem Ausbau der Ortsdurchfahrt Reetz war die Gärtnerei in Reetzerhütten von Bad Belzig aus vorübergehend nicht erreichbar. Damals bremste der Straßenausbau der B 246 zwischen Klein Glien und Wiesenburg die Kunden aus der entgegengesetzten Richtung aus.

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„Kaum war diese Baustelle aufgehoben, ging es von der anderen Seite los“, klagt die Geschäftsfrau. Obgleich im Sommer 2018 die Sanierung der Ortsdurchfahrt Reetz beendet sein soll, sieht sie sich schon jetzt den nächsten Herausforderungen ausgesetzt. Der Ausbau der Bundesstraße von Reetz nach Wiesenburg und die Sanierung der Ortslage Reetzerhütten werfen ihre Schatten voraus. „Ich hoffe, dass wir erreichbar bleiben und jeweils frühzeitig informiert werden“, so die Unternehmerin.

Ware landet auf dem Kompost

Da sie nicht nur Blumen verkauft, sondern auch produziert, ist die Situation besonders schwierig. Frühjahrspflanzen müssen jeweils im Herbst des Jahres zuvor bestellt werden. Mit Blick auf die im Herbst 2017 getätigte Bestellung bemerkt sie: „Es war ein Blindflug.“ Das damit einhergehende betriebswirtschaftliche Risiko musste sie bereits im vergangenen Sommer bitter erfahren, als nicht verkaufte Ware ein jähes Ende auf dem Kompost finden musste.

Für kleine Lichtblicke sorgen derzeit die Stammkunden, die dem Geschäft dennoch die Treue halten. Aktuell geht es ruhig in der Gärtnerei zu. Die Gewächshäuser liegen noch in der Winterruhe. Bis auf eines. Dort sind unter anderem Iresinen aus dem Wiesenburger Schlosspark einquartiert.

Ab Ende Februar Jungpflanzen ziehen

Aus den Mutterpflanzen wird Anett Blasche ab Ende Februar Jungpflanzen ziehen. Dazu kommen zum Beispiel Eisbegonien. „Pflanzen für den Schlosspark zu vermehren ist immer wieder eine schöne Sache. Aber dieser Auftrag könnte in schwierigen Zeiten wie jetzt nicht das Unternehmen retten“, bemerkt Blasche.

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Mit Beginn des Frühjahrs hofft sie auf die Treue der Kundschaft, die sich gewohnheitsmäßig mit Pflanzen für Garten und Balkon im Geschäft eindeckt. Mit Blick auf die im Bestellbuch bereits notierten Vormerkungen sagt sie: „2018 könnte ein gutes Hochzeitsjahr werden.“ Auch der Wiesenburger Blumenmarkt ist darin bereits als fester Termin notiert. Er ist ein zusätzlicher Verkaufstag, der erfahrungsgemäß gut angenommen wird. Bis dahin wird Anett Blasche, die das Familienunternehmen in dritter Generation führt, auch die blumigen Stars des nächsten Sommers aufgepäppelt haben.

Von Christiane Sommer

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