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Teltow-Seehof

Ausbaupläne für Forschungsinstitut bedrohen Wald in Teltow

Auf dem Gelände mit der Ruine eines Heizhauses sollen Bäume für Neubauten fallen.

Auf dem Gelände mit der Ruine eines Heizhauses sollen Bäume für Neubauten fallen.

Teltow. Die Sorge um den Wald treibt eine Teltower Bürgerinitiative um. Speziell geht es ihr um eine Fläche am Institut für Biomaterialforschung in Seehof. Das soll ausgebaut werden. Doch für die Pläne des zum Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) gehörende Instituts müsste die 1,4 Hektar großen Fläche zwischen Kantstraße, Schillerstraße und Hauffstraße gerodet werden. Dagegen hat die Bürgerinitiative „Wald in Teltow“ 349 Unterschriften gesammelt und Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) übergeben.

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Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD).

Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD).

Auch die Grünen sind inzwischen auf das Thema aufgesprungen und fordern einen Schutz des Waldes. Doch HGZ-Sprecher Torsten Fischer sagte der MAZ, derzeit bestünden „keine konkreten Bauplanungen zu dem Gelände“.

Das Institut hatte im Januar 2015 für das Flurstück einen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans und Änderung des Flächennutzungsplans gestellt. In der Begründung hieß es: „Mit der Realisierung der Erweiterung sollen am Standort Teltow-Seehof Flächen für die potenzielle Erweiterung der Infrastruktur am Forschungscampus Teltow zur Verfügung gestellt werden, sodass die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandorts erhalten bleibt.“

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Teltows Stadtverordnete gaben 2015 grünes Licht für Planungen

Die Stadtverordnetenversammlung gab der entsprechenden Beschlussvorlage im März 2015 grünes Licht. Innerhalb der sogenannten frühzeitigen Beteiligung konnten die Anwohner sich zu den Planungsvorhaben äußern. Viele haben die Möglichkeit genutzt und zum Abschluss der Frist Anfang dieses Monats schriftliche Stellungnahmen abgegeben. In einem einstündigen Gespräch mit Bürgermeister Schmidt habe dieser das Engagement der Bürger begrüßt und versichert, die Stellungnahmen würden im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden, sagte das Teltower Grünen-Vorstandsmitglied Carsten Pröhl.

Aktuatoren: Formgedächtnis-Polymere, die hin- und herschalten – daran wird in dem Teltower Institut geforscht.

Aktuatoren: Formgedächtnis-Polymere, die hin- und herschalten – daran wird in dem Teltower Institut geforscht.

Das Flurstück befindet sich eingezäunt in einem Straßengeviert, flankiert von Einfamilienhäusern und dem Institutsgelände. Es ist dicht bewachsen, überwiegend mit Ahornbäumen. Schilder weisen es als Eigentum des Landes Brandenburg aus. Das Betreten ist verboten. Grund sind die Gefahren, die von einer Heizwerk-Ruine samt hohem Schornstein ausgehen.

Die Bürgerinitiative stemmt sich unter anderem wegen der Vögel gegen die Bebauung. Das Areal sei Lebensraum von acht Arten. Als ein weiterer Grund wird angeführt, dass Teltow bereits eine der waldärmsten Städte Brandenburgs sei: In der Gemarkung betrage der Waldanteil nur 2,7 Prozent. Als erster Punkt wird aber genannt, die Erweiterung des Instituts füge sich nicht in das ortstypische Wohnumfeld ein.

Hintergrund zum Institut für Biomaterialforschung

Im Mittelpunkt der Forschung am Institut für Biomaterialforschung stehen multifunktionale, polymerbasierte Biomaterialien für Anwendungen in der Regenerativen Medizin.

Die Entwicklung regenerativer Therapien zielt auf kurative Behandlungsmöglichkeiten ab, bei denen gestörte Funktionen durch körpereigene Selbstheilungs- und Reparaturprozesse oder durch biologischen Ersatz wiederhergestellt werden.

Das Teltower Institut gehört zum Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG), einer gemeinnützigen Forschungseinrichtung in der Rechtsform einer GmbH.

Der HZG-Hauptsitz befindet sich in Geesthacht (Schleswig-Holstein). Dort, in Teltow sowie in den Außenstellen Hamburg und München sind 950 Beschäftigte aus 50 Nationen tätig.

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Das HZG hatte sich in seinem Antrag vom Januar 2015 frühzeitig um Baurecht gekümmert – unabhängig davon, ob tatsächlich gebaut wird. Falls das der Fall sein wird, würden sich die Gebäude an die Bauart und die Ausmaße der vorhandenen Gebäude anpassen, erklärte Pressesprecher Fischer.

Denkbar wäre eine Bebauung mit fünf Gebäuden mit maximal drei Stockwerken. Das ergäbe dann eine Höhe von etwa 14 Metern. Fischer betonte, im HZG werde größter Wert auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit gelegt. „Selbstverständlich würde das Helmholtz-Zentrum im Falle einer möglichen Bebauung für einen entsprechenden Ausgleich sorgen“, so Fischer.

Von Stephan Laude

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