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Treuenbrietzen

Spannender Grabsteinfund bei Parksanierung

Bei Bodenarbeiten im Stadtpark Treuenbrietzen ist unter einem Weg an der Nieplitz ein Grabstein mit hebräischen Schriftzeichen entdeckt worden.

Bei Bodenarbeiten im Stadtpark Treuenbrietzen ist unter einem Weg an der Nieplitz ein Grabstein mit hebräischen Schriftzeichen entdeckt worden.

Treuenbrietzen. Damit hat dort niemand gerechnet. Ein spannender Fund im Stadtpark von Treuenbrietzen gibt jetzt Rätsel auf. Bei Bauarbeiten zur Neugestaltung des Abschnittes rund um das Himmel-Denkmal an der Badeanstalt ist ein zertrümmerter Grabstein freigelegt worden. Er trägt eine hebräische Inschrift. Mehrere Buchstaben sind deutlich erkennbar auf dem gut 40 Zentimeter langen Stein, der offenbar ein Bruchstück darstellt.

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Archäologe ist sich sicher

Der Fund könnte bislang unbekannte Details zur Stadtgeschichte beisteuern. Davon geht zumindest ein Archäologe aus. Zwar ist bekannt, dass sich in dem Bereich der zum Beginn des vorigen Jahrhunderts aufgegebene jüdische Friedhof der Stadt befand. Doch liegt dieser an der Stadtmauer auf der anderen Seite des Flüsschens Nieplitz, das den Park durchzieht.

Spannend an dem Fund sei vor allem die Form der mit Feldsteinen gesäumten Grube, in der sich der Stein befand. „Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um ein Grab gehandelt hat“, sagt Archäologe Thomas Langer. Aus welcher Zeit auch immer. Der Experte aus Bad Belzig ist hinzugezogen worden, als bei Tiefbauarbeiten für die neuen Parkwege plötzlich die besonderen Steine zum Vorschein kamen.

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Im Stadtpark Treuenbrietzen laufen Sanierungsarbeiten. Erledigt werden sie von Marco Braune und weiteren Kollegen der Firma Baum und Park aus Potsdam.

Im Stadtpark Treuenbrietzen laufen Sanierungsarbeiten. Erledigt werden sie von Marco Braune und weiteren Kollegen der Firma Baum und Park aus Potsdam.

Der Grabstein ist zunächst gesichert worden und soll näher untersucht werden. „Größere Grabung sind deshalb aber seitens der Archäologen nicht geplant“, sagt Bauamtsleiter Christoph Höhne. Der Archäologe werde den Fortgang der Arbeiten begleiten, die jedoch planmäßig weiterlaufen. „Dabei werden wir auf weitere Funde achten und gucken, ob es weitere Belege gibt, die auf eine Grabanlage hindeuten könnten“, sagt Thomas Langer.

Ortschronist zweifelt an Grab-Theorie

Für „eher unwahrscheinlich“ hält Ortschronist Ernst-Peter Rabenhorst die Theorie einer älteren Grabanlage an dieser Stelle. Sie widerspräche „jeder Logik der Stadtentwicklung, da der Bereich außerhalb der Stadtmauern gelegen war und dort früher Teiche belegt sind“. Zudem gebe es keine Überlieferungen ähnlicher Funde aus der Zeit um 1860, als Carl August Pauckert dort den heute nach ihm benannten Stadtpark angelegt hatte und auch Löcher aushob, um Bäume zu pflanzen.

Historie des jüdischen Friedhofes

Jüdische Bewohner sind in Treuenbrietzen in einer ersten Nachricht seit 1356 belegt.

Im Jahr 1703 leben zwei jüdische Familien in der Stadt. Um 1831 waren es 22 Juden, 1919 gab es 19 und 1935 noch acht jüdische Bewohner.

In Akten wird erstmals 1711 ein „Totenhof hiesiger Judenschaft“ erwähnt, der 1135 Quadratmeter umfasst habe.

Im Zeitraum von 1815 bis 1874 sind 47 Beerdigungen nachgewiesen.

Zur letzten Beisetzung schwanken die Angaben zwischen 1914 und 1925. Klar ist, dass die 1913 geborene Edith Slotowski dort als Letzte beigesetzt wurde. Danach verfielen die Grabstätten.

Im Jahr 1937 weist ein neu erstelltes Grundbuchblatt den Friedhof als Eigentum der Stadt aus mit dem Status eines „umbauten Hofraums“.

Im Zweiten Weltkrieg wurde 1944 auf dem Friedhof ein Luftschutzbunker errichtet. Grabsteine wurden zu Baumaterial, unter anderem an Nieplitzbrücken.

Stadtchronist Rabenhorst hält es eher für wahrscheinlich, dass der jüdische Grabstein und anderes Material genutzt wurden, „um an der Stelle irgend ein Loch zu verfüllen“. Es könnte sich beispielsweise um einen Bombenkrater gehandelt haben aus Angriffen auf Bahnanlagen zum Ende des zweiten Weltkrieges. „Es würde mich wundern, wenn dort an der Nieplitz ein Friedhof gewesen sein sollte. Dafür gibt es überhaupt keine Quellen“, sagt der Heimatforscher. Auch er hat sich den Fundort bereits angesehen.

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Der Fundort des Grabsteines (li.) im Stadtpark Treuenbrietzen. Am anderen Ufer der Nieplitz liegt der jüdische Friedhof.

Der Fundort des Grabsteines (li.) im Stadtpark Treuenbrietzen. Am anderen Ufer der Nieplitz liegt der jüdische Friedhof.

Bekannt ist, dass im Bereich des jüdischen Friedhofes – auf der anderen Seite der Nieplitz – um 1944 ein Schutzbunker gebaut worden ist. Dabei wurde keine Rücksicht genommen auf die damals dort noch vorhandenen Grabsteine. Später tauchten Reste der zertrümmerten Grabsteine immer mal wieder an verschiedenen Orten in der Stadt auf. Sie waren als Bau- oder Füllmaterial verwendet worden. Zwei jüdische Grabsteine aus der Friedhofsanlage sind im Heimatmuseum bewahrt.

Weiterer Baustein zur Aufarbeitung

Katrin Päpke plädiert dafür, dass der nun gefundene jüdische Grabstein einfließen sollte in die weitere Aufarbeitung der jüdischen Geschichte der Stadt. Dazu ist sie gemeinsam mit ihrem Vater Hellmut Päpke sowie inzwischen auch Andreas Bruhns in einer Gruppe aktiv. Zudem beschäftigen sich Schüler der Gesamtschule im Rahmen der Geschichtswerkstatt mit dem Thema.

Katrin Päpke könnte sich vorstellen, "dass der neue Steinfund genutzt wird, um am Ort des jüdischen Friedhofes anschaulich auf dessen Historie hinzuweisen – womöglich in Ergänzung zu einer Informationstafel". Seit 2003 ist der Wiesenhügel an der Stadtmauer mit einem Gedenkstein markiert. Alljährlich zum 9. November findet dort eine Gedenkstunde an die Reichspogromnacht von 1938 statt, als Nationalsozialisten deutschlandweit die systematische Verfolgung von Juden begannen.

Von Thomas Wachs

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