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MAZ-Weihnachtsaktion Sterntaler

MAZ-Sterntaler: Kai (8) kämpft sich mit neuer Niere zurück in den Alltag

Der achtjährige Kai lebt seit einem Jahr mit einer Spenderniere und hat viel aufzuholen.

Der achtjährige Kai lebt seit einem Jahr mit einer Spenderniere und hat viel aufzuholen.

Werder.In der Nacht braucht Kai ein Geräusch. Die Stille in seinem Bett ist dem Achtjährigen fremd. Vor ein paar Tagen fragte er, ob seine Mama den Luftbefeuchter laufen lassen könnte. „Das Geräusch scheint ihm Sicherheit zu geben“, sagt Nadine Herzsprung. Das kommt nicht von ungefähr, denn zwei Jahre lang hing ihr Sohn jede Nacht am brummenden Dialyse-Gerät, nachdem bei ihm im November 2018 überraschend Nierenversagen festgestellt wurde. Zwölf Stunden lang, zuletzt sogar dreizehneinhalb, war der kleine Werderaner vom Abend an bis in die Morgenstunden verkabelt, konnte sich nicht wie ein gesunder Junge in seinem Alter bewegen, konnte abends nicht baden, nicht umher toben. Seit einem Jahr ist das vorbei. Für Kai fand sich eine Spender-Niere, mit der sein Körper wieder funktioniert. Dankbar und glücklich ist die Familie, aber diese Zeit voller Angst und Einschränkungen hat tiefe Spuren hinterlassen.

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MAZ-Aktion „Sterntaler“: So können Sie helfen

Mit der „Sterntaler“-Weihnachtsaktion sammelt die MAZ in diesem Jahr Spenden für Familien und Alleinerziehende, für ältere und kranke Menschen, für Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind – kurzum für Menschen aus Potsdam und Umland, die es schwer haben und denen wir eine Freude zu Weihnachten machen wollen.

Das Spendenkonto wird von der Hoffbauer-Stiftung treuhänderisch verwaltet, eine Spendenbescheinigung wird ausgestellt (mehr als 300 Euro). Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: MAZ-Sterntaler-Aktion.

Die Bankverbindung:

Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank

IBAN: DE53 3506 0190 1567 6140 14

BIC: GENODED1DKD

Die Spendernamen werden veröffentlicht. Wer dies nicht möchte, weist bitte im Verwendungszweck darauf hin.

Bisher sind 7528 Euro auf dem Sterntaler-Konto eingegangen.

Heute danken wir Michael Redel (500 Euro), Daniela und Heino Kesting (350 Euro), Björn Stockleben (200 Euro), Renate Korb, Jens Kestler-Merlin und Eberhard und Karin Lange (jeweils 100 Euro) sowie Ronny und Eve Bewer (60 Euro).

50 Euro: Ulrich Stollberg, Guido Hunker, Heidrun Höver, Susanne Muller, Dirk Andreas, Erich Haller, Bärbel Grosse, Michael Rolland, Manfred und Rosa Kruse, Ines Veith, Peggy Chlubek, Petra Kästner, Götz und Renate Seidel, Cornelia und Frank Kober, Christian Hemmelmann, Ingrid Beyer sowie Sigrun und Peter Haseloff.

30 Euro: Karin Henkel-Rolland, Mechthild Stolzenberg, Rolf-Detlef Tress sowie Petra und Viola Effenberger .

20 Euro: Susanne Viga, Andreas und Hannelore Flamig, Regina Ebert, Susanne und Klaus Gömann, Jörg und Nicole Heinemann, Christian Gerber sowie Nadine Mahlow,

Weiterhin: Volker und Heidi Schneeweis (25 Euro), Danijela Goldmann und Robert Winkelmann (je 10 Euro) sowie allen, die nicht genannt werden wollen.

Liebe Leserinnen und Leser, jeder Euro und jeder Cent zählt! Bitte helfen Sie uns, Nadine Herzsprung und ihrem Sohn Kai, der Potsdamerin Daniela Liske und ihren drei Jungen, der 18-jährigen Ritaj aus Michendorf und dem 69-jährigen Horst Brabant aus Potsdam zu helfen. Bitte spenden Sie!

Nadine Herzsprung erinnert sich noch genau an diese eine Nacht, in der es um Leben und Tod gegangen war. Schon länger hatte sie geahnt, dass etwas mit ihrem Kind nicht stimmt. Kai hatte oft über Bauchschmerzen geklagt, er wurde schwächer, hatte keinen Hunger und kam schwer aus dem Bett. Arztbesuche liefen ins Leere. An diesem Novemberabend hatte die heute 43-Jährige Kai angesehen und beschlossen, in die Notaufnahme zu fahren. Ihr kleiner Sohn Mattis war damals gerade ein Dreivierteljahr alt und blieb mit dem Vater zu Hause. Im Krankenhaus stellte sich heraus, wie schlecht Kais Blutwerte sind, wie vergiftet sein Körper schon sein musste. Noch in der Nacht brachte ihn ein Rettungswagen mit Blaulicht nach Berlin in die Charité. „Wir werden Ihr Kind nicht verlieren“, hatte man Nadine Herzsprung zugerufen, als sie den Ernst noch gar nicht richtig begriff.

Alltag stand Kopf

Kai musste auf der Intensivstation eine Woche lang stabilisiert werden. Die Familie entschied, die Dialyse täglich zu Hause durchzuführen anstatt drei- oder viermal wöchentlich in die Klinik zu fahren. Dafür musste ein Schlauch in Kais Bauchfell eingesetzt werden. „Kurz vor der OP habe ich mehrmals über Kais unversehrten Bauch gestreichelt, weil es schrecklich für mich war zu wissen, dass danach ein Schlauch rausguckt“, erinnert sich die Berufssoldatin, die in der Geltower Kaserne stationiert ist. Es gibt einige solcher Momente, die Nadine Herzsprung noch lebhaft in Erinnerung sind. Der ganze Alltag stand Kopf.

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Da waren die unter den Joghurt geschummelten Medikamente, die spezielle hochkalorische Nahrung und der ständige Bedacht darauf, dass Kai nicht zu viel Flüssigkeit zu sich nimmt. „Jede Mahlzeit war eine Qual“, sagt die Werderanerin. Fast hätte der Junge eine Nahrungssonde gebraucht. Doch dann kam der lang ersehnte „Nieren-Anruf“ – das war im Oktober 2020, kurz vor dem zweiten Corona-Lockdown. „Die Niere hat nach der Transplantation sofort super Arbeit geleistet und nach kurzer Zeit war auch schon Urin im Beutel zu sehen“, so Nadine Herzsprung. Sie weiß noch, wie sie das voller Begeisterung Kai erzählt hat, der noch sehr müde von der Operation war. Er lächelte.

Verdacht für den Auslöser

Wenn Kai heute sagt „Mama, ich fühl mich gut“, hat das für Nadine Herzsprung zwei Gesichter. „Manchmal denke ich, dass das alles nicht hätte sein müssen und andererseits hat es mir ganz neue Sichtweisen aufgezeigt“, erzählt sie. Lange fragte sie sich, wieso es soweit kommen musste. Denn sie, ihr Partner sowie der kleine Mattis sind gesund, haben keine Nierenprobleme. Inzwischen steht die Vermutung im Raum, dass eine unentdeckte Angina, ausgelöst durch Streptokokken, ursächlich gewesen sein könnte. Das alles beschäftigt Nadine Herzsprung sehr.

Nadine Herzsprung beschult Kai derzeit zu Hause.

Nadine Herzsprung beschult Kai derzeit zu Hause.

„Die Dialyse-Zeit hängt uns heute noch nach“, sagt sie. Kai ist in diesen zwei Jahren langsamer gewachsen und auch die geistige Entwicklung musste im Kampf um die Gesundheit etwas hinten anstehen. Der Zweitklässler hängt im Unterrichtsstoff hinterher, trotz Schulassistenten, der ihn begleitet. Die momentane Aussetzung der Präsenzpflicht nutzt die Mutter, um ihr Kind zu Hause intensiv zu beschulen, um so viel wie möglich aufzuholen. Dazu gehört vor allem, den kleinen Wirbelwind, der auch verloren gegangene Spielzeit nachholen will, immer wieder zum Rechnen, Lesen und Schreiben zu motivieren.

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Tage sind durchgetaktet

Wenn man Nadine Herzsprung fragt, wie es ihr geht, fällt es ihr schwer, das richtige Wort zu finden. „Gedämpft“, sagt sie. „Es war ein harter Einschnitt für uns. Der Alltag ist nicht mehr so unbefangen wie früher.“ Die Tage sind straff durchgetaktet. Alle sechs Wochen muss Kai zur Kontrolle in die Charité, er hat regelmäßig Termine für Physiotherapie, Logopädie und Osteopathie. Hinzu kommen physiotherapeutische Übungen, die Mutter und Sohn täglich 15 bis 20 Minuten zu Hause machen sollen, und der Wille, schulisch so viel wie möglich aufzuholen. Nadine Herzsprung versuchte zuletzt 30 Stunden in der Woche arbeiten zu gehen, aber es funktionierte nicht. „Ich musste dafür so viel Energie aufbringen, dass ich extrem ausgelaugt war“, sagt sie. Also nahm sie noch einmal Elternzeit – unbezahlt. Denn die bezahlte ist für beide Kinder schon aufgebraucht. Wie es für sie beruflich weitergehen kann, weiß sie noch nicht.

Belastend ist für die Familie zudem der nebenbei laufende Ausbau ihres Hauses in Werder. Während Kais Dialyse-Zeit war es eingerüstet – insgesamt zweieinhalb Jahre lang. Eigentlich sollte es viel schneller gehen, aber die Corona-Krise kam den Firmen dazwischen. Das nächste große Projekt ist der Einbau eines Kamins. Die mehr als 30 Jahre alte Heizung ist schon ein paar Mal ausgefallen. Doch die Familie muss ohne die Einnahmen von Mutter Nadine inzwischen sehr auf die Ausgaben achten. Neben Gesundheit an erster Stelle, wäre da noch etwas auf der Wunschliste. Denn für das Homeschooling braucht Kai einen eigenen Laptop oder ein Tablet. Sein liebstes Schulfach ist Mathe.

Von Luise Fröhlich

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