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Emstal

Wie zu Uromas Zeiten: Einblicke ins Backofenmuseum

Das Emstaler Backofenmuseum bietet dem Besucher eine Vielzahl von Exponaten zum Backen und zu Lehmbacköfen.

Das Emstaler Backofenmuseum bietet dem Besucher eine Vielzahl von Exponaten zum Backen und zu Lehmbacköfen.

Emstal. Wenn man sich heutzutage sein Frühstück zubereitet, dann ist das relativ unkompliziert. Man holt sich sein Brot vom Bäcker ums Eck oder fährt schnell zum Discounter, wo es mittlerweile zurechtgeschnitten in den Auslagen liegt.

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Die Backtradition ist somit nicht mehr allgegenwärtig, alles liegt zum Abholen bereit. Wie aufwendig das Backen ohne Bäcker oder Discounter Anfang des letzten Jahrhunderts war, aber auch wie gemeinschaftsfördernd, zeigt das Backofenmuseum in Emstal, Ortsteil der Gemeinde Kloster Lehnin. Es ist im gesamten Land Brandenburg das einzige seiner Art.

„Wie wollen unsere alte Backtradition erhalten“, sagt Udo Wernitz (50), Vorsitzender der Interessengemeinschaft Backofen, die sich 1983 in Emstal gründete, um die „Tradition nicht sterben zu lassen“. Denn diese reicht in Emstal weit zurück.

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Zwischen 1840 und 1845 wurde der dreieckige Platz an der Dorfstraße, unmittelbar vor dem heutigen Museum, in fünf Backofenstellen aufgeteilt und je ein Lehmbackofen errichtet. Das waren jedoch nicht die einzigen Orte, an denen gebacken wurde. Um das Jahr 1900 herum gab es in Emstal weitaus mehr Backöfen. So existierte noch ein zweiter Backofenplatz mit mehreren Öfen und auch auf Privatgrundstücken wurde gebacken.

Früher versorgten 20 Öfen die Einwohner des Ortes

Insgesamt 20 dieser Öfen versorgten die Einwohner von Emstal mit frischen Backwaren. Die Backofenplätze wurden jedoch Platzmangel und der Feuersicherheit errichtet. Zu beengt waren die Gehöfte, die rund um den Platz lagen und denen ein Backrecht zustand, zu groß die Gefahr eines Feuers durch die Arbeit mit der Glut.

Dementsprechend kam es zum Bau der Gemeinschaftsbacköfen in der Dorfmitte, deren zentraler Platz zu diesem Zeitpunkt ungenutzt war, aber für die Hausfrauen bequem zu erreichen. An den Wochenenden backten hier etwa vier bis fünf Familien, die eine Backgemeinschaft bildeten, ihre Brote. Waren Reparaturen oder Umbauten nötig, wurden die Gelder dafür gemeinschaftlich aufgebracht.

Adresse und Kontakt

Das Backofenmuseum liegt in der Emstaler Hauptstraße 29 in 14797 Kloster Lehnin, Ortsteil Emstal.

Die Ausstellung ist von April bis Oktober immer samstags in der Zeit von 14 bis 16 Uhr. Weitere Termine sind nach Vereinbarung möglich.

Anmeldung, auch von Besuchergruppen, unter 03382/741760 oder webmaster@backofen-emstal.de.

Der Eintritt ist frei.

Das Museum ist barrierefrei.

Weitere Informationen unter www.backofen-emstal.de.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und dem Aufkommen kommerzieller Bäckereien verfielen die Backöfen in Emstal jedoch. „Die Öfen waren damals in einem jämmerlichen Zustand“, erinnert sich Wernitz, selbst gelernter Bäckermeister und seit 25 Jahren im Verkauf von Bäckereirohstoffen tätig.

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Die Folge waren die Bildung der Interessengemeinschaft Backofen und der Neubau der Öfen. Um der Tradition des Backens im eigenen Ort darüber hinaus gerecht zu werden, fehlte es jedoch noch an einem geeigneten Museum. Anfangs diente eine alte Backstube der Darstellung der Geschichte der Backöfen und um sich gemütlich zu einem Stück Brot zu treffen.

Neubau der Öfen nach dem Zweiten Weltkrieg

Aufgrund der geringen Größe der Backstube und der Entfernung zu den Öfen im Emstaler Zentrum musste jedoch ein neues Gebäude gefunden werden. Glücklicherweise befanden sich nach der Schließung eines alten Konsums geeignete Räume direkt gegenüber des Ofenplatzes.

Diese Räume beinhalten nun seit 2000 einen Aufenthaltsraum, eine Backstube im Stile der 1930er Jahre und einen modernen Ofen. Zudem verdeutlichen die ausgestellten Gerätschaften, wie viel handwerklichen Geschick und wie wenig Industrielles im Backen von Früher steckte.

Die Ausstellungsstücke stammen teilweise aus dem 19. Jahrhundert und sind aus den Nachlässen geschlossener Betriebe aus nah und fern. „Die meisten Stücke sind jedoch Spenden unserer Gäste“, sagt Wernitz. Bei etwa 3000 Besuchern im Jahr hat sich so eine beachtliche Sammlung angehäuft. Den Gast erwarten unter anderem Waffeleisen, Brötchenschieber, Gebäckspritzen, Backformen, zwei voll funktionstüchtige Teigknetmaschinen, Fahnen der „Bäcker-Innung Lehnin und Umgebung“ sowie allerhand Informatives zu den unterschiedlichen Getreidesorten.

Brötchenteilmaschine von 1850

Wernitz‘ Lieblingsstück ist jedoch eine Brötchenteilmaschine von circa 1850. In dieser wurde der Brötchenteig auf 30 gleichgroße Stücke aufgeteilt. Eine Normierung, die ermöglichte, identisch große Brötchen zu backen, und heute noch aktuell ist.

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Eine alte Steinmühle, die per Hand betrieben werden muss, ist besonders bei Kindern beliebt. Neben normalen Besuchergruppen sind auch Schulklassen im Backofenmuseum gern gesehen. Nach vorheriger Absprache mit den Lehrern entsteht gar ein Besucherprogramm, das an das Alter der Kinder angepasst ist. „Die Besucher dürfen die Sachen gern ausprobieren“, sagt Wernitz.

Am 3. Oktober wird wieder gebacken

„Erwachsene bekommen hier Kaffee und Kuchen, mit den Kleinen werden Brötchen und Pizza gebacken“. Das geschieht im modernen Ofen im Museum. An fünf Backtagen im Jahr werden allerdings sogar die Backöfen auf dem Platz vor der Tür angefeuert.

Himmelfahrt, am Sonntag nach Pfingsten, dem 3. Oktober und dem 23. Dezember weht dann wieder der Duft von frisch Gebackenen durch Emstal. Ganz wie zu Uromas Zeiten. Als Backen noch mehr war als der Gang zum Discounter.

Von Tobias Wagner

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