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Neue Mitte

Acht barocke Figuren für den Steubenplatz

Noch stehen sie im Park Sanssouci, doch die barocken Figuren sollen ins Zentrum zurückkehren.

Noch stehen sie im Park Sanssouci, doch die barocken Figuren sollen ins Zentrum zurückkehren.

Innenstadt. Acht erhaltene barocke Skulpturen sollen auf den Plögerschen Gasthof am Steubenplatz zurückkehren. Der Leitbau gegenüber dem Landtag, der bis 2022 mit einer möglichst nah an das Original angelehnten Fassade rekonstruiert werden soll, wird voraussichtlich seinen originalen Figurenschmuck auf dem Dach zurückerhalten.

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Saskia Hüneke: „Natürlich stehen die Figuren dafür zur Verfügung“

Die Stadtverwaltung hat die Stiftung Preußische Schlösser & Gärten (SPSG) um eine entsprechende Zusammenarbeit gebeten, wie Saskia Hüneke, Kustodin der Skulpturensammlung, der MAZ sagte. „Die Stadt hat sich mit der Bitte an uns gewandt, ob die Figuren im Rahmen des Leitbautenkonzepts zur Verfügung gestellt werden können.“ Demnach hat der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) bereits Ende 2017 bei der Stiftung angefragt. „Natürlich stehen die Figuren dafür zur Verfügung“, sagt Hüneke.

1958 wurde die Kriegsruine des Plögerschen Gasthofs abgerissen. Im Park Sanssouci wurden die Figuren unmittelbar danach in einem eigens neu geschaffenen Rondell auf der Hauptallee des Parks Sanssouci aufgestellt. Dort stehen sie heute noch, sind derzeit allerdings wie zahlreiche andere Bildwerke auch über den Winter eingehaust. Auch ein Bacchus-Kopf vom Hauptportal des Gasthofs liegt seit Jahrzehnten auf dem Werkstatthof der Stiftung.

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Der Plögersche Gasthof am Steubenplatz vor seiner Zerstörung mit den Figuren auf dem Dach. An dieser Stelle stand bis vor kurzem noch die alte Fachhochschule.

Der Plögersche Gasthof am Steubenplatz vor seiner Zerstörung mit den Figuren auf dem Dach. An dieser Stelle stand bis vor kurzem noch die alte Fachhochschule.

Die Motive der Figuren wiesen auf die Nutzung als Gasthof hin

Ein Jüngling des Weingottes mit einer Korbflasche erhebt seinen Becher, ein alter Mann trägt einen fetten Braten im Arm. Daneben schenkt Ganymed, der Mundschenk der Götter, aus einem Krug Getränke nach und ein Musiker spielt die Flöte. Dazu präsentieren weibliche Figuren Früchte, Ähren und Blumen. „Das sind lauter Motive, die auf die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes als Gasthof hindeuten“, sagt Saskia Hüneke.

Saskia Hüneke ist die Kustodin für Skulpturen der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten

Saskia Hüneke ist die Kustodin für Skulpturen der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten

Sie stammen vom fränkischen Bildhauer Johann Peter Benkert (1709-1765), für dessen Werke laut der Kunsthistorikerin „detailreiche Attribute und reich verzierte Symbole“ typisch waren. Er schuf im Auftrag Friedrichs II. zahlreiche Figuren in den Schlössern und Prachtbauten von Potsdam und Berlin.

Eine Begehung ergab, dass die Figuren noch sehr gut aussehen

Aus Anlass der Anfrage der Bauverwaltung hat es mittlerweile eine Begutachtung der Figuren gegeben. „Die Skulpturen sehen dem ersten Eindruck nach noch sehr gut aus, aber hier muss auf jeden Fall noch gründlicher geschaut werden“, lautet das erste Fazit von Roland Will, Leiter der Skulpturenwerkstatt der SPSG. Dazu müssen die Figuren gereinigt und vom Moos und anderen Spuren an der Sandsteinoberfläche befreit werden.

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Der Flötenspieler sorgt bislang noch im Park Sanssouci für angenehme Stimmung.

Der Flötenspieler sorgt bislang noch im Park Sanssouci für angenehme Stimmung.

Entscheidend ist, ob die Aufstellung auf dem Dach des Neubaus „ohne die Möglichkeit zur Wintereinhausung nach der fachlichen Restaurierung und bei sorgsamer Beobachtung auf längere Sicht möglich ist“, so die Stiftung in ihrer Antwort an das Bauamt. Je nach dem endgültigen Befund, könnte es daher sein, dass einzelne Figuren doch durch Kopien ersetzt werden müssen.

Wem die Figuren gehören, ist ungeklärt

Ebenfalls offen ist die Eigentumsfrage. Der Vorgänger der Stiftung aus DDR-Tagen, die „Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci“, hatten die Skulpturen vor dem Abriss der Gasthof-Ruine in Obhut genommen – anderenfalls wären sie vermutlich zerstört worden. Was „den rechtlichen Status der Skulpturen betrifft, so gilt es diesen im Zuge des Verfahrens zu prüfen und dann zu entscheiden“, so Frank Kallensee, Sprecher der Schlösserstiftung zur MAZ.

Dieser Bacchuskopf gehört ebenfalls zum Plögertschen Gasthof und wird voraussichtlich wieder über dem Hauptportal eingebaut.

Dieser Bacchuskopf gehört ebenfalls zum Plögertschen Gasthof und wird voraussichtlich wieder über dem Hauptportal eingebaut.

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Die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 (PWG), die den neuen Plögerschen Gasthof errichtet, ist laut Hüneke bislang noch nicht involviert. Fest steht, dass in dem Neubau neben Wohnungen und Räumen für Vereine auch Gastronomie entstehen soll. Der Dachschmuck wird damit auch wieder auf die Nutzung im Innern hinweisen.

Von Peter Degener

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